Wolfenstein: The Old Blood im Test - Altes Blut frisch vergossen

Ein Mann und sein Rohr gegen die braune Brut. Wolfenstein: The Old Blood besinnt sich auf Oldschool-Tugenden und muss im Test zeigen, ob dieses Konzept nicht vielleicht genauso angestaubt wie die Ideologie des Regimes ist.

von Kai Schmidt,
08.05.2015 17:40 Uhr

Wolfenstein: The Old Blood - Test-Video: »Oldschool« heißt nicht automatisch »veraltet« Wolfenstein: The Old Blood - Test-Video: »Oldschool« heißt nicht automatisch »veraltet«

Das knapp 20 Euro teure Addon Wolfenstein: The Old Blood pfeift auf das 60er-Jahre-Setting von Wolfenstein: The New Order und kehrt zu den Serienwurzeln zurück. Im Jahr 1946 soll B.J. Blazkowicz eine Akte aus Burg Wolfenstein stehlen und dazu undercover in das Gemäuer eindringen. Die Mission schlägt fehl, B.J. wird gefangengenommen und muss sich den Weg nach draußen durch Horden von Regimeschergen und mechanisch modifizierten Kreaturen freikämpfen.

Logisch, muss ja so sein, denn sonst gäbe es kein Spiel. Und das ist so übertrieben und durchgedreht wie eh und je: Wenn der Lauf glüht und die braunen Fußtruppen als rote Spratzer an der nächsten Wand enden, kommt Freude auf. Und dass uns später sogar Zombies nach dem Leben trachten, rundet den trashigen Spaß perfekt ab.

Interessant: Wo die deutsche Version von Wolfenstein: The Old Blood geschnitten ist

Brauche ich das Hauptspiel Wolfenstein: The New Order?
Wolfenstein: The Old Blood ist ein selbstständig lauffähiges Addon zum Shooter-Hit Wolfenstein: The New Order, das allerdings nur für PC, PlayStation 4 und Xbox One erscheint - trotz des Titels wird die alte Konsolengeneration außen vor gelassen. Weder die Download- noch die Diskversion von The Old Blood benötigen das Hauptspiel The New Order zum Starten.

Digital oder traditionell?
The Old Blood ist als Download oder Diskversion erhältlich. Während die digitale Version bereits ab 5.5.2015 für knapp 20 Euro in den Online-Stores der Konsolenhersteller erhältlich ist, brauchen die physischen Medien zehn Tage mehr: Im normalen Handel findet man The Old Blood erst ab dem 15.5.2015 - und zahlt dafür sogar knapp 5 Euro mehr.

Wolfenstein: The Old Blood - Zwischenfazit: Was taugt die Standalone-Erweiterung? Wolfenstein: The Old Blood - Zwischenfazit: Was taugt die Standalone-Erweiterung?

Altbewährtes statt Laserpistolen

Die Spielmechanik geht keine Experimente ein und ähnelt der des Hauptspiels. Warum auch sinnlos verbessern, was nicht kaputt ist? Wir haben meist die Wahl, ob wir uns in den recht weitläufigen Gebieten an die Gegner heranschleichen, um sie leise kaltzustellen, oder ob wir mit Dauerfeuer nach vorne stürmen - am besten sogar beidhändig schießend, denn beinahe alle Waffen des Spiels eignen sich auch für die sogenannte Akimbo-Nutzung.

Auf allzu abgefahrene Waffendesigns und Lasergeschütze müssen wir diesmal allerdings verzichten, denn 1946 war die Kampfmittelforschung des Regimes noch nicht so weit fortgeschritten wie im 60er-Jahre-Alternativuniversum aus The New Order.

Die klobigen Supersoldaten scheinen zunächst unbesiegbar, doch wenn man ihre Achillesferse kennt, werden sie beinahe zum Kinderspiel.Die klobigen Supersoldaten scheinen zunächst unbesiegbar, doch wenn man ihre Achillesferse kennt, werden sie beinahe zum Kinderspiel.

Dafür gibt's aber nicht minder durchschlagkräftigen Ersatz. Zum Beispiel in Form des »Schockhammer«, einer automatischen Schrotflinte. Oder der niedlichen, kleinen »Kampfpistole«, die einer Panzerfaust in Sachen Wirkung beinahe in nichts nachsteht.

B.J. und sein Rohr

Besonders ans Herz gewachsen ist uns aber ein eher unspektakulärer Bestandteil unseres großkalibrigen Arsenals: das Rohr. Und ja, das unscheinbare Metallding bringt tatsächlich ein wenig Veränderung in die Spielmechanik von Wolfenstein. Ursprünglich eine improvisierte, zweiteilige Waffe, die wir bei der Flucht aus dem Zellenblock von Burg Wolfenstein aufgeklaubt haben, bleibt uns das Rohr bis zum Ende erhalten.

Unser Rohr im Nahkampf: Über die Akimbofunktion können wir die beiden Stücke zusammen- oder auseinanderschrauben.Unser Rohr im Nahkampf: Über die Akimbofunktion können wir die beiden Stücke zusammen- oder auseinanderschrauben.

Es eignet sich besonders für Stealth-Kills aus dem Hinterhalt, ist aber auch im Nahkampf nicht zu unterschätzen. Besonders im Akimbo-Modus, wenn wir die beiden Rohrteile auseinander nehmen, um den Regimekämpfern damit einen ordentlichen Scheitel zu ziehen.

Außerdem ist das Rohr ein unverzichtbares Hilfsmittel beim Erledigen der mechanisch-organischen Supersoldaten, die mit ihren riesigen Maschinengewehren nicht zu unterschätzende Gegner darstellen. Mit der Knarre ballern wir auf die leuchtenden Teile der Rüstungen, bis wir die Stromzufuhr unterbrochen haben.

Der Supersoldat ist plötzlich nicht mehr ganz so super und bricht zusammen. Nun rennen wir zu ihm hin, rammen das Rohr in einen Spalt der Rüstung und entfernen die Brustpanzerung, damit das Herz freiliegt, in das wir nach einem erneuten Durchlauf dieser Taktik unser Rohr hineinrammen, als würden wir einen Vampir pfählen.

Wolfenstein: The Old Blood - Waffen-Special: BJ Blazkowiczs dickes Rohr Wolfenstein: The Old Blood - Waffen-Special: BJ Blazkowiczs dickes Rohr

Die Vertikalgaukelei

Unser zweckentfremdetes Rohr ist aber mehr als eine nicht zu unterschätzende Hieb- und Stichwaffe im Kampf gegen die braune Horde: Auch als Allzweckwerkzeug macht die Metallröhre eine tolle Figur und hilft uns aus so mancher verzwickten Situation heraus. Wir stemmen verschlossene Türen auf, reißen bröckelige Wände ein und klettern poröse Vertikalen hinauf, indem wir abwechselnd die beiden Einzelteile wie Kletteräxte einschlagen.

Wer die Augen offenhält, findet lustige Easter-Eggs wie dieses Hundespielzeug in Form eines Cacodemon (Doom).Wer die Augen offenhält, findet lustige Easter-Eggs wie dieses Hundespielzeug in Form eines Cacodemon (Doom).

Die Klettermechanik hat man zwar zuvor schon in anderen Spielen gesehen, doch tut das neue vertikale Element dem Spielablauf von Wolfenstein richtig gut. Zwar waren die Levels auch im Hauptspiel schon mehrstöckig, doch gaukelt uns die Klettermechanik dadurch, dass wir keine Leitern oder Treppen benutzen, Neues vor.

Und damit nicht genug: Selbst als Seilbahnersatz bemühen wir unseren simplen, aber wertvollen Weggefährten an einer Stelle im Spiel, als wir damit ein Stahlkabel hinuntersausen. Wahnsinn! Was dem MacGyver die Büroklammer, ist dem B.J. sein Rohr. Ein Hoch auf das Rohr!

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