Gnosia ist für alle, die Among Us lieber im Singleplayer spielen wollen

Wer Spaß daran hat, Betrüger zu durchschauen oder selbst andere in die Irre zu führen, könnte mit Gnosia glücklich werden. Das Switch-Juwel spielt sich wie Among Us, nur eben ohne den Online-Multiplayer.

von Hannes Rossow,
27.04.2021 10:00 Uhr

Gnosia in der Spielvorstellung. Gnosia in der Spielvorstellung.

Genre: Visual Novel Entwickler: Petit Depotto Publisher: Active Gaming Media Plattform: Nintendo Switch, PS Vita Release: bereits verfügbar

Im letzten Jahr hat Among Us einen echten Nerv getroffen. Das kleine Indie-Spiel kämpfte sich auf Steam bis an die Spitze und überzeugte Spieler:innen mit einem Videospiel-Twist zu bekannten "Wer ist hier heimlich der Böse"-Spielen wie Werwolf oder Mafia. Genau wie Among Us setzt auch Gnosia auf ein SciFi-Setting auf einem Raumschiff, dessen Crew von einem Alien-Imposter unterwandert wird - nur funktioniert das alles komplett im Singleplayer.

In klassischer Visual Novel-Manier müssen wir mit unseren Kollegen auf dem Schiff reden und anhand ihrer Antworten und Reaktionen herausfinden, wer hier gerade wen täuschen möchte. Gnosia macht das aber nicht nur einmal, sondern mehrfach. Es gibt dutzende "Loops" im Spiel, die die Ereignisse zurücksetzen und einen anderen NPC zum Alien machen. Nach und nach kommen dann weitere Figuren und Mechaniken hinzu, die das Rätselraten spannend halten.

Was macht Gnosia so besonders?

Da das Among Us-artige Gameplay hier komplett solo erlebt werden kann und wir nur mit NPCs agieren, erzählt Gnosia eine echte Geschichte. Wir erfahren mehr über die Hintergründe der außerirdischen Bedrohung und lernen die zahlreichen Figuren und ihre Vergangenheit kennen. Da jedes Mal eine andere Figur die Rolle des Betrügers einnimmt, sind zudem alle Charaktere gleichzeitig Freund und Feind.

Das Art Design von Gnosia setzt komplett auf einen handgezeichneten Charme. Das Art Design von Gnosia setzt komplett auf einen handgezeichneten Charme.

Jede Runde in Gnosia läuft nach einem ähnlichen Prinzip ab. Die Anwesenheit eines Gnosia-infizierten Charakters wird bemerkt und es kommt zu Gruppendialogen, in denen sich die Crew gegenseitig beschuldigt, in Schutz nimmt oder von sich ablenkt. Nach einer bestimmten Anzahl von Antworten kommt es dann zu einer Abstimmung. Die Person (oder das Lebewesen, der Cast ist SEHR divers), die am meisten Stimmen erhalten hat, wird in einen Kälteschlaf versetzt.

Wenn in der darauffolgenden Nacht ein Charakter ermordet wird, ist klar, dass das Alien noch auf freiem Fuß ist und das Prozedere beginnt von vorn. Wir gewinnen eine Runde, wenn alle Aliens erwischt werden und verlieren, wenn die Aliens 50 Prozent der Crew ausmachen. Obwohl diese Loops in sich geschlossen sind und die Suche im Anschluss von vorn beginnt, schafft es Gnosia dennoch eine übergreifende Story zu erzählen und Fortschritt zu bieten.

Sind es am Anfang nur eine Handvoll Charaktere, zwischen denen wir das Alien ausfindig machen müssen, wächst die Gruppe schnell an. Da jede Figur auch eine eigene Persönlichkeit mitbringt, die wir beim Einschätzen von Reaktionen einordnen müssen, entwickelt sich schnell ein Detektiv-ähnliches Gameplay, das Empathie und die richtige Spürnase in Sachen soziale Intelligenz erfordert.

Für wen ist Gnosia interessant?

Falls ihr das Grundprinzip von Undercover-Spielen mögt, aber entweder nie die große Freundesrunde zusammen bekommt oder schlicht nicht die Geduld habt, euch mit Online-Trollen herumzuschlagen, könnte Gnosia einen Blick wert sein. Die Dialoge sind gut und oft mehrdeutig geschrieben. Gut möglich also, dass ihr eben noch geglaubt habt, dem Alien auf der Spur zu sein und im nächsten Moment merkt: "Oh, das habe ich ja vollkommen falsch interpretiert."

Ja, manchmal muss man eben auch herausfinden, ob nicht der sprechende Beluga das Alien sein könnte. Ja, manchmal muss man eben auch herausfinden, ob nicht der sprechende Beluga das Alien sein könnte.

Was Gnosia ebenfalls sehr gut gelingt, sind die Situationen, in denen ihr sogar sehr gut wisst, wer hier das Alien ist, ihr aber die restlichen NPCs davon überzeugen müsst. Mit verschiedenen rhetorischen Mitteln müsst ihr die Figuren manipulieren und die Abstimmung auf diese Weise beeinflussen. Und dann gibt es natürlich auch noch die Runden, in denen ihr selbst das Alien seid. Jede Situation spielt sich anders und ist durch die glaubwürdigen Charaktere nur schwer vorhersehbar - vor allem in späteren Runden.

Gnosia ist auf jeden Fall dann zu empfehlen, wenn ihr es mögt, euch in andere Leute hineinzuversetzen und die Welt aus ihren Augen zu betrachten. Wie würde sich jemand verhalten, der von einem Alien beheimatet ist, schon zwei Personen umgebracht hat und gerade beschuldigt wird, ein Mörder zu sein? Wird man dann nervös? Fühlt man sich selbstsicher? In Gnosia bekommt ihr nur die besten Momente von Among Us geboten und ist allein deswegen schon einen Blick wert.

GamePro-Einschätzung

Hannes Rossow
@Treibhausaffekt

Am Anfang hatte ich meine Schwierigkeiten damit, zu verstehen, wie Gnosia aufgebaut ist. Einerseits gibt es diese abgeschlossenen Runden, in denen das Alien gefunden werden muss. Andererseits gibt es aber auch eine Geschichte, die stetig vorangetrieben wird. Wie die Entwickler diese Gratwanderung meistern, ist wirklich beeindruckend. Vor allem dann, wenn man bedenkt, dass sich jede Konstellation aus Alien und Crew-Mitgliedern authentisch anfühlt und wie eine glaubhafte soziale Situation wirkt.

Klar, hier muss viel gelesen werden - zum Großteil ist Gnosia ein Visual Novel. Allerdings gibt es auch viele Spielmechaniken, die in die komplexen Dialoge einarbeiten. Zum Beispiel können wir auch Erfahrungspunkte sammeln und sie auf Charakterwerte legen, was uns dann zum Beispiel hilft, mit höherem Charisma andere Leute von unsere Vermutungen zu überzeugen. Bestimmte Crew-Aufgaben, die den Figuren zugeordnet sind, geben zudem weitere Ansatzmöglichkeiten, das Alien aufzuspüren.

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