DC Universe Online im Test - Ein Käfig voller Helden

Premiere auf der PlayStation 3: Sony bringt mit DC Universe Online das erste Superhelden-MMO auf die Konsole. Wir haben knapp einen Monat lang als Held und Schurke gespielt und ziehen im Test ein abschließendes Fazit.

von Michael Obermeier,
07.02.2011 16:30 Uhr

Superhelden leben gefährlich. Zumindest dann, wenn sie nicht unverwundbare Figuren in Comic-Heften, Fernsehserien oder Kinofilmen sind, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Das musste auch Phoenix Jones, der Beschützer von Seattle, auf die harte Tour lernen. Jones ist kein fiktiver Charakter, sondern ein real existierender US-Bürger. Ein Normalo in selbst genähtem Kostüm mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn – und gebrochener Nase. Die Verletzung hat er davongetragen, als er Anfang Januar eine Schlägerei verhindern wollte.

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Knapp eine Woche später hätte Phoenix Jones seine tägliche Dosis Heldentaten auch ungefährlicher haben können. Denn seit dem 11. Januar 2011 vereiteln tausende Helden täglich die Schandtaten ebenso vieler Schurken im Online-Rollenspiel DC Universe Online von Sony Online Entertainment – und bekommen statt Knochenbrüchen lizenzierte DC-Figuren wie Batman, Superman oder Joker, eine tolle Vertonung, unzählige Kostümvarianten und ein actionreiches Kampfsystem geliefert.

DC Universe Online
Genre: Rollenspiel
Release: 11.01.2011

Fliegen wie Superman, Stechen wie Azrael: Der Charakter-Editor

Im spannenden Tutorial werden Helden von Superman unterstützt.Im spannenden Tutorial werden Helden von Superman unterstützt.

Jeder neue Held oder Schurke entspringt dem umfangreichen Charakter-Editor von DC Universe Online. Hier lässt sich die eigene Spielfigur entweder Schritt für Schritt von Körperbau über Hauttyp, Frisur und Ausrüstung selbst erstellen oder über die »Inspiriert von«-Funktion mit wenigen Handgriffen einem bekannten Helden oder Schurken nachempfinden. Auch die großen Vorbilder teilen sich genau wie der Nachwuchs in mehrere Kräfte-, Kampf- und Bewegungsklassen ein. Batman-ähnliche Figuren setzen etwa Kampfkunst, Akrobatik und Gadgets ein, Superman-Pendants fliegen, pusten Kälteatem und schlagen mit den Fäusten zu. Letztlich steht die Kombination aber jedem Spieler frei. Ebenfalls wichtig: Im Charakter-Editor wählen Helden Batman, Superman oder Wonder Woman, Schurken dagegen Lex Luthor, Circe oder den Joker als Mentor. Das hat letztlich Auswirkungen auf das Startgebiet (Metropolis oder Gotham City) und die verfügbaren Quests. Abschließend bleibt noch, die Farbpalette oder Färbung jedes einzelnen Gegenstands festzulegen, ein Emblem auszuwählen und natürlich einen passenden Helden- oder Schurkennamen zu vergeben.

Piff, Paff, Pow: Die Action-Kämpfe

Engel gegen Dämonen: In Metropolis legen wir uns mit rachsüchtigen Geisterwesen an.Engel gegen Dämonen: In Metropolis legen wir uns mit rachsüchtigen Geisterwesen an.

Eines der größten Alleinstellungsmerkmale von DC Universe Online ist das Kampfsystem. Das steuert sich sehr viel direkter als etwa das PC-MMO World of Warcraft und ist eher mit Actionspielen wie Spider-Man: Dimensions vergleichbar. Zwar entscheiden noch immer Charakterwerte auf Waffen und Ausrüstung über ausgeteilten und eingesteckten Schaden, Helden und Schurken müssen aber aktiv Angriffskombos einsetzen, ausweichen, blocken und Spezialangriffe abfeuern. Das steuert sich mit einem Gamepad also tadellos. Die von anderen MMOs übliche Ordnung der Schlachtreihen wie mit Tank, Damage Dealer, Fernkämpfer und Heiler wird durch diese Hektik aufgebrochen, erst spät im Spiel ist es nötig, mit kühlem Kopf und Taktik in der Gruppe vorzugehen. Zauberer und Heiler im Speziellen müssen sich umstellen. Einzelne Spieler gezielt zu heilen klappt nicht direkt, viele der Gesundheitssprüche wirken als Flächenzauber.

Stimmgewaltig: Die Quests

Circe (links) hat in einer Questreihe Aquaman (Mitte) hypnotisiert. Jetzt schlägt der König von Atlantis zurück.Circe (links) hat in einer Questreihe Aquaman (Mitte) hypnotisiert. Jetzt schlägt der König von Atlantis zurück.

DC Universe Online ist komplett vertont, wahlweise deutsch oder englisch. Das sorgt für enorm viel Atmosphäre, wenn man im freien Fall über Gotham per Funk den deutschen Christian-Bale-Sprecher David Nathan als Batman (Kevin Conroy in der englischen Fassung) hört oder der Joker mit der Original-Stimme aus Batman: Arkham Asylum von Bodo Wolf (Englisch: Mark Hamill) seine Witzchen erzählt.

Die Spielmechanik gewinnt dagegen keine Innovationspreise. Wir prügeln Gegner, sammeln Gegenstände und helfen NPCs. DC Universe Online schafft es aber, diese banalen Aufgaben in nett erzählten Geschichten zu spannenden Questfolgen zu verketten. Am Ende jeder Aufgabenreihe steht zudem stets eine Instanz mit Bosskampf und Zusammenarbeit mit bekannten DC-Helden auf dem Programm. In Metropolis schlagen wir etwa als Held eine Invasion von Aquamans Atlantaern nieder, schleichen uns anschließend im Fischkostüm als Spion in einen Unterwasser-Tempel und finden den einer Gehirnwäsche unterzogenen König von Atlantis schließlich im Thronsaal. Die böse Magierin Circe hat ihn in Trance versetzt. Gemeinsam mit dem Martian Manhunter stellen wir uns Aquaman und Circe, wecken den verwirrten Wassermenschen auf und erledigen Circe schließlich zu dritt. Obwohl DC Universe in der Gruppe natürlich mehr Spaß macht, kann man bis Level 30 auch komplett alleine spielen. Insgesamt gibt es aber zu wenige Aufträge, mit Zweit-Charakteren erleben wir mangels Alternativen also viele Wiederholungen.


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