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Deutsche Wolfenstein 2-Version - Das sagt der Anwalt: "Das Hakenkreuz-Verbot ist ein Irrglaube"

Darf Hitler in Wolfenstein 2 auftreten? Sind Hakenkreuze in Videospielen grundsätzlich verboten? Die Kollegen der GameStar haben bei einem Rechtsexperten nachgefragt, was in Deutschland erlaubt ist und was nicht.

von Sandro Odak, Michael Herold,
23.11.2017 09:30 Uhr

"Herr Heiler" muss in Wolfenstein 2: The New Colossus ohne seinen Schnurrbart auskommen."Herr Heiler" muss in Wolfenstein 2: The New Colossus ohne seinen Schnurrbart auskommen.

In Wolfenstein 2: The New Colossus wurden alle Symbole und Inhalte aus dem Spiel entfernt, die direkt mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht werden könnten. Während man also in der Original-Version von Wolfenstein 2 gegen Nazis kämpft, heißen die Gegner in der deutschen Version "das Regime". Außerdem wurde Hitler in "Heiler" umbenannt und bekam kurzerhand seinen Schnurrbart abrasiert. Hakenkreuze und andere verfassungsfeindliche Symbole fehlen ebenfalls.

Doch ist die Darstellung von Hitler in Deutschland wirklich verboten? Muss man ihn optisch verfremden? War es zudem rechtlich notwendig, dass Bethesda in Wolfenstein 2 alle Verweise auf das Judentum und den Holocaust entfernt? Beispielsweise heißt es in der englischen Version, die Mutter des Helden B.J. Blazkowicz sei Jüdin gewesen und in einem "Vernichtungslager" umgekommen. In der deutschen Version war sie Polin und starb "in Gefangenschaft". Geht das zu weit? So sehr, dass man Bethesda sogar Geschichtsrevisionismus vorwerfen kann?

Diese und weitere Fragen zu Wolfenstein 2 und der Zensur verfassungsfeindlicher Inhalte in Videospielen klären die Kollegen der GameStar im Interview mit dem Rechtsexperten Kai Bodensiek. Als Anwalt für Computer-, IT- und Urheberrecht hat er ihnen verraten, wie viel Zensur in deutschen Versionen von Videospielen tatsächlich nötig sind.

Bethesdas Begründung

Wie begründet der Publisher die inhaltlichen Schnitte in der deutschen Version von Wolfenstein 2? Auf Nachfrage hat uns Bethesda ein Statement geschickt:

Aufgrund der bewegten Historie der Wolfenstein-Franchise in Deutschland und der hiesigen Gesetzeslage haben wir uns bereits zum Zeitpunkt des Reboots im Jahr 2014 mit dem Titel "Wolfenstein - The New Order" dazu entschlossen, mit dem Universum in ein komplett fiktives Szenario umzuziehen. Daher gibt es in der deutschsprachigen Version unserer Wolfenstein-Spiele keinen direkten Bezug auf tatsächliche historische Ereignisse und u.a. kein NS-Regime. Namen, Figuren, Organisationen, Orte und Ereignisse sind entweder frei erfunden oder in fiktionalisierter Weise dargestellt.

Die Geschichte und der Inhalt dieses Spiels beabsichtigen weder die Billigung, Verherrlichung oder Gutheißung von Denkmustern, Ideologien, Ereignissen, Handlungen, Personen oder Verhaltensweisen des nationalsozialistischen Regimes noch die Verharmlosung der im Namen des Nationalsozialismus begangenen Kriegsverbrechen, Völkermord oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit und sollten auch keinesfalls so verstanden werden.

Im Gegenteil: Der fiktive Ansatz erlaubt es uns zu zeigen, dass ein repressives, menschenverachtendes, faschistisches Regime auch außerhalb des historischen Kontexts jederzeit für Angst und Schrecken sorgen kann und somit massiven Widerstand herausfordert.

Schon in The New Order wurden Hakenkreuze in der deutschen Version durch das Wolfenstein-Logo ersetzt.Schon in The New Order wurden Hakenkreuze in der deutschen Version durch das Wolfenstein-Logo ersetzt.

Darf Hitler in Videospielen auftauchen?

GameStar: In Wolfenstein 2 hat sich Bethesda dazu entschlossen, alle Erwähnungen des Judentums und des Holocaust aus den Dialogen zu entfernen. Auch den Namen Hitlers haben die Entwickler gestrichen und daraus "Herr Heiler" gemacht. Ist das aus rechtlicher Sicht eigentlich notwendig?

Kai Bodensiek: Ich habe den aktuellen Titel noch nicht gespielt - ich wollte mir noch die PEGI Version bestellen - und natürlich ist es erstmal eine Einzelfallfrage, aber nach allem, was ich über die Reihe weiß, auf YouTube gesehen habe und nach der Lektüre des Tests in der GameStar bin ich sehr davon überzeugt, dass es rechtlich nicht notwendig war.

Um Hitler auch visuell zu "verfremden", hat man ihm den Oberlippenbart abrasiert. Darf man das Bild allgemein nicht in Videospielen verwenden? Darf es nur nicht verherrlichend wirken? Und was bedeutet das in einem Fall wie diesem?

Grundsätzlich gilt das Bild Hitlers als verfassungswidriges Kennzeichen im Sinne des § 86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen). Daher ist grundsätzlich die Verbreitung von Hitlerbildnissen verboten. Allerdings ist diese Regelung genauso wie der § 86 StGB (Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen) dahingehend eingeschränkt, dass eine Verwendung im sogenannten sozialadäquaten Rahmen, z.B. zu Zwecken der Bildung, der Berichterstattung aber auch zu Zwecken der Kunst erlaubt ist und nicht dem Verbot unterfällt.

Unser Ansprechpartner

Kai Bodensiek ist Partner bei der Medienkanzlei Brehm & v. Moers am Standort Berlin. Außerdem ist er der Justitiar des GAME Bundesverbands. Er berät eine Vielzahl deutscher und internationaler Unternehmen aus der Gamesbranche, hält regelmäßig Vorträge zu gamesspezifischen Themen und doziert auch im Rahmen des Masterstudiengangs der Universität Potsdam, der Filmuniversität Babelsberg und der Erich-Pommer-Instituts zu rechtlichen Aspekten der Gamesentwicklung und des -vertriebs.

Dieses Korrektiv im Strafgesetzbuch greift nur dann nicht, wenn die Verwendung einen werbenden, idealisierenden oder propagandistischen Zweck dient und der andere Zweck nur vorgeschoben ist. Dass Computerspiele Kulturgüter sind und damit auch dem weiten Kunstbegriff des Bundesverfassungsgerichts unterfallen, ist seit langem bekannt und auch von Gerichten akzeptiert. Unabhängig davon, dass ich "Heiler" für "Hitler" als ungünstige Ersetzung erachte, dürfte in der Darstellung als kranker, geifernder, paranoider Mann wohl keine Propaganda für eine nationalsozialistische Ideologie zu sehen sein.

In Call of Duty: WW2 haben die Entwickler laut eigenen Aussagen viel Wert auf Authentizität und historische Akkuratesse gelegt. Hat es einen Einfluss auf die Bewertung der Strafbarkeit, wenn das Spiel eine Art biografische Korrektheit erlangt?

Da es vor allem auf die Frage ankommt, ob in der Verwendung der Kennzeichen ein propagandistischer Zweck oder zumindest eine Billigung zu sehen ist. Eine biographische Darstellung ist erst einmal ein sinnvolles Element, denn bei einer übermäßigen Zeichenverwendung kann die Vermutung einer Idealisierung naheliegen - außer es ist ein überzeichnendes Stilmittel. Es kommt daher auch auf die konkrete Darstellung an. Authentische Uniformen werden sicherlich kein Argument sein, eine idealisierende Darstellung von NS-Ideologie zu rechtfertigen.

Call of Duty: WW2 - Video: Holocaust als Spielethema - Ist CoD bereit dafür? 11:19 Call of Duty: WW2 - Video: Holocaust als Spielethema - Ist CoD bereit dafür?

Macht es eigentlich einen Unterschied, ob man in Call of Duty in die Rolle der Wehrmacht schlüpft oder Deutsche als Gegner dargestellt werden?

Das kann einen tatsächlich auch zu einer unterschiedlichen Wertung führen. Spiele sind anders als Filme ein interaktives Medium, weshalb sich ein Spieler schnell mit den Handlungen der Figur identifizieren kann - wobei man auch mit diesem Effekt spielen kann, um besonders negative Reaktionen zu verursachen. Kämpft man auf deutscher Seite unter der Hakenkreuzfahne, kann daher der Spielausgestaltung und den Reaktionen im Rahmen der Handlung eine besondere Bedeutung zukommen. Besonders schwierig kann das bei Multiplayerspielen werden.

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