Fortnite - Schadet der Erfolg des Battle Royale-Spiels anderen Online-Multiplayern?

Der Erfolg von Fortnite könnte nicht nur Fans anderer Spiele abwerben, sondern auch Online-Multiplayern im Allgemeinen schaden.

von Ann-Kathrin Kuhls,
28.07.2018 12:50 Uhr

Macht der Erfolg von Fortnite anderen Online-Multiplayern mehr zu schaffen als bisher gedacht?Macht der Erfolg von Fortnite anderen Online-Multiplayern mehr zu schaffen als bisher gedacht?

Fortnite ist der Inbegriff von Mainstream-Erfolg. Superstars wie Drake spielen es mit Twitch-Streamern wie Ninja, die wiederum jeden Tag hunderte neuer Abonnenten hinzugewinnen. Mittlerweile ist der Battle Royale-Modus auf beinahe jedem Gerät zu finden, und auch Leute, die eigentlich gar nichts mit Videospielen zu tun haben, ertappen sich dabei, zumindest einmal einen Blick auf das Spiel zu werfen, das momentan einfach überall zu sein scheint.

Das ist sehr gut für Fortnite und dessen Entwickler Epic Games, dessen Wert mittlerweile auf fünf bis acht Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Normalerweise ist so ein Anstieg an Beliebtheit eines einzigen Titels für die gesamte Sparte des entsprechenden Genres günstig. Ähnlich, wie eine Flut alle Boote in einem Hafen gleichzeitig anhebt, profitieren auch alle anderen Spiele von mehr Aufmerksamkeit und potenziellen neuen Spielern.

Je mehr neue Spieler Fortnite anzieht, desto größer ist die Chance, dass die sich nach dem Ende des Battle Royale-Hypes anderen Spielen zuwenden, weil sie auf den Geschmack gekommen sind. Das war bis jetzt die vorherrschende Meinung.

Flutwelle Fortnite

Bei Fortnite scheint es sich jedoch laut einer Studie von SuperData Research um eine Monsterwelle zu handeln, die alles andere überschwemmt. Das hat zwei zusammenhängende Gründe:

Zum einen überlappen sich die Gruppe der Fans von Online-Multiplayern. Spieler, die Overwatch, Battlefield 1 oder PUBG mögen, interessieren sich auch für Fortnite. Wenn sie aber Fortnite spielen, verbringen sie weniger Zeit in ihren früheren Favoriten, deren Spielerzahl sinkt. Das gleiche gilt für Streamer: Fortnite-Streams hatten laut Studie in den letzten drei Monaten einen Beliebtheitsanstieg von 59 Prozent, während die Beliebtheit von Overwatch-Streams 16 Prozent abnahm, Streams des PC-Spiels CS:GO verloren sogar 51 Prozent.

Overwatch könnte große Teile seiner Stammspieler an Fortnite verlieren.Overwatch könnte große Teile seiner Stammspieler an Fortnite verlieren.

Das ist an sich noch kein unerwartetes Problem, denn so funktioniert der freie Markt. Wenn ein attraktiveres neues Angebot erscheint, müssen etabliertere Marken mit weniger Aufmerksamkeit rechnen. Das damit zusammenhängende zweite Problem ist jedoch viel schwerwiegender: Der Erfolg von Fortnite könnte aber einen generellen Negativ-Trend für Online-Spiele verdecken.

Mit Fortnite sind die Verkaufszahlen von Premium Digital-Titeln und Free-to-Play-Spielen der beiden großen Konsolenhersteller Microsoft und Sony im Vergleich zu den drei gleichen Monaten im letzten Jahr um 49 Prozent angestiegen. Ohne Fortnite sind sie jedoch im gleichen Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent gesunken.

Weil Fortnite als Einzeltitel so erfolgreich ist, merkt also keiner, dass Online-Multiplayer als ganzes an Beliebtheit verlieren. Das passiert zwar nicht mit böser Absicht, aber es passiert. SuperData Research fasst das wie folgt zusammen:

"Während früher keiner der führenden Spielepublisher oder Entwickler zugeben wollte, dass die Spielerzahlen oder der Gewinn durch Spielerausgaben sinken, wird es immer offensichtlicher, dass der Newcomer [Fotnite, Anm. d. Red.] Marktanteile bereits existierender Titel einnimmt, zusätzlich zu den neuen Spielern, die er dem Markt hinzufügt. […] Fortnite kann mit seinem Erfolg eine größere Marktveränderung verschleiert haben."

Zusammengefasst bedeutet das, dass die Studie den Verdacht nahelegt, dass es Online-Multiplayern eventuell sehr viel schlechter geht, als es der Erfolg von Fortnite vermuten lässt.

Natürlich handelt es sich hier um eine Studie, und jede Studie ist nur so gut wie die Daten, die sie nutzt. Konkrete Verkaufszahlen von großen Publishern könnten hier noch einen Unterschied machen. Die aktuellen Ergebnisse legen jedoch nahe, den Markt genau im Auge zu behalten, vor allem, wenn der Battle Royale-Hype abgeflaut ist.

Für wie erfolgreich haltet ihr Online-Multiplayer im Allgemeinen?


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