Doping für Gamer - Wunderpille verspricht bessere Leistung beim Zocken, putscht aber wohl vor allem auf

GodMode will euch zum PUBG-Champ machen - oder zumindest die Chancen erhöhen. Die Wirkung der Pille entfaltet sich aber wohl nur durch Koffein.

von Dimitry Halley,
01.03.2018 15:38 Uhr

GodMode will die Leistung beim Zocken verbessern. An der Wirkung gibt's aber berechtigte Zweifel.GodMode will die Leistung beim Zocken verbessern. An der Wirkung gibt's aber berechtigte Zweifel.

Kennt ihr noch die Simpsons-Folge, in der Grandpa Fläschlein in seinem Badezimmerschrank zusammenpanscht und Homer damit das ultimative Potenzmittel zubereitet? In etwa das verspricht auch die Wunderpille GodMode, allerdings im Hinblick auf die Leistung beim Zocken - nicht im Liebesspiel.

Der offiziellen Werbung zufolge soll GodMode die eigene Performance beim Spielen von Multiplayer-Titeln wie PUBG, Counter-Strike und Co. spürbar erhöhen. Man erreiche damit das gedankliche Niveau von Elon Musk, Steve Jobs und Steven Spielberg. Erschienen ist das Nahrungsergänzungsmittel im Oktober 2017, mittlerweile gibt's erste Feedback-Meldungen durch Wissenschaftler und Journalisten.

Brett Makedonski von Destructoid hat bei unabhängigen Quellen recherchiert, dass die Zutaten von GodMode nachweislich Leistung, Reaktionszeit und Konzentration beeinflussen können. Im einmonatigen Selbstversuch stellte er allerdings lediglich fest, dass durch den Koffeingehalt von GodMode seine Energie stieg, die Anzahl der Kills in PUBG und Co. aber nicht.

3D Realms Gründer steht hinter GodMode

Wer die Pille jetzt sofort in die Billiger-Scam-Schublade stecken will, macht es sich aber trotzdem ein bisschen zu einfach. Hinter dem Aufputschmittel steht durchaus ein prominenter Name: Scott Miller, der Gründer von 3D Realms. Lustigerweise spricht die Stimme von Duke Nukem auch den offiziellen Werbe-Clip von GodMode:

Abrar Al-Heeti von CNET sprach nach eigenen Angaben mit über einem Dutzend Ernährungs- und Gesundheitsexperten an den Universitäten. Die Resonanz blieb eindeutig: Die meisten Fachleute halten die Pille entweder für Quatsch oder wollen nicht darüber sprechen. Außerdem wandte sich Al-Heeti an die Food and Drug Administration der US-Behörden, die wiederum keine Prüfung von GodMode bestätigen konnte.

Offenbar nutzt Boss Level Labs, die Firma hinter GodMode, hier ein Schlupfloch der US-amerikanischen Gesundheitsprüfung. Wo verschreibungspflichtige Medikamente zwingend geprüft werden müssen, bevor sie auf den Markt wandern, sieht die Sache bei Nahrungsergänzungsmitteln anders aus.

Hier liegt die Verantwortung des korrekten Vertriebs im ersten Schritt bei den Herstellern. Erst nachdem falsch vermarktete Pillen im Handel landen, können Behörden aktiv werden. Deshalb quillt der Handel mit solchen "Wundermitteln" in den Staaten förmlich über.

Testimonials für GodMode

Boss Level Labs hat sich ursprünglich darüber vermarktet, dass alle 14 Zutaten von GodMode durch die Food and Drug Administration geprüft wurden. Das stimmt zwar in der Theorie: Die FDA gibt Zutaten für den Handel frei, die Hersteller dürfen sie dann aber nach Belieben kombinieren.

Aber nur weil die Zutaten durch die FDA reguliert werden, ist das fertig gemischte Produkt nicht automatisch durch die Behörden in seiner Wirksamkeit bestätigt.

Solche Unsauberkeiten findet man in der Werbung von GodMode am laufenden Band. Die Kollegen von Eurogamer haben in einer aufwändigen Recherche unter anderem die Testimonials auf der Seite von Boss Level Labs kontaktiert - also populäre Persönlichkeiten, die angeblich GodMode genommen haben und wegen seiner Wirksamkeit feiern.

Fazit

Keiner der sogenannten "Pro User" konnte das bestätigen. Entweder blockierten sie die Kommunikation mit Eurogamer bei der ersten Erwähnung von GodMode oder sie dementierten den Gebrauch oder die Wirkung der Wunderpille. Eine Person ließ sich in der Folge sogar aus den Testimonials entfernen.

Am Ende des Tages verbirgt sich hinter GodMode wohl lediglich eine sehr offensiv vermarktete Koffeintablette, die zwar durchaus aufputscht, aber ohne Probleme durch vier Tassen Kaffee ersetzt werden kann. Immerhin: Ein Nutzer der GodMode-Pillen bestätigt gegenüber CNET, dass er durch die Tabletten weniger "Koffein-Hangover" verspüre als bei Kaffee.

Ob dadurch die eigene KD-Ratio verbessert wird, steht auf einem anderen Blatt. Wer sich im Detail damit beschäftigen möchte, sei an dieser Stelle an das oben eingebundene, sehr gute Video von Eurogamer verwiesen.


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