Assassin's Creed Chronicles: China im Test - Köpfchen schlägt Waffe

Assassin's Creed Chronicles: China hat spielerisch kaum etwas mit der Hauptserie gemein. Im Test zeigen wir, warum es genau deswegen ein echter Überraschungshit ist.

von Mirco Kämpfer,
21.04.2015 09:00 Uhr

Assassin's Creed Chronicles: China - Klettern, Schleichen und Metzeln in »2,5D« Assassin's Creed Chronicles: China - Klettern, Schleichen und Metzeln in »2,5D«

Als wir zum ersten Mal von Assassin's Creed Chronicles: China gehört haben, konnten wir den Etikettenschwindel ja fast riechen: Ubisoft Montreal hat die gigantische Open-World-Meuchlerserie auf ein lineares 2D-Hüpfspiel zurechtgestutzt, das auf den ersten Blick kaum etwas mit dem großen Vorbild zu tun hat. Doch die Angst eines billigen Serienabklatsches ist unbegründet, denn im Test entpuppt sich die China-Episode der Chronicles-Trilogie (siehe Kasten) als ein erfrischendes Serien-Spin-off - und als eines der spaßigsten Stealth-Spiele der letzten Jahre.

Die Assassin's Creed Chronicles-Trilogie
Die China-Episode ist lediglich der erste Teil der Chronicles-Trilogie. Bis zum Herbst sollen noch zwei weitere, ähnlich gestrickte Spiele erscheinen. So erleben wir in Assassin's Creed Chronicles: India den Untergang des Reichs der Sikh, während wir als Arbaaz Mir ein mysteriöses Artefakt aus den Händen der Templer bergen müssen. In der dritten, stilistisch sehr düsteren Episode Assassin's Creed Chronicles: Russia verschlägt es uns nach Russland, wo wir als Nikolaï Orelov den Palast des Zaren infiltrieren. Alle drei Episoden sollen jeweils einen eigenen Grafikstil und besondere Spielmechaniken bieten. Ein Bundle ist ebenfalls geplant.

Schleichen statt Kämpfen

Im Gegensatz zur eher actionlastigen Hauptreihe, in der wir mühelos reihenweise Soldaten niederstrecken, geht es in Chronicles: China eher ums Schleichen. Ähnlich wie in Mark of the Ninja bleiben wir also überwiegend im Verborgenen, huschen von Deckung zu Deckung und meucheln Gegner aus dem Hinterhalt - möglichst ohne entdeckt zu werden, natürlich.

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Das klappt aufgrund der intuitiven Steuerung sowie der nützlichen Hilfsanzeigen wunderbar: Sichtkegel und Lichtkegel zeigen uns, welche Stellen wir meiden sollten. Versteckmöglichkeiten sind grün hervorgehoben und somit selbst in brenzligen Situationen auf den ersten Blick ersichtlich. Wir erkennen dank eines Augensymbols sogar, wenn sich ein Gegner kurz umdreht, und können flott in Deckung hechten.

Der Clou und wichtigste Unterschied zum offensichtlichen Ninja-Vorbild: Wir bewegen uns nicht nur nach links und rechts sowie nach oben und unten, sondern auch in die Tiefe. Jedes der zwölf Levels besitzt mehrere Ebenen. So schwingen wir uns im Hafen von Macao auf die Boote im Vordergrund, hüpfen durch offenstehende Fenster ins Innere von Gebäuden oder balancieren auf der Chinesischen Mauer auf einem Holzsteg, der in einen Tempel im Hintergrund führt. Das verleiht dem an sich schon flüssigen Bewegungssystem eine noch größere Dynamik.

Mit Geduld und Spucke

Häufig entdecken wir trotz des weitestgehend linearen Levelverlaufs gleich mehrere Schleich- und Kletterpfade, um den Augen der Wachen zu entgehen. Aber selbst in Pattsituationen weiß sich Shao Jun zu helfen. Als waschechte Assassinin kann sie auf diverse Hilfsmittelchen zurückgreifen, die Assassin's-Creed-Fans wiedererkennen dürften.

Die Fluchtsequenzen sind cool inszeniert und lockern die anspruchsvollen Fluchtpassagen wunderbar auf.Die Fluchtsequenzen sind cool inszeniert und lockern die anspruchsvollen Fluchtpassagen wunderbar auf.

So sorgen wir mit Pfiffen und Lärmpfeilen für Ablenkung, heften uns mit einem Enterhaken an die Decke und krabbeln unbemerkt über die Köpfe der Gegner hinweg. Oder wir werfen etwaigen Verfolgern Knallfrösche vor den Latz, um sie zu betäuben. Im offenen Kampf haben wir nämlich kaum eine Chance, zumal sofort Verstärkung anrückt, wenn wir entdeckt werden. Zwar können wir gegnerische Angriffe mit präzisem Timing parieren und uns mit leichten sowie schweren Angriffen zur Wehr setzen; die zartbesaitete Shao Jun hält aber nur zwei, drei Treffer aus, ehe sie den Löffel abgibt.

Die Holzhammermethode ist folglich wenig erfolgsversprechend. Effektiver und vor allem spaßiger ist es, die Laufrouten der Feinde zu beobachten und sie nacheinander auszuschalten - oder gar nicht. Pazifisten werden ohnehin am meisten belohnt, denn auf dem Weg durch die insgesamt fünf unterschiedlichen Schauplätze, darunter eine düstere Grotte sowie die belebte Stadt Nan'an, erhalten wir je nach Vorgehen Punkte. Wer sich wie ein Schatten bewegt und keine einzige Wache tötet, bekommt die meisten, Rambos die wenigsten Zähler.

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