Assassin's Creed Syndicate - Jack the Ripper - Murder ohne Mystery

Achtung, Spoiler! Der Jack-the-Ripper-DLC verrät direkt in der ersten Viertelstunde, wer der Mörder ist. Kann er trotzdem noch genug Spannung entwickeln?

von Ann-Kathrin Kuhls,
17.12.2015 17:20 Uhr

Was ist ... Jack The Ripper? - Wir spielen den DLC von Assassin's Creed Syndicate. Was ist ... Jack The Ripper? - Wir spielen den DLC von Assassin's Creed Syndicate.

Jack the Ripper ist einer der berüchtigtsten Serienmörder der Geschichte. Der erste DLC zu Assassin's Creed Syndicate nimmt sich dem Mythos an und schickt Evie Frye auf die Suche nach dem Killer.

Zwanzig Jahre, nachdem Jacob und Evie Frye London aus den Klauen von Templermeister Crawford Starrick befreit haben, haben die Bewohner der Stadt erneut zu leiden: 1888 überfällt und tötet ein Serienmörder Prostituierte, die nachts auf den Straßen unterwegs sind. Jacob, der in der Stadt geblieben ist, macht sich auf die Suche nach dem Killer, verschwindet aber spurlos. Daraufhin kehrt dessen Schwester Evie aus Indien zurück, um dem Mörder das Handwerk zu legen und so auch ihren Bruder zu finden.

Prostituierte statt Kindern

Unsere Spurensuche führt uns hauptsächlich durch die Bereiche Whitechapel und City of London, in denen auch der echte Ripper sein Unwesen getrieben hat. Der DLC ergänzt das bekannte Terrain allerdings mit drei komplett neuen Schauplätzen, darunter eine Insel in Stadtnähe oder das abgelegene Anwesen einer Bordellbetreiberin. Die besuchen wir allerdings nur während spezieller Story-Missionen, als offene Welt bleibt London unser alleiniger Spielplatz. Dort warten auch wieder, ganz getreu der Ubisoft-Formel, jede Menge Nebenaufträge auf uns.

Neben neuen Kampfclub- und Kopfgeldmissionen haben manche der Sympathisanten-Einsätze jetzt einen neuen Dreh: Statt arbeitender Kinder aus Fabriken zu befreien helfen wir jetzt Prostituierten bei Bordellangriffen. Außerdem verfolgen wir entführte Huren mit der Kutsche durch die Stadt oder befreien Teile der Viertel, die von Schergen des Rippers besetzt sind. Am grundsätzlichen Ablauf dieser Nebenmissionen ändert sich gegenüber dem Hauptspiel jedoch nur wenig. Statt Kindern retten wir jetzt eben Huren und statt Gang-Anführern eliminieren wir nun halt Jacks Offiziere. Da wäre mehr drin gewesen.

Die Instrumente der Angst

Immerhin liefert der DLC einige neue Waffen: Bei ihrem Aufenthalt in Indien hat Evie nämlich gelernt, ihre Feinde in Panik zu versetzen. Die so genannten Angst-Instrumente sind zwar nicht tödlich, sorgen aber unter den Gegnern für Terror und lassen sie kopflos davonrennen. Dazu gehören beispielsweise Spieße, mit denen Evie ihre Feinde auf den Boden pinnt, oder eine Angst-Bombe, die verstörende Geräusche von sich gibt. Über bereits bekannte Werkzeuge wie den Greifhaken oder halluzinogene Pfeile verfügt Evie nach wie vor. Etwas seltsam ist allerdings, dass Evie jetzt nicht mehr direkt tötet. Das bedeutet, dass sie beispielsweise den Feinden mit der Hand über die Kehle fährt, woraufhin diese dann winselnd zusammenbrechen - was ziemlich albern wirkt. Die Möglichkeit zur Hinrichtung bekommen wir erst, wenn der Gegner sich vor uns auf dem Boden windet.

Sherlock Frye

Wenn sie nicht gerade die Gefolgschaft des Mörders dezimiert, untersucht Evie die Tatorte der Morde. Wie bei den Mordfällen in Unity oder dem Hauptspiel nutzt sie dabei die Adlersicht, um verräterische Blutflecken aufzuspüren oder die Flugbahn eines weggeworfenen Beweisstücks nachzuverfolgen. Gefundene Hinweise werden dabei in den Raum projiziert, was ein bisschen an Sherlock Holmes: Crimes and Punishments erinnert. Zusammen mit den Assassinen-Missionen und den zahlreichen Nebenquests gibt es also genug für sechs bis acht Spielstunden zu tun, je nachdem, ob wir alle Truhen und Helix-Fragmente finden wollen.

Mit der Adlersicht untersucht Evie die Tatorte.Mit der Adlersicht untersucht Evie die Tatorte.

Jack ist kein Geheimnis

Gerade für Fans des Jack-the-Ripper-Mythos und alle anderen, die sich auf eine aufregende Jagd nach dem Mörder gefreut haben, kommt aber bereits nach den ersten fünfzehn Spielminuten die große Enttäuschung: Es wird aufgelöst, wer der Ripper ist. Den Rest der Zeit verbringen wir damit, ihn an unterschiedlichen Schauplätzen zu jagen. Dadurch verliert die gesamte Geschichte logischerweise ein entscheidendes Spannungsmoment. Jack the Ripper ist nicht länger ein namenloser Schemen, sondern hat einen Namen und eine Geschichte.

Dabei war Jack the Ripper eigentlich ein Mysterium. Er wurde deswegen berühmt, weil er einer der ersten war, über den alle Zeitungen berichteten und der trotzdem nicht gefasst werden konnte. Und dann erfahren wir direkt zu Anfang, wer der Ripper ist, und finden die Auflösung so unpassend, dass es uns auch bei der anschließenden Jagd auf den Übeltäter immer wieder aus der Atmosphäre herausreißt. Da haben wir von einem Spiel, das historische Charaktere ansonsten sehr clever in seine fiktive Geschichte einwebt, schlicht mehr erwartet.

Um Beweise zu vernichten, bringt der Ripper diverse wichtige Zeugen zum SchweigenUm Beweise zu vernichten, bringt der Ripper diverse wichtige Zeugen zum Schweigen

Ein klein wenig ausgeglichen wird das allerdings durch einen interessanten spielerischen Kniff. Wer sich die Überraschung nicht verderben möchte, sollte gleich zum nächsten Absatz springen:

Warnung: der folgende Absatz enthält Spoiler

Bereits während der ersten Spielminuten steuern wir nicht nur Evie, sondern auch Jack the Ripper selbst. Das ist anfangs wirklich klasse. Denn auch ohne den persönlichen Hang zum Serienmord fällt auf, dass der Ripper als Spielfigur wirklich gut durchdacht ist. Seine Waffen sind im Gegensatz zu Evies tödlich, und auch der durch ihn verbreitete Schrecken ist größer. Wir müssen nicht behutsam an Polizisten vorbeischleichen, sondern stechen einfach einen der Gesetzeshüter dermaßen brutal ab, dass die anderen panisch davonrennen. Dazu kommt Jacks Geisteskrankheit, die durch ein Flimmern des Bildes und über den Bildschirm zuckende Worte eindrucksvoll dargestellt wird. Wenn die Anfälle Jack übermannen, können auch wir als Spieler nicht mehr klarsehen und hören alle Stimmen seltsam verzerrt. Da wir den Ripper selbst spielen können, verliert der legendäre Serienmörder allerdings einen Teil seiner bösen Faszination, weil die Unvorhersehbarkeit fehlt und der Ripper dadurch allzu menschlich wirkt.

Was ihr wollt

Letzten Endes kommt es darauf an, was wir von dem DLC erwarten. Denn Jack the Ripper hätte ohne den Ripper wahrscheinlich besser funktioniert. Wer einfach noch ein weiteres Häppchen Syndicate mit neuen Missionen und Waffen will, wird durchaus unterhaltsam und mit einem ordentlichen Gegenwert bedient. Wir können uns abseits vom Hauptspiel noch ein bisschen in London herumtreiben, Kopfgelder eintreiben oder Fräuleins in Not befreien. Ein richtiges Murder-Mystery ist Jack the Ripper allerdings auf keinen Fall. Wie auch, wenn wir von Anfang an wissen, wer der Täter ist. Wer auf einen guten Kriminalfall gehofft hat, wird enttäuscht. Auch wenn das Setting des durch die Morde verdüsterten Londons super umgesetzt ist, reißt die schwach erzählte Story um den Mörder uns immer wieder heraus.

Assassin’s Creed Syndicate - Trailer zum DLC »Jack the Ripper« mit Release-Datum Assassin’s Creed Syndicate - Trailer zum DLC »Jack the Ripper« mit Release-Datum


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