Verschwörungs-Entwarnung: Spiel farmt keine Kryptowährung, sondern ist unfertig

Das haben wir auch noch nicht gehört: Cooking Mama Cookstar soll genutzt worden sein, um damit Cryptowährung zu farmen.

von Ann-Kathrin Kuhls,
07.04.2020 10:06 Uhr

Cooking Mama (hier ein Bild aus Teil 4) hat aktuell mit Anschuldigungen zu kämpfen. Cooking Mama (hier ein Bild aus Teil 4) hat aktuell mit Anschuldigungen zu kämpfen.

Update vom 07. 04. 2020: Cooking Mama Cookstar, das Switch-Spiel, das aus dem eShop verschwand und seitdem vorgeworfen wurde, über die Konsolen seiner Nutzer Kryptowährung zu farmen, scheint nicht halb so gefährlich zu sein, wie vermutet wurde. Tatsächlich war es nach Aussage der Entwickler einfach nur unfertig.

Das erklärte ein Mitglied es Entwicklerteams, das lieber anonym bleiben möchte, gegenüber Screenrant. Die besorgniserregenden Punkte in der Pressemitteilung (siehe unten), die Fans hatten aufhorchen lassen, sei reine Wortklauberei gewesen. Der Chef von Planet Entertainment habe nur sehr wenig Ahnung vom Thema und habe die Worte eingestreut, um Investoren zu überzeugen.

Die Überhitzung der Konsole, die die Fans als Indiz aufgefasst hatten, dass hier mehr ablief als das reine Spiel, erklärt er ebenfalls: Das läge daran, dass das Spiel mit der Unity-Engine liefe und viele der Entwickler einfach noch nicht genug Erfahrung damit gehabt hatten. Er fährt fort, dass das Spiel in diesem Zustand gar nicht hätte veröffentlicht werden dürfen.

Warum verschwand Cooking Mama aus dem eShop?

Warum das Spiel dann doch erschien, dann aber sofort wieder verschwand, lässt sich auf mangelnde oder gänzlich fehlende Kommunikation zurückführen. Denn Planet Entertainment veröffentlichte das Spiel einfach, auch wenn die Qualität noch nicht dem entsprach, was die japanischen Creative Leads von Office Create vorgegeben hatten.

Daraufhin nutzten diese ihre Verbindungen zu Nintendo, um nicht nur den Verkauf der physischen Muster zu unterbinden, sondern das Spiel außerdem komplett aus dem eShop verschwinden zu lassen. Ein unfertiges Spiel entspricht nicht den Erwartungen, die die Beteiligten an so einen Titel haben.

Cooking Mama Cookstar wäre das erste Cooking Mama-Spiel gewesen, das auf der Switch erscheint, und sollte viele neue Features bieten, unter anderem einen Vegetarier-Modus mit besonderen Gerichten. Wann und ob überhaupt das Spiel jetzt noch erscheint, wissen nicht mal die Entwickler selbst:

"Uns wurde gesagt, das Spiel würde im März erscheinen. [...] Es gab YouTube-Werbung, Webseiten und sogar TikTok-Werbeclips, die nie erschienen sind. So wie ich es verstehe verklagt Planet Entertainment gerade Office Create, weil sie das Spiel entfernt und wir dadurch Geld verloren haben. Deswegen ist es schwer zu sagen, ob es jemals wirklich erscheinen wird. "

Cooking Mama muss eventuell an ihrer Öffentlichkeitwirkung arbeiten. Cooking Mama muss eventuell an ihrer Öffentlichkeitwirkung arbeiten.

Originalmeldung vom 06.04.2020:

Es klingt eher nach einem Spionagefilm als nach dem echten Leben: Das Kochsimulationsspiel Cooking Mama Cookstar (oder Coming Home to Mama) verschwand kurz nach seinem Release spurlos aus dem Nintendo eShop. Kurz danach werden Anschuldigungen laut, das Spiel habe unsere Switch-Konsolen genutzt, um damit Kryptowährung zu farmen. Was daran ist wahr, und was Verschwörungstheorie?

In Spionagefilmen sind oft diejenigen, die am harmlosesten wirken, in Wirklichkeit Bösewichte mit ruchlosen Absichten. Gehen wir danach, passt Cooking Mama Cookstar perfekt in die Rolle. Cookstar wäre der sechste Teil der Kochsimulationsreihe gewesen, in dem wir Gerichte zubereiten, das ganze Spiel ist dabei in freundlichen Pastelltönen gehalten.

Was ist passiert?

"Wäre gewesen" deswegen, weil er zwar erschienen ist - danach aber direkt wieder verschwand. Wie Press Start berichtet, wurde Cook Star am 30. März im Nordamerikanischen eShop veröffentlicht, doch schon ein paar Stunden später wurde es wieder entfernt, aus dem "Bald erhältlich"-Tab gelöscht und auch nicht mehr beworben. Nur der offizielle Cooking Mama-Account führt noch den Trailer auf.

Durch den Link kommen wir auf die offizielle Seite des Spiels und erfahren auch, wo wir das Spiel bestellen können, der eShop ist aber nicht mehr dabei.

Einzig ein paar Australische und Amerikanische Händler führen das Spiel noch, ob deutsche Märkte Muster erhalten haben, können wir aufgrund der aktuellen Ausgangsbeschränkungen nicht sicherstellen. Auch Amazon hat nach Berichten von IGN keine eigenen Spiele zur Verfügung, sondern vermittelt nur über Drittanbieter.

Warum? Wieso das Spiel so versteckt wird, lässt sich nicht sagen. Diejenigen, die Exemplare gekauft oder das Spiel heruntergeladen haben berichten, dass die Software einwandfrei liefe und es keine Glitches oder Bugs gäbe, die Cookstar unspielbar machten.

Allerdings sollen die Konsolen beim Spielen überraschend heiß gelaufen sein, was ein Fan zur aktuell kursierenden Theorie bringt:

Crypto Mama

Cooking Mama Cookstar soll nicht nur eine niedliche Simulation, sondern auch eine Möglichkeit der Entwickler sein, mit Hilfe unserer Konsolen Kryptowährung zu farmen.

In diesem Tweet fasst ein User seine Gründe für diese Theorie zusammen:

  • Die eigentlichen Besitzer von Cooking Mama wissen nichts davon
  • Wenn du eine Version hast, wird sie nicht starten, so lange du nicht online bist
  • Switch Netzwerkverkehr steigt explodiert, die Batterie verliert sehr schnell Energie, und das Ding überhitzt innerhalb einer halben Stunde.

Wenn das nicht mal nach dem Plot für einen Nachmittagskrimi klingt. Doch nehmen wir die in einer Pressemitteilung angeführten Features genauer unter die Lupe, ist das definitiv möglich.

Denn Cookstar implementiert Blockchain-Technologie, ein Verfahren für kryptografische Verkettung, das die technische Basis für Kryptowärungen bietet, weil es die Sicherheit von Tranksaktionen verbessert. Tatsächlich ist eine der ersten Anwendungen von Blockchain die Bitcoin gewesen.

Während die Technologie laut der Mitteilung dafür genutzt wird, die Ingame-Währung des Spiels und möglicher Ingame-Events zu organisieren, glauben viele Fans etwas anderes. Genau diese Technologie ermögliche es den Entwicklern, unsere Konsolen während des Spielens dazu zu nutzen, unsere Daten zu sammeln und so Kryptowährung zu farmen.

Von einem Journalisten auf die Vorwürfe angesprochen, schienen die Entwickler selbst ein bisschen überrascht.

"Das ist eine Veröffentlichung von 2019, und wir würden vermuten, dass sie hypothetisch ist, wie die meisten Veröffentlichungen über Blockchain. Blockchain wurde uns Entwicklern niemals angeraten und 2019 davon zu hören hat uns erheitert. Das passiert in naher Zukunft auf keinen Fall."

In einem offiziellen Statement verkünden sie außerdem:

"Als Entwickler können wir mit Sicherheit sagen, dass es keine Kryptowährungs- oder Datensammlung oder irgendetwas anderes fragwürdiges gibt. Die Nintendo Switch ist eine sehr sichere Plattform, ohne die Privatsphäre-Probleme, die man vielleicht von Mobile- oder PC-Spielen kennt."

Gehen wir nach den Aussagen der Entwickler, ist entweder die Pressemitteilung falsch, obwohl sie auf Informationen aufbaut, die das Studio ausgibt, oder die Entwickler sind sich eines großen Teils ihres Spiels nicht bewusst. Aber wäre so etwas nicht beim Testen aufgefallen? Zumindest das starke Heißlaufen der Konsole hätte ein Punkt sein müssen, der Testern auffällt.

Was ist jetzt wahr?

Von Nintendo selbst gibt es kein offizielles Statement. Doch die Switch ist eigentlich dafür bekannt, wie auch die Entwickler sagen, eine sehr sichere Plattform zu sein. Wäre dem Publisher aufgefallen, dass hier etwas nicht stimmt, könnte es ein Grund dafür sein, dass die Version aus dem eShop getilgt wurde.

Stellungsnahmen der Beteiligten, abgesehen von Verneinungen, sind eher unwahrscheinlich. Sollten die Vorwürfe stimmen, werden sich die Entwickler nicht an die Öffentlichkeit wenden und bestätigen "Ja, sicher haben wir eure Daten ausspioniert und die genutzt, um Bitcoins zu farmen.".

Eine andere Möglichkeit, an Informationen zu kommen wäre durch die Arbeit von Dataminern, sofern einer oder eine an das Spiel kam, bevor es getilgt wurde. Wir halten euch mit dieser sehr kuriosen Geschichte auf dem Laufenden.

Was haltet ihr von der ganzen Sache?

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