The Last of Us: Part 2 - Der neue Trailer hätte die harte Gewalt gar nicht nötig gehabt

Der neue Trailer zu The Last of Us: Part 2 macht insbesondere dank seiner Brutalität auf sich aufmerksam. Ein so hoher Gewaltgrad im Trailer wäre aber gar nicht nötig gewesen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, findet Linda.

von Linda Sprenger,
01.11.2017 18:25 Uhr

Der neue Trailer zu The Last of Us: Part 2 ist vor allem eines: ziemlich brutal.Der neue Trailer zu The Last of Us: Part 2 ist vor allem eines: ziemlich brutal.

Der neue Trailer zu The Last of Us: Part 2, den Sony im Rahmen der Paris Games Week 2017 veröffentlicht hat, hinterlässt mich zwiegespalten. Als großer Fan von The Last of Us habe ich mich darüber gefreut mit Lev, Yara und der von Laura Bailey gesprochenen Unbekannten endlich neue Figuren zu Gesicht zu bekommen.

Allerdings greift Naughty Dog bei der Vorstellung dieser Figuren auf Mittel zurück, die nicht nur für das postapokalyptische Zombie-Setting ungewohnt brutal, sondern in meinen Augen auch völlig unnötig sind.

The Last of Us: Part 2 - Story-Trailer zeigt den unbarmherzigen Kampf ums Überleben 4:57 The Last of Us: Part 2 - Story-Trailer zeigt den unbarmherzigen Kampf ums Überleben

The Last of Us - Gewalt, aber mit Verstand

Sowohl The Last of Us als auch The Last of Us 2 entführen uns in eine postapokalyptische, von einem verheerenden Pilzvirus zerstörte Welt, in der die letzten Überlebenden ihre Waffen laden und Messer wetzen, um in den blutigen Kampf gegen vollkommen entmenschlichte Pilz-Zombies zu ziehen.

Das Setting ist düster und ungemütlich, liefert bereits im ersten Teil zahlreiche Momente voller Blut und Brutalität. Die stehen hier aber nicht im Mittelpunkt, sondern stattdessen die Geschichte, ihre Figuren und ihre Beziehung zueinander. Die Situationen der Gewalt, in denen Joel und Ellie während ihrer beschwerlichen Reise durch die postapokalytische USA verwickelt sind, sind zwar notwendig, um der Geschichte ihre besondere Dramatik zu verleihen, rücken aber nie in den Vordergrund. Und sie sind meistens in einen Kontext gesetzt.

Linda Sprenger
@lindalomaniac

Linda ist riesiger Fan des ersten The Last of Us, weil das Spiel ihrer Meinung nach eine der besten Videospielgeschichten überhaupt erzählt. Sogar ihre Bachelor-Arbeit hat sie über das Endzeit-Abenteuer geschrieben. Obwohl sie sich riesig auf das Sequel freut, hat sie den Paris Games Week 2017-Trailer aber mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

Es geht um das "Warum"


Ein gutes Beispiel hierfür ist Ellies Rache an David im Kapitel "Winter": Getrennt von Joel schlagen wir uns hier alleine in der Haut der 14-Jährigen im tosenden Schneesturm durch die Siedlung einer kannibalistischen Jäger-Gruppe und enden schließlich im Zweikampf mit ihrem Anführer David, der sich zuvor unser Vertrauen erschlichen hat, nur um uns dann in einen Käfig zu sperren

Im Endkampf entpuppt sich David als Psychopath und geht mit einer Machete auf uns los. Wir aber besiegen ihn und lösen damit eine Cutscene aus, in der Ellie wutentbrannt mit der Machete auf ihren Widersacher einhackt. Eine erschütternde und intensive Szene, deren Gewalt aber begründet ist und die gerade deshalb so wirkt, weil wir Ellies Motivation kennen.

Natürlich handelt es sich bei meinem Beispiel um eine Sequenz des finalen Spiels, das uns schon in Kapiteln zuvor die Gelegenheit gab, Ellie kennenzulernen. Doch auch Trailer, die uns nur einen kurzen Einblick ins Spiel gewähren, können uns Motivationen von Charakteren verdeutlichen, um die gezeigte Gewalt letztendlich in einen erzählerischen Rahmen zu setzen.

The Last of Us - E3 2012: Gameplay-Demo 7:22 The Last of Us - E3 2012: Gameplay-Demo


Der gleichen Meinung ist Polygons Julia Alexander. Zur Veranschaulichung nennt sie den Gameplay-Trailer zum ersten The Last of Us, den Naughty Dog während der E3 2012 veröffentlicht hat. Hier sehen wir, wie Joel die Mitglieder einer Bande mit Waffengewalt oder dem Einsatz seiner bloßen Fäuste überwältigt und erfahren gleichzeitig den Grund für sein brutales Vorgehen. Denn gleich in den ersten Sekunden des Trailers wird deutlich, dass sich die beiden Helden auf der Flucht befinden. Diese Info mag zwar klein und nichtig erscheinen, bettet Gewalt aber in die Story ein.

Wenn Gewalt zur Show wird

Im Paris Games Week 2017-Trailer zu The Last of Us 2 wird dagegen nicht klar, warum die Figuren so brutal handeln oder behandelt werden. Die Gewalt steht hier für sich allein und dient einem einzigen Zweck: Sie soll uns beeindrucken, den Atem rauben, uns mit einem "boah war das krass!"-Gefühl vor den Bildschirm fesseln.

Um uns die neuen Figuren zum Sequel eines Vorgängers vorzustellen, der sich insbesondere über seine emotionale Geschichte und vielschichtigen Helden definiert, ist aber genau das der falsche Ansatz.

Der neue Trailer zu The Last of Us: Part 2 will uns neue Figuren vorstellen, ist aber eine reine Gewalt-Show.Der neue Trailer zu The Last of Us: Part 2 will uns neue Figuren vorstellen, ist aber eine reine Gewalt-Show.

Denn während The Last of Us als fesselndes Endzeitabenteuer begeistert, das die komplizierte Vater-Tochter-Beziehung zwischen den beiden Protagonisten in den Vordergrund rückt, präsentiert sich das Sequel im neuen Trailer hingegen als stumpfes Endzeitspiel, das der besonderen emotionalen Tiefe des ersten Teils in diesen losgelösten Momenten überhaupt nicht gerecht wird.

"Ein Spiel von Erwachsenen, für Erwachsene"

Jim Ryan, Präsendent von Sony Interactive Entertainment, hat sich inzwischen (via Telegraph) zum brutalen The Last of Us 2-Trailer geäußert und verteidigt die Art und Weise, wie Gewalt hier inszeniert wird:

"The Last of Us ist offensichtlich ein Spiel, das von Erwachsenen entwickelt wird, um von Erwachsenen gespielt zu werden", so Ryan. "Ich sollte es zwar nicht vorwegnehmen, aber das Spiel wird voraussichtlich eine Freigabe ab 18 erhalten. [...] Und es gibt einen Markt für Leute, die diese Art Spiel lieben; Erwachsene, die diese Art Spiel lieben. Ich denke, wir kommen dieser Nachfrage nach."

Dass sich The Last of Us an erwachsene Spieler richtet, wissen wir allerdings schon seit dem ersten Teil. Einen Trailer zum Sequel, der uns nochmals vor Augen führt, wie erschreckend gnadenlos die Welt ist, in die uns das postapokalyptische Spiel entführt, hätte es gar nicht gebraucht.

Wenn uns der neue Trailer schon bisher unbekannte Charaktere vorstellen will, dann wäre es doch viel interessanter gewesen, hätte er uns in seinen knapp fünf Minuten noch weitere Infohäppchen zu den Figuren selbst oder ihren Rollen in der Geschichte des Spiels vor die Nase gehalten. Naughty Dog ist im Trailer einfach zu sehr darauf bedacht, die Story des Sequels geheim zu halten. Anstatt sich aber zu trauen und uns ein wenig mehr darüber zu verraten, worum es in dem kommenden Blockbuster gehen soll, schneidet sich der Entwickler mit seinem brutalen aber nichtssagenden Trailer ins eigene Fleisch.

The Last of Us: Part 2 - Der erste Teaser-Trailer: Joel und Ellie sind zurück! 3:45 The Last of Us: Part 2 - Der erste Teaser-Trailer: Joel und Ellie sind zurück!

Dem allerersten Teaser zu The Last of Us: Part 2 gelingt es sehr wohl, uns einen guten ersten Eindruck von der Story zu verschaffen: Er zeigt eine ältere Ellie, die Gitarre spielend und singend in einem verfallenen Haus sitzt und deutet damit nicht nur prägnant an, worum es in der Geschichte gehen wird, sondern zeigt uns auch, wie sich Ellie im Vergleich zum ersten Teil verändert hat - und das ganz ohne uns zu viel vorwegzunehmen oder uns in eine ausufernde Gewalt-Show zu verwickeln.

Es mag sein, dass im Laufe der Geschichte des fertigen Spiels klar wird, warum die im Trailer gezeigten Antagonisten Yara und Co. foltern. Und es mag sein, dass wir nach dem Finale von The Last of Us 2 ebenfalls behaupten können, dass die brutal inszenierte Gewalt ein nötiges Werkzeug ist, um die Figuren zu charakterisieren und der Geschichte zusätzliche Dramatik zu verleihen. Der Trailer aber will uns ein ganz anderes Spiel verkaufen. Eines, das nur blutig und erschreckend ist, ganz ohne Sinn und Verstand. Und das ist nicht das, was The Last of Us oder Part 2 ausmacht oder ausmachen sollte.


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