Dark Souls 3 - »Ich habe versucht, es wie Bloodborne zu spielen…«

Beim Anspielevent von Dark Souls 3 hat sich Souls-Experte Dimi einen besonderen Kniff einfallen lassen. Allerdings fällt er damit ziemlich auf die Nase.

von Dimitry Halley,
01.03.2016 15:00 Uhr

Dark Souls 3: 3 Stunden gespielt - Ersteindruck: Das bisher schwerste Souls? Dark Souls 3: 3 Stunden gespielt - Ersteindruck: Das bisher schwerste Souls?

Sollte ich irgendwann mal wieder beim Trinkspiel »Ich hab' noch nie…« mitmachen, dann werde ich auf jeden Fall mit meinen jüngsten Hamburg-Erlebnissen punkten können. Denn ich habe Dark Souls 3 an einem ganz besonderen Ort gespielt: mitten in einer Kirche. Bandai Namco hat Presse und YouTuber aus Deutschland und Italien eingeladen, um den neuesten Preview-Build des Hardcore-Rollenspiels für knapp drei Stunden zu testen.

Und weil sowas am besten an einem stimmigen Ort klappt, wurde just eine Kirche gemietet und mit Game-Stationen sowie düsterer Deko vollgepflastert. Es gab sogar einen Musiker, der den Soundtrack auf der Orgel spielen konnte - sehr cool. So viel zur andächtigen Atmosphäre, in der ich das wahrscheinlich schwerste Rollenspiel des Jahres ausprobieren kann. Die Anspielversion selbst entspricht allerdings in Teilen dem Network-Stresstest, über den die Kollegin Ann-Kathrin schon eine umfangreiche Preview geschrieben hat.

Deshalb dachte ich mir: Bevor du jetzt nochmal einen Artikel darüberschreibst, dass Dark Souls 3 sauschwer ist, probier doch lieber mal was anderes. Und weil ich gerade erst einen Durchgang Bloodborne hinter mir habe, starte ich ein Experiment: Wie weit komme ich in Dark Souls 3, wenn ich es wie Bloodborne spiele?

Übrigens: Ich arbeite gerade an einem weiteren Artikel, in dem man alle weiteren Infos zur Anspielversion, den spielbaren Gebieten und meiner Meinung finden kann. Den Link füge ich demnächst an dieser Stelle ein.

Hier geht's zur großen Dark-Souls-3-Preview von meiner Kollegin Ann-Kathrin

Dark Souls 3
Genre: Rollenspiel
Release: 12.04.2016

Was heißt »Spielen wie Bloodborne?«

Zur Einordnung: Das PS4-exklusive Bloodborne gefällt mir persönlich mit seinem aggressiven Spielstil noch einen Tick besser als die bisherigen Souls-Spiele - gerade in puncto Gameplay halte ich es für eine großartige Weiterentwicklung der Dark-Souls-Mechaniken. Für mein Experiment lege ich deshalb ein paar Regeln fest: Ich will so wenig wie möglich mit dem Schild blocken, setze stattdessen auf flinkes Ausweichen. Außerdem spiele ich offensiv, tänzle um den Gegner herum, verlasse mich auf Schnelligkeit und harte Hiebe. Kombo-Ketten sind sehr wichtig - ich bemühe mich, das komplette Moveset meiner Waffe zu nutzen.

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Um das alles optimal hinzukriegen, bastle ich mir in der Charaktererstellung einen Helden, der auf genau diesen Spielstil ausgelegt ist. Und hier offenbart sich bereits der erste große Unterschied: In Bloodborne ähneln sich die verschiedenen Klassen in ihrer Spielweise sehr - es gibt keine Magie, stattdessen ist eher die gewählte Lieblingswaffe maßgeblich dafür, wie wir die Kämpfe angehen. In Dark Souls 3 fächert sich das wieder deutlicher auf: Zwischen einem Magier und einem Ritter können Welten liegen, wenn ich das als Spieler will.

Es gibt mehr Charakterwerte, Blockmechaniken, Klassen. Und mit der neuen Mana-Leiste wird dieser Unterschied noch stärker vorangetrieben. Für meinen Durchgang wähle ich einen flinken Banditen, der vor allem mit Geschicklichkeit und Ausdauer punkten kann - und kriege trotz meiner Erfahrungen mit Bloodborne überdurchschnittlich häufig auf die Mütze.

Voll aufs Maul

Nachdem mein Held als sogenannter »Unkindled« von den Toten auferstanden ist, muss ich mir den Weg zum Feuerbandschrein freikämpfen. Kaum bin ich 50 Schritte gelaufen, wartet bereits der erste Boss auf mich: Iudex Gundyr, ein kugelrundes Monster mit einer gigantischen Lanze. Und bereits hier kriege ich mit meiner Bloodborne-Taktik mächtig eins auf die Nase. Auf den ersten Blick bleibt zwar in puncto Bedienung alles beim Alten. Mit meinen zwei flinken Klingen platziere ich leichte und heftige Schläge und versuche, nicht getroffen zu werden.

PvP gibt's jetzt sogar für bis zu sechs Spieler.PvP gibt's jetzt sogar für bis zu sechs Spieler.

Aber dann teste ich, wie man am besten ausweicht, und merke: Die Zeitfenster sind wesentlich knapper als in Bloodborne. Gundyrs Waffe erwischt mich andauernd - jeder Ausfallschritt muss sorgsamer geplant sein. Wo ich mich in Yharnam mit wild aneinandergereihten Ausweichrollen häufig noch ganz gut aus der Affäre ziehen konnte, bestraft Dark Souls 3 jede Form von unkontrollierten Aktionen.

Außerdem gehört das sogenannte »Regain System« der Vergangenheit an. Wenn ich getroffen werde, bringt es keinen Vorteil mehr, schnell nachzusetzen, um die verlorene Gesundheit zurückzugewinnen. Das entschleunigt die Kämpfe: Dark Souls 3 spielt sich langsamer, defensiver, umsichtiger. Klar, auch Bloodborne ist in seiner aggressiven Dynamik sehr taktisch. Aber dort bin ich permanent im Nahkampf, provoziere den Gegner, betäube ihn mit meiner Flinte, setze nach, reihe Kombos aneinander.

Lieber doch mit Schild?

In Dark Souls 3 sieht das anders aus: Beim Anspiel-Event linse ich auf die Bildschirme der Kollegen und stelle ernüchtert fest, dass man es als Ritter anscheinend deutlich leichter hat. Zumindest als ungeübter Spieler. Wer mit dem Schild die Angriffe von Gundyr blockt und sich dabei um ihn herumbewegt, kann ziemlich mühelos Treffer platzieren. Im anschließenden Gebiet - der bekannten Burg aus dem Stresstest - wird das zunehmend schwieriger, aber dennoch machbarer als meine Bloodborne-Taktik.

Besonders auffällig wird das bei den feindlichen Rittern, die mir auf den Burgzinnen die Hölle heiß machen. Die Kollegen blocken die Schläge einfach und versuchen anschließend, in den Rücken der Fieslinge zu gelangen. Dann gibt's nämlich einen verheerenden Finishing Move. In Bloodborne geht der nur von vorne nach erfolgreichem Betäubungsschuss - ich muss also umdenken. Ohne Schild kriege ich dabei permanent auf die Mütze, und weil ich kaum Rüstung habe, sterbe ich immer und immer wieder. Ja, das Ausrüstungsgewicht kehrt in Dark Souls 3 zurück. Mein Bandit ist zwar flink, mit Plattenpanzer rollt er aber etwa so elegant wie eine Mastkuh.

Außerdem merke ich erst nach einer Spielstunde, dass es jetzt wieder sowas wie »Menschlichkeit« aus den früheren Teilen gibt (ein Feature, das in Bloodborne komplett ausgelassen wird). In der Welt sammle ich fleißig sogenanntes »Ember«, das ich mir einverleiben kann. Plötzlich wachsen Gesundheit, Kampfkraft und mein Held beginnt zu glühen, allerdings verfliegt der Bonus, sobald ich sterbe.

In Dark Souls 3 kann man jetzt wieder als dick gepanzerter Ritter rumlaufen. Flinke Assassinen oder Banditen erinnern spielerisch am ehesten an Bloodborne.In Dark Souls 3 kann man jetzt wieder als dick gepanzerter Ritter rumlaufen. Flinke Assassinen oder Banditen erinnern spielerisch am ehesten an Bloodborne.

Beim zweiten Boss, einer gigantischen Frostbestie namens Vordt of the Boreal Valley, wendet sich das Blatt endlich zu meinen Gunsten. Gut, vielleicht habe ich mich auch einfach besser an den Rhythmus von Dark Souls 3 gewöhnt. Aber bei den gewaltigen Schlägen des Monsters haben Schildträger schlechte Karten - die haut Väterchen Frost nämlich trotz Blocken einfach aus den Latschen. Hier fühlt sich das Spiel wieder etwas mehr wie Bloodborne an: Ich bleibe möglichst auf mittlerer Distanz, springe rechtzeitig zur Seite, suche den Rücken der Kreatur und bemühe mich, permanent in ihrem toten Winkel zu bleiben. Und siehe da: In Windeseile geht das Vieh in die Knie. Endlich mal ein leichter Sieg!

Das Ergebnis

Nachdem ich mit meiner Bloodborne-Spielweise zig Mal auf die Nase bekommen habe, muss ich feststellen: Dark Souls 3 geht einen recht großen Schritt weg von den Neuerungen, die Bloodborne auszeichnen, und wieder zurück zum ursprünglichen Souls-Konzept. Wer den PS4-Ausflug ausgelassen hat, wird also in sehr vertraute Gewässer geworfen. Wer sich (wie ich) zuletzt sehr intensiv in die Mechaniken von Bloodborne reingefuchst hat, muss sich auf eine heftige Umstellung gefasst machen.

Trotzdem erbt Dark Souls 3 einige Nuancen des flinkeren Spin-Offs: Die Kämpfe sind unterm Strich schon ein wenig flotter, das Skill-System (mehr dazu in diesem Artikel) baut auf der Waffentransformation auf und Aktionen wie das Heilen mit Estus-Flakons klappen jetzt dynamischer. Wer zu den Bloodborne-Kritikern gehört und beim neuesten Souls-Teil zu viele Anleihen davon fürchtet, dem kann ich Entwarnung geben: Dark Souls 3 ist ein echtes Souls-Spiel und fühlt sich auch so an.

Dark Souls 3 - Intro: In das Königreich von Lothric Dark Souls 3 - Intro: In das Königreich von Lothric


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