Pokémon GO - Russischer Geheimdienst soll Mobile-Spiel für Propaganda-Zwecke genutzt haben

Einem Bericht des US-amerikanischen Nachrichtensenders CNN zufolge soll der russische Geheimdienst Propaganda mit Hilfe von Pokémon GO betrieben haben.

von Nastassja Scherling,
13.10.2017 15:30 Uhr

Pokémon GO kann offenbar auch für Propaganda-Zwecke genutzt werden.Pokémon GO kann offenbar auch für Propaganda-Zwecke genutzt werden.

Erst kürzlich sorgte die russische Regierung für Schlagzeilen, nachdem Pokémon GO-Fans offenbar beim Spielen auf eine ihrer Cyberwaffe gestoßen sind. Ein aktueller Bericht des US-amerikanischen Nachrichtensenders CNN setzt dem Ganzen jetzt die Krone auf: Die Journalisten wollen herausgefunden haben, dass ein russischer Geheimdienst anscheinend neben diversen sozialen Medien auch Pokémon GO genutzt hat, um Propaganda in den USA zu betreiben.

"Don't Shoot Us"-Kampagne soll russischen Ursprung haben

Hier der Hintergrund: Letztes Jahr wurde die Kampagne "Don't Shoot Us" ins Leben gerufen, die auf Polizeigewalt gegenüber dunkelhäutigen Bürgern aufmerksam macht. Die Namenswahl könnte auf den Slogan "Hands Up, Don't Shoot" anspielen, der während der Diskussionen zum Todesfall von Michael Brown im Jahr 2014 entstanden ist.

Tatsächlich sei die "Don't Shoot Us"-Aktion auf die Kreml-nahe "Internet Research Agency" (IRA) zurückzuführen, so die Aussage von CNN, die sich auf "eine Quelle, die mit dem Thema vertraut ist" und eigene Recherche stützt. Der Fernsehsender gibt außerdem an, dass die russischen Agenten mit Inhalten zu der Kampagne über YouTube, Facebook und Co. immer wieder Polizeigewalt in den USA kritisierten und damit offenbar zu einer Spaltung der amerikanischen Gesellschaft beitragen.

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Pokémon GO als Mittel zur Propaganda

Auch vor Propaganda mittels Pokémon GO sollen die Mitglieder der IRA nicht zurückgeschreckt haben. Das Spiel wurde laut CNN-Bericht nicht direkt verändert, sondern eine Art Wettbewerb gestartet. Dabei sollten Spieler an realen Orten, an denen Fälle von Polizeigewalt bekannt sind, ihre Pokémon nach Personen benennen, die Opfer der jeweiligen Attacken seitens der Beamten geworden sind. Zu gewinnen gab es einen Amazon-Gutschein.

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Niantic betont, dass dieser Zwischenfall außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs liege und äußerte sich laut CNN wie folgt zu dem Missbrauch ihres Spiels:

"Es ist wichtig festzuhalten, dass Pokémon GO als Plattform nicht dazu genutzt werden kann, um Informationen zwischen Nutzern innerhalb der App zu teilen [...]. Dieser "Wettbewerb" brachte Menschen dazu, Screenshots mit ihrem Handy zu machen und über andere Soziale Netzwerke zu teilen, nicht innerhalb des Spiels."

Die Entwickler von Pokémon GO geben zudem an, dass sie über eine entsprechende Antwort nachdenken, während sie auf zusätzliche Informationen über den Fall warten.

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