Meinung - Mafia 3: Wenn Stealth zur schleichenden Enttäuschung wird

Auf der diesjährigen Gamescom durfte sich Dom ansehen, wie sich Mafia 3 im Stealth-Modus so schlägt. Der Schleichangriff verlief allerdings eher enttäuschend.

von Dom Schott,
18.08.2016 13:15 Uhr

Mafia 3 - Render-Trailer: Im Sumpf des Verbrechens Mafia 3 - Render-Trailer: Im Sumpf des Verbrechens

Mafia 3 schwebt Monate nach dem ersten Ankündigungstrailer noch immer etwas im luftleeren Raum: Die bisherigen Trailer inszenierten den dritten Teil des Mafiosi-Franchises als wuchtiges Actionspektakel, in dessen Mittelpunkt der Muskelmann Lincoln Clay steht. Dem von falschen Freunden hintergangenen Vietnam-Veteranen folgt im kulturellen Schmelztiegel New Bordeaux, das stark an das New Orleans der 1960er-Jahre erinnert, eine tiefrote Blutspur. Bandenkriege, dynamische Machtverschiebungen und Rassismus gehören zu den spannenden Themen, die Mafia 3 bearbeiten will – die Trailer hingegen schafften es bisher nicht wirklich, diese Besonderheiten des Spiels in den Vordergrund zu rücken.


Der Autor
@R3nDom
Dom ist großer Fan des Mafia-Franchises und war anfangs vom neuen Protagonisten und seiner Geschichte sehr angetan. Doch jeder neue Kawumms-Trailer scheint aus dem vielversprechenden Spiel zusehends ein 08/15-Open-World-Abenteuer zu machen. Und auch das auf der Gamescom gezeigte Stealth-Gameplay machte Dom nun alles andere als glücklich.

Stattdessen reihen sich endlose Kopfschuss-Massaker an Rolling Stones-Balladen und "coole" Einzeiler, die Lincoln Clay knurrend aus seinem Mund presst, während er einen neuen Distrikt freischaltet. Alles schon mal irgendwo im Meer der Open-World-Spiele gesehen. Das Alleinstellungsmerkmal fehlt in meinen Augen bisher. Doch diese Lücke hätten die Entwickler auf der diesjährigen Gamescom endlich füllen können.

Auf Einladung des Publishers 2K sahen wir eine neue, Gamescom-exklusive Mission, die Lincoln Clay gegen einen fiesen Geschäftsmann antreten lässt, der offenbar einer der Drahtzieher des Verrats an unserem Helden war. Bevor Clay zur Tat schritt, durften die anwesenden Journalisten per Handzeichen darüber entscheiden, ob der Game Producer, der am Controller saß, eher mit dem Gewehr im Anschlag, also laut und actionorientiert vorgehen oder doch lieber den Schleichweg nehmen sollte. Die überwältigende Mehrheit stimmte für Stealth: Eine Seite des Spiels, die in den bisherigen Trailern kaum gezeigt wurde und die dem noch immer etwas profillosen Mafia 3 endlich eine neue, spannende Facette verleihen würde. So dachte ich zumindest.

Action und Explosionen – so kennen wir Mafia 3 bislang. Action und Explosionen – so kennen wir Mafia 3 bislang.

Vielleicht könnt ihr es euch auch schon selbst denken, wie der heimliche Supergeheimangriff des Lincoln Clay ablief: Der vermeintliche Schleichweg, der mit schallgedämpften Pistolen begann, entwickelte sich schon nach wenigen Minuten zu einem Shotgun-Shootout in einem Bürogebäude, der Gangster reihenweise blutend gegen Kopierer und Papierstapel stolpern ließ. Versteht mich nicht falsch: Rein spielmechanisch waren die Sequenzen unheimlich beeindruckend! Butterweiche Animationen und viele Details, zudem wummerte uns eine beeindruckende Soundkulisse aus den Lautsprecherboxen entgegen. Doch der Blick hinter diese Fassade war leider ernüchternd: Im Grunde haben wir all das in unzähligen anderen Spielen eben schon mal gesehen. Manchmal besser, manchmal schlechter.

Es wäre eine schöne Überraschung gewesen, wenn Mafia 3 noch mehr Qualitäten gezeigt hätte als das, was die blutverschmierten, in Coolness getauchten Trailer schon seit Monaten versprechen. Doch so blieb es bei einer Präsentation, die statt des versprochenen Stealth-Spielstils lediglich die Vermutung nahelegte, dass wir in Mafia 3 weitaus weniger spielerische Abwechslung erwarten dürfen, als wir womöglich immer noch hoffen.


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