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Arms im Test - Der erste Switch-Exklusivhit?

Mit dem Kampfspiel Arms möchte Nintendo den nächsten Switch-Hit landen und gleichzeitig eine neue Marke etablieren. Unser Test zeigt: Das könnte tatsächlich gelingen.

von Mirco Kämpfer,
07.06.2017 16:00 Uhr

Arms für Nintendo Switch im Test.Arms für Nintendo Switch im Test.

Ich hole mit der Rechten aus, um den Gegner zum Ausweichen zu zwingen, und trommel ihm anschließend frontal mit der Linken eins auf die Zwölf. 99 Sekunden lang sausen Bumerangs und Boxhandschuhe an gedehnten Sprungfeder-Armen durch die Arena. Meine Hände schwitzen vor Anspannung, mein Puls sprintet wie ein Marathonläufer. Trotzdem kann ich die Joy-Con nicht weglegen, muss noch eine Runde spielen und danach am besten noch eine.

Nach mehreren Tagen mit Nintendos Casual-Prügelspiel Arms muss ich mir eingestehen, was ich anfangs nicht glauben wollte: Die Casual-Fuchtelei macht unheimlich viel Spaß - und könnte nach Mario Kart 8 Deluxe tatsächlich Nintendos nächster großer Online-Wurf für die Nintendo Switch werden.

Nintendos Geheimzutat zum Erfolg

Bei Nintendo gibt es kein Schubladen-Denken. Die Japaner hatten schon immer ein Händchen dafür, klassische Genres aufzubrechen und sie für ein breites Publikum schmackhaft zu machen. Diese Geheimzutat, diese Prise pure Freude lässt sich nicht nur in Mario Kart und Splatoon finden, sondern auch in Arms.

Arms - Screenshots ansehen

Allerdings haben die Entwickler dafür das Beat'em-up-Spielprinzip gehörig auf den Kopf gestellt. Im Gegensatz zu den meisten Kampfspielen setzt Arms nämlich nicht auf die etablierte »Zwei Schläge, zwei Tritte«-Steuerung. Ihr kämpft allein mit den Armen. Dehnbaren Armen, um genau zu sein.

Die Möglichkeiten der ausfahrbaren Gliedmaßen werden zusammen mit den Grundlagen des Kampfsystems in einem ausführlichen Tutorial erläutert, wenn ihr Arms das erste Mal startet. Im Prinzip gibt es zunächst nicht zu viel zu beachten: Springen und Ausweichen sind essenzielle Verteidigungsmaßnahmen, mit Schlägen und Würfen drescht ihr dem Gegner die Energie aus der Lebensleiste. Dabei setzt auch Arms auf das Stein-Schere-Papier-Prinzip: Schläge kontern Wurfgriffe, Würfe durchbrechen Blocks und Blocks wehren Fausthiebe ab.

Von der Seite in die Kauleiste

Besonders cool sind die für Arms typischen »Bumerang-Punches«. Mit dem linken Analogstick oder wahlweise durch Neigen der Joy-Con bestimmt ihr die Richtung des Schlages. Einige der insgesamt 30 Arms lassen sich lediglich leicht in ihrer Flugbahn justieren, andere fliegen bei Bedarf eine regelrechte Kurve - was ihr natürlich zu eurem Vorteil nutzen könnt. Einfach einen Schlag antäuschen und danach mit einem Seitenhieb zu treffen, fühlt sich unfassbar befriedigend an, zumal die Reichweite der dehnbaren Ärmchen erstaunlich groß ist.

Die Kurvenschläge machen viel Spaß - und erlauben taktische Möglichkeiten.Die Kurvenschläge machen viel Spaß - und erlauben taktische Möglichkeiten.

Vor allem bei Kämpfen aus mittlerer Distanz fühlt sich Arms daher beinahe schon wie ein Shooter an: Das Zielen will gelernt sein, sonst rauscht der Boxhandschuh vorbei, was wiederum euch zur Zielscheibe macht, da ihr natürlich nicht zuschlagen oder blocken könnt, solange der entsprechende Arm ausgefahren ist.

Herausragende Bewegungssteuerung

Auch wenn die Bedienung sowohl mit den Joy-Con im Handheld-Modus als auch mit dem Pro Controller einwandfrei funktioniert, kann ich euch nur raten, Arms mit Bewegungssteuerung zu spielen oder sie zumindest einmal auszuprobieren. Die funktioniert nämlich erstaunlich präzise, auch wenn sie etwas Übung erfordert. Dafür haltet ihr die Joy-Con aufrecht mit den Daumen nach oben vor euch und schlagt vor dem Fernseher genauso zu, wie ihr es im Spiel tun würdet. Gerade die Kurven-Schläge fühlen sich dadurch viel natürlicher an.

Große Arms wehren kleinere ab. Zudem besitzen Arms Elemente wie Feuer, Eis oder Elektrizität.Große Arms wehren kleinere ab. Zudem besitzen Arms Elemente wie Feuer, Eis oder Elektrizität.

Anfangs hatte ich Probleme mit den Joy-Con, mein Kämpfer setzte zum Angriff an, obwohl ich eigentlich blocken wollte und auch die Bewegung durch die Arena war etwas hakelig. Nach einer Stunde Eingewöhnungszeit machte es dann aber "Klick" und meine Hände vollführten selbständig Moves, ohne dass ich darüber nachdenken musste, welche Knöpfe ich nun drücken muss. Mittlerweile bin ich mit den Motion Controls besser als mit dem Pro Controller. Gut also, dass Nintendo uns so viele Eingabemöglichkeiten zur Wahl stellt.

Fäusteschwingend Basketball spielen

Arms bietet nicht nur Eins-gegen-Eins-Duelle, auch Teamkämpfe (2vs2) und Dreiergefechte (1vs1vs1) stehen zur Wahl. Die Massengefechte schwanken allerdings zwischen extrem lustig und einfach nur nervig, weil die Übersicht fehlt. Aufgrund der knallbunten Effekte fällt es schwer, den Gegnern zu folgen und die insgesamt acht herumfliegenden Arms im Auge zu behalten. Spätestens im Splitscreen an einer Konsole bricht das komplette Chaos aus - vom kleinen Switch-Display ganz zu schweigen.

Trotzdem sind die Massenkämpfe zwischendurch ganz spaßig, ebenso wie die beiden Fun-Modi. In Volleyball schmettern zwei oder vier Spieler einen Ball über das Netz. Berührt dieser den Boden, gibt's einen Punkt. Um die ganze Sache etwas spannender zu machen, verwandelt sich der Ball nach einiger Zeit in eine Bombe und fällt automatisch nach unten, um Pattsituationen zu vermeiden.

Der Basketballmodus ist ebenso wie der Volleyballmodus ganz nett, bietet aber langfristig zu wenig.Der Basketballmodus ist ebenso wie der Volleyballmodus ganz nett, bietet aber langfristig zu wenig.

Der zweite Fun-Modus ist Basketball, in dem es allein darum geht, den Gegner mit Würfen zu grabschen und im Korb zu versenken. Gelingt euch das aus weiter Distanz, gibt's drei Punkte, ansonsten zwei. Wer zuerst zehn Zähler auf dem Konto hat, gewinnt. Beiden Spielvarianten sind ganz nett für zwischendurch, dienen aber eher als Übung, die Griffe zu meistern und seine Arms kennenzulernen. Langzeitmotivation dürft ihr hier nicht erwarten.

Kein Amiibo-Support?
Zum Launch wird Arms die Amiibo-Figürchen nicht unterstützen. Es wird dementsprechend vorerst auch keine neuen Amiibo im Arms-Design erscheinen. Nintendo Deutschland teilte uns mit, dass noch unklar ist, ob der Amiibo-Support zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht wird.

Vorbildliches Onlinesystem

Damit aber nicht genug: Im Modus "Ins Schwarze" könnt ihr Zielscheiben zerdeppern und euren Highscore steigern, in der Survival-Variante "Hundertkampf" eure Überlebensfähigkeiten beweisen oder euch in "Arms-Test" mit zufälligen Arms durch Gegner kloppen. All diese Modi werden übrigens in den "Standardkampf"-Onlinegefechten wild gemischt. Einerseits bleiben die Scharmützel dadurch stets abwechslungsreich, andererseits fehlt aber auch wie bereits in Splatoon eine Voting-Funktion für Modi oder Arena. Hier bestimmt der Zufall das nächste Match.

Die Teamkämpfe sind lustig, chaotisch und oftmals auch unübersichtlich.Die Teamkämpfe sind lustig, chaotisch und oftmals auch unübersichtlich.

An dieser Stelle muss ich die Online-Lobby trotzdem loben, denn während das Matchmaking im Hintergrund nach Spielern sucht und passende Partien zusammenstellt, könnt ihr euch per Bild-in-Bild-Funktion mit eurem ausgewählten Kämpfer in einem Trainings-Boxring aufwärmen - und somit eure Arms testen, bevor es losgeht. Eine clevere Idee. So darf in Zukunft gern jedes Online-System funktionieren, zumal die Kämpfe absolut flüssig laufen und mir während des Tests kein einziger Verbindungsabbruch unterkam.

Arms - Neuer Trailer stellt den Charakter Helix vor 1:13 Arms - Neuer Trailer stellt den Charakter Helix vor


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