Mikrotransaktionen in Ryse und Forza 5 - Keine Zahlen-Spiele!

Redakteur Tobias Veltin hat leichte Bauchschmerzen bei dem Mikrotransaktions-Trend in Ryse und Forza Motorsport 5. Und sieht eine Gefahr für die Zukunft.

von Tobias Veltin,
28.11.2013 17:05 Uhr

50 Euro: eine Menge Geld. Dafür bekomme ich zum Beispiel ein gutes Essen für zwei Personen in einem schicken Restaurant, ein paar Bücher, eine Monatskarte für die U-Bahn - oder einen besonders heißen Schlitten in Forza Motorsport 5. Sogenannte Mikrotransaktionen, also die von vielen Spielern verteufelte Kaufmöglichkeit von In-Game-Items (wobei man bei 50 Tacken für ein Auto echt nicht mehr von »Mikro« sprechen kann), sind mit der neuen Generation endgültig auch im Konsolensektor angekommen. Zumindest auf der Xbox One, denn sowohl in Forza 5 als auch in Ryse lassen sich Boni wie besondere Autos, Finisher oder Spielverbesserungen mit echtem Geld kaufen. Bei Smartphone- oder Tablet-Spielen ist das ja schon seit Jahren gang und gäbe.

Nur: Dort sind die Spiele selbst meist kostenlos, Microsoft verlangt dagegen saftige 70 Euro pro Spiel. Mikrotransaktionen lassen diesen Wert bei mir geradezu inflationär schrumpfen. Durch Einblendungen wie zum Beispiel: »Y drücken, um schneller aufzusteigen« habe ich das dumpfe Gefühl, ein unfertiges Produkt zu spielen; eben eins dieser 08/15-Handyspielchen, in denen ich gefühlt nichts kann und nur dann zu den coolen Leuten gehöre, wenn ich Sachen dazu kaufe. Ich will für mein Geld aber ein fertiges Spiel. Da sind 50 Euro für ein einzelnes Auto schlicht unverschämt. Punkt.

Der Fairness halber sei gesagt: Weder Ryse noch Forza zwingen mir einen Download auf, alle Inhalte sind auch mit entsprechender Spielzeit freischaltbar. Mit Geld kauft man sich hier Zeit, kein Können. Das ist einerseits beruhigend; andererseits muss ich in Forza ewig fahren, bloß um das besagte Auto freizuschalten. Hätte ich das auch gemusst, wenn keine Mikrotransaktionen geplant gewesen wären? Oder hätten dann weniger gereicht, weil die Entwickler (zu Recht) gedacht hätten: Wer 70 Euro für ein Spiel ausgibt, will auch noch in diesem Jahrtausend die besten Wagen freischalten.

Gold um den Charakter aufzuwerten lässt sich in Ryse mit Echtgeld erwerben.Gold um den Charakter aufzuwerten lässt sich in Ryse mit Echtgeld erwerben.

Denn schon alleine die Tatsache, dass beide großen Microsoft-Exklusivtitel Mikrotransaktionen beinhalten, sollte zu denken geben. Wer garantiert mir denn, dass zukünftig wirklich alle Inhalte noch »normal« freispielbar sind? Muss ich mir im nächsten Halo vielleicht Sorgen machen, dass ich im Mehrspieler-Modus keine Chance mehr habe, nur weil sich Gegner X aus Y für 10 Euro den Super-Duper-Raketenwerfer und für eine höhere Laufgeschwindigkeit nochmal 20 Euro draufgelegt hat? Ich hoffe nicht. Klar, die Zeiten, in denen Mehrspieler-Modi oder neue Storyabschnitte gratis nachgepatcht wurden, sind lange vorbei. Heute zahle ich selbst für kleine Inhaltspakete mit ein paar Karten und Waffen mehrere Euro.

Wenn jetzt allerdings noch kaufbare Einzelinhalte dazu kommen, besteht die Gefahr einer Verselbstständigung, bei der am Ende vor allem wir, also die Spieler, die Gelackmeierten sind - und zähneknirschend für Inhalte nachzahlen, die wir beim Kauf eigentlich schon auf der Platte haben. Eine gewisse, rein optionale Daseinsberechtigung will ich den Mikrotransaktionen gar nicht unbedingt absprechen. Aber bei 50 Euro für ein virtuelles Auto hört der Spaß auf. Das kann und darf nicht die Konsolenzukunft sein.

Ryse: Son of Rome - Test-Video zum Xbox-One-Launchtitel Ryse: Son of Rome - Test-Video zum Xbox-One-Launchtitel


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