Assassin's Creed 3: Liberation im Test - Die Wirren der Geschichte

New Orleans ist nicht nur die Wiege des Jazz, sondern in Assassin's Creed 3: Liberation auch ein Hort der Assassinen. Wie sich der Ableger für die PlayStation Vita spielt, verraten wir im Test.

von Maximilian Lechner,
07.11.2012 13:45 Uhr

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Die Assassinen in der Assassin's Creed-Reihe hat es schon an viele Orte in den unterschiedlichsten Epochen verschlagen. Sei es Jerusalem, Florenz, Rom, Konstantinopel oder Nordamerika, wie jüngst in Assassin's Creed 3. Ein ähnliches Setting bietet auch das exklusiv für die PlayStation Vita entwickelte Assassin's Creed 3: Liberation .

Haupthandlungsort ist dort nämlich die US-amerikanische Südstaatenstadt New Orleans im späten 18. Jahrhundert (1765-1780). Und nicht nur die Orte sind neu, sondern auch die Hauptheldin des Spiels: Aveline de Grandpré. Vom eigentlichen Hauptcharakter der Reihe, Desmond Miles, bekommt ihr diesmal nichts zu sehen, da das Spiel sich als Simulation von Abstergo Industries, dem bösen Konzern der Templer aus Assassin's Creed, entpuppt. Schon beim Starten des Spiels erscheint nämlich die Meldung »presented by Abstergo«, obwohl ja der eigentliche Entwickler Ubisoft Sofia ist. Warum Liberation aber nicht ansatzweise an das große Vorbild auf den Heimkonsolen rankommt, erfahrt ihr hier.

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AC3 Liberation
Genre: Action
Release: 30.10.2012

Die Wirren der Geschichte

Versuchen wir einmal, die wirre Geschichte, die in Assassin's Creed 3: Liberation erzählt wird, einigermaßen zu entwirren. Ihr übernehmt die Rolle der jungen Klischeeschönheit Aveline de Grandpré, die die Tochter eines reichen französischen Kaufmanns und dessen afrikanischer Mätresse Jeanne ist. Aus irgendeinem Grund, den das Spiel wie so viele andere Storydetails schlichtweg nicht verrät, verlässt die Mutter allerdings 1757 die Familie und ist spurlos verschwunden.

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Die kleine Aveline, die ebenso wie ihre Mutter aus der Sklaverei freigelassen wurde, wird nun von ihrem Mentor Agaté in die Bruderschaft der Assassinen aufgenommen und ausgebildet. Warum? Das Spiel erklärt es nicht. Als erwachsene Frau ist sie jedenfalls auf der Suche nach ihrer Mutter, kämpft nebenbei für die Befreiung der Sklaven von New Orleans und verstrickt sich in den verworrenen Konflikt zwischen Franzosen und Spaniern um die Vorherrschaft in der Kolonie.

Das Warum ist egal

Was auf den ersten Blick interessant klingt, entpuppt sich als liebloses und unreifes Konstrukt. Von einer wirklichen Handlung lässt sich nämlich kaum sprechen, da ständig von neuen Personen, Ereignissen und Aufgaben die Rede ist, die kaum ausreichend erklärt werden, und so für reichlich Verwirrung sorgen.

Hier mal drei Beispiele: Ihr reist nach Mexiko in eine Sklavenkolonie und begebt euch dort in einen Tempel, um ein Artefakt zu bergen. Klingt zwar spannend, aber wieso ihr das eigentlich macht und wozu der Gegenstand gut ist, wird einfach nicht erklärt und auch später nur angedeutet. Nächstes Beispiel: Wir treffen auf unsere eigentlich verloren geglaubte Mutter, aber mehr als zwei Sätze bringen Aveline und ihre Mutter nach all den Jahren nicht heraus. Sie spielt ohnehin auch keine weitere Rolle mehr.

Drittens: Was sollen die immer wieder im Spiel auftauchenden Erudito-Cut-Sequenzen bedeuten, in denen es bestimmte Menschen zu eliminieren gilt? Diese Szenen ziehen bloß zusammenhanglose Filmsequenzen nach sich und sind noch am ehesten mit Störungen im Animus zu erklären. Aber nähere Auskünfte erhaltet ihr auch darüber nicht.

Mut zur Lücke

Es wirkt so, als hätten die Entwickler einige Stichpunkte auf einem Zettel gehabt, die das Handlungsgerüst darstellen, aber all die leeren Stellen dazwischen einfach leer gelassen. Beim Spielen stellt man sich dauernd die Frage, wieso und warum? Das Setting hat so viel Potential, das aber einfach verschenkt wurde. Und wer der wirklich böse Oberschurke ist, lässt sich bereits nach wenigen Spielstunden mühelos erraten.

Assassin's Creed 3 - Die Cross-Content-Funktion

Besitzt ihr eine PlayStation 3 und Assassin's Creed 3 könnt ihr eure Vita mit der großen Konsole verbinden. Dann erlaubt euch Liberation in einer Mission, für kurze Zeit in die Rolle von Connor zu schlüpfen. Außerdem erhaltet ihr sein Tomahawk, einen neuen Multiplayer-Charakter und ein Upgrade für euren Pfeilköcher.

Auf Connor aus Assassin's Creed 3 trefft ihr in einem kurzen Spielabschnitt übrigens auch – die Begegnung setzt allerdings der fehlenden Schlüssigkeit der Geschichte die Krone auf und will nicht so recht in den Rest der Handlung passen. Abgesehen von den Lücken ist die Geschichte um eine halbafrikanische Freiheitskämpferin im 18. Jahrhundert, historisch betrachtet, ohnehin nur modernes Wunschdenken. Für ein fiktives Spiel aber zu verschmerzen.


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