Call of Duty-Trailer verbreitet rechten Verschwörungsmythos ohne Kontext

Der erste CoD Black Ops Cold War-Trailer zieht Kritik auf sich: Er präsentiert eine Basis für rechte Verschwörungstheorien ohne den dringend notwendigen Hintergrund.

von David Molke,
28.08.2020 19:02 Uhr

Call of Duty Black Ops: Cold War zeichnet in den ersten Trailern erneut düstere Bilder, die dieses Mal auch rechten Verschwörungserzählungen Vorschub leisten. Call of Duty Black Ops: Cold War zeichnet in den ersten Trailern erneut düstere Bilder, die dieses Mal auch rechten Verschwörungserzählungen Vorschub leisten.

Call of Duty: Black Ops Cold War wurde gerade erst angekündigt, sorgt aber schon für Kontroversen. Activision Blizzard wirbt zwar mit dem Slogan "Know Your History", zeigt sich aber offenbar nicht bereit, aus den eigenen Fehlern zu lernen oder die Geschichte, die sie wiedergeben wollen, tatsächlich zu verstehen oder entsprechend einzuordnen.

Nachdem der erste Trailer Szenen des Tian'anmen-Massakers von 1989 zeigte, wurde er zuerst in China blockiert und infolgedessen gekürzt – allerdings nicht nur in China, sondern international. Doch sorgt nicht nur diese Entscheidung online für reichlich Wirbel. Zusätzlich verbreitet der Trailer völlig ohne Kontext die rechten Verschwörungsmythen des sowjetischen Journalisten Yuri Bezmenov, wie ein Kotaku-Bericht aufdeckt.

Black Ops Cold War-Trailer spielt rechten Verschwörungs-Fans in die Karten

Darum geht's: Im ersten Trailer von Black Ops Cold War hören und sehen wir Ausschnitte aus einem Interview mit dem KGB-Überläufer Yuri Bezmenov. Den einzigen Kontext dazu gibt ein Framing, das suggeriert, dass die Aussagen stimmen würden und dass sie eine "beunruhigende Warnung" seien.

Was ist das Problem? Yuri Bezmenovs Behauptungen erfreuen sich größter Beliebtheit bei Anhängern von Verschwörungsmythen und der sogenannten "Alt-Right"-Bewegung, in der sich unter anderem Neonazis, Rassisten, Rechtsextremisten und "White Supremacists" versammeln. Dabei geht es vor allem um den sogenannten "Kulturmarxismus", bei dem es sich um eine extrem rechte Verschwörungserzählung handelt.

Kurz zusammengefasst, richtet die sich im Endeffekt gegen alle, die nicht weiß, männlich und heterosexuell sind. Alle, auf die das nicht zutrifft oder die sich für Gleichberechtigung einsetzen und zum Beispiel auch gegen Krieg protestieren, nennt Yuri Bezmenov "nützliche Idioten", die angeblich fremdgesteuert seien.

Das im Call of Duty-Trailer zu sehende Interview wurde obendrein von G. Edward Griffin geführt, seines Zeichens HIV-/AIDS-Leugner und Alt Right-Propagandist sowie Befürworter einer immer noch konservativer werdenden Regierung und Mitglied der rechtsradikalen John Birch-Gesellschaft.

CoD Black Ops: Cold War - Erster Trailer verrät den Reveal-Termin 2:02 CoD Black Ops: Cold War - Erster Trailer verrät den Reveal-Termin

Darum ist das gefährlich: All das wäre ein nützlicher, wissenswerter bis dringend notwendiger Kontext zu diesem Interview gewesen. Diese Umstände und Hintergründe unter den Tisch fallen zu lassen, ist mindestens fragwürdig, wahrscheinlich sogar gefährlich: Der Terrorist und Massenmörder Anders Breivik hat zum Beispiel ebenfalls an den angeblichen "Kulturmarxismus" geglaubt.

Rechte YouTuber sind begeistert: Den Kritikern gegenüber stehen Personen wie der rechte YouTuber Carl "Sargon of Akkad" Benjamin. Er freut sich, dass die Call of Duty-Macher diese kruden Verschwörungserzählungen einer breiten Masse näherbringen und so normalisieren.

Ihm zufolge müsse ihnen gedankt werden. Gleichberechtigung etwa sei ein "lächerliches Ziel" und es sei "wundervoll", dass Yuri Bezmenovs Behauptungen dank Call of Duty jetzt auch im Mainstream stattfinden.

Call of Duty macht solche Fehler nicht zum ersten Mal

Kontroversen sind kaum etwas neues für das Call of Duty-Franchise. Mittlerweile ist es fast zu erwarten, dass die Ankündigung eines neuen Ablegers mit ihrer eigenen Kontroverse einhergeht.

  • Call of Duty: Black Ops 2 wurde unter Mithilfe von Oliver North als Berater entwickelt, der unter anderem Fox News-Host und NRA-Präsident war. Außerdem gilt er er als Schlüsselfigur beim US-Waffenverkauf an den Iran und der damit einhergehenden Finanzierung von Todesschwadronen in Nicaragua.
  • In Call of Duty: Modern Warfare wurde letztes Jahr das reale "Highway of Death"-Massaker, das im Zweiten Golfkrieg von einer US-geführten Koalition verübt wurde, einfach kurzerhand den russischen Haupt-Widersachern des Spiels zugeschrieben.
  • Call of Duty: Modern Warfare 3 zog Kritik auf sich, da das Spiel einen Anschlag in London zeigte, in dem ein kleines Mädchen starb; etwas, das bis dato in Videospielen kaum gezeigt wurde. Es wurde als Versuch gesehen, die umstrittene "No Russians"-Mission aus MW2 noch zu übertrumpfen.

Trotz des Wissens um den Kontroversen-reichen Hintergrund von Call of Duty, hinterlässt der Aufruf "Kenn deine Geschichte" im neuesten Kontext einige Fragezeichen, wie so etwas (erneut) passieren konnte. Wir haben bei Activision bezüglich des Trailers nachgehakt und um ein offizielles Statement gebeten.

Wer mehr über die Kontroverse, die Problematik und die ausführlichen Hintergründe erfahren möchte, denen empfehlen wir den Kotaku-Report von Ian Walker.

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