Activision Blizzard rechtfertigt nicht erfüllte Frauenquote durch Microsoft-Deal

Activision Blizzard muss eigentlich per Gesetz schon seit Jahren eine dritte Frau im Board of Directors einstellen. Dass das nicht klappt, soll jetzt angeblich am geplanten Microsoft-Deal liegen.

von David Molke,
04.03.2022 12:10 Uhr

Activision ist eigentlich gesetzlich dazu verpflichtet, eine weitere Frau ins Board of Directors aufzunehmen, tut das aber nicht. Activision ist eigentlich gesetzlich dazu verpflichtet, eine weitere Frau ins Board of Directors aufzunehmen, tut das aber nicht.

Seit 2019 gibt es ein kalifornisches Gesetz, dass Activision Blizzard dazu verpflichtet, eine dritte Frau für den Vorstand (aka das Board of Directors) einzustellen. Bis Ende 2021 hätte eine weitere Frau dazu kommen müssen, aber das ist nicht passiert. Jetzt rechtfertigt sich das Unternehmen damit, dass der Vorstand durch die Microsoft-Übernahme sowieso aufgelöst werde, weshalb angeblich keine neue Frau für den Posten gefunden werden konnte.

Klage gegen Activision Blizzard: Aktuell ist gegen Call of Duty-Publisher Activision Blizzard eine Klage wegen Diskriminierung, sexuellen Übergriffen und schlechten Arbeitsbedingungen im Gange. Alle Infos zu den Vorwürfen von vor einigen Wochen findet ihr hier, alles zum neueren Skandal rund um CEO Bobby Kotick hier. Einen Kommentar von GamePro-Chefredakteurin Rae Grimm bezüglich unserer Berichterstattung zum Thema findet ihr hier.

Activision Blizzard ist gesetzlich verpflichtet, eine 3. Frau als Director einzustellen, kriegt es aber nicht hin

Darum geht's: Seit 2019 gibt es in Kalifornien so etwas wie eine gesetzliche Frauenquote für den Vorstand größerer Unternehmen. Wenn im Vorstand über sechs Menschen sitzen, müssen mindestens drei davon weiblich sein. Bei Activision Blizzard besteht der Vorstand offenbar aus zehn Menschen und bei zwei davon handelt es sich um Frauen.

Das heißt: Bis Ende 2021 hätte das Unternehmen Zeit gehabt, der gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen und eine dritte Vorstands-Frau einzustellen. Wohlgemerkt mit einem Vorlauf von knapp zwei Jahren, das Gesetz wurde wie gesagt schon 2019 verabschiedet. Aber ABK hat es in all der Zeit offensichtlich trotzdem nicht hinbekommen, eine weitere Frau in den Vorstand zu holen.

Microsoft-Deal soll Schuld an der nicht erfüllten Frauenquote sein

Daran soll es liegen: In einem neuen Statement lässt uns Activision Blizzard jetzt grob vereinfacht wissen, die Firma sei an der Erfüllung der Frauenquote gescheitert, weil der Vorstand wegen des Microsoft-Deals bald wahrscheinlich sowieso aufgelöst werde.

"Um diese Voraussetzung zu erfüllen und die Vielfalt unseres Vorstands zu verbessern, hat das Unternehmen eine Suchfirma beauftragt und angefangen, potenzielle, zusätzliche weibliche Vorstände im Jahr 2021 zu interviewen.

Aber da der aktuelle Vorstand seine Arbeit niederlegen würde, wenn die angedachte Transaktion mit Microsoft vollzogen wird, waren wir nicht in der Lage, den Prozess im Jahr 2021 abzuschließen. Wir werden unsere Anstrengungen fortsetzen, einen neuen weiblichen Vorstand zu ernennen."

(via: IGN)

Schwache Rechtfertigung: Das klingt vor allem deshalb wenig überzeugend, weil die Verhandlungen mit Microsoft wohl eigentlich erst im November 2021 begonnen haben und das Gesetz bereits 2019 verabschiedet wurde. Eigentlich wäre vorher also mehr als genug Zeit gewesen, in der die Übernahme auch noch gar keine Rolle gespielt haben dürfte.

Grund dafür könnte die toxische Unternehmenskultur sein

Andererseits steht Activision Blizzard auch schon seit geraumer Zeit im Zentrum diverser Klagen und massiver Kritik wegen der offenbar sehr toxischen Unternehmenskultur, sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, Rassismus und dergleichen mehr. Auch was die kurzzeitige Co-Chefin von Blizzard, Jen Oneal über ungleiche Bezahlung, Ausnutzung und Diskriminierung berichtet hat, könnte dazu beitragen, dass es schwierig ist, eine dritte Frau für den Vorstand zu finden.