Langweilige alte Schinken, die irgendwie komisch geschrieben sind – so dürften viele Teenager über die in der Schule behandelten Literaturklassiker denken. Die Münchener Lehrerin Joana Baumgarten kann nachvollziehen, warum sich junge Menschen mit dem Stoff schwertun, findet aber auch, dass er es wert ist, sich einen Zugang dazu zu erarbeiten.
Damit das gelingt, greift sie zu kreativen Methoden. So hat sie sich beispielsweise ein Brower-Game ausgedacht, mit dem sie Lernenden Goethes Faust näherbringen will und es mithilfe von KI auch gleich selbst realisiert. Über ihren ganz eigenen Unterrichts-Ansatz hat sie uns noch mehr verraten.
38:00
Neue Spiele im Juli - Vorschau-Video für PC & Konsolen
Kreative Lehrerin nutzt Vibecoding, um Spiele für den Unterricht zu erstellen
Joana Baumgarten teilt auf Instagram Posts zu ihrem Unterrichtsansatz und ihren Erfahrungen mit Vibecoding (Software-Erstellung, bei der die KI mit Prompts gefüttert wird, auf deren Basis sie entsprechenden Quellcode ausgibt). Das war nämlich sehr nützlich für sie, um ihr neues Projekt umzusetzen: ein kleines Spiel zu einer wichtigen Szene aus dem Goethe-Klassiker.
Wie sie selbst erklärt, enthält es Monologe, die im Stil von RPGs präsentiert werden und die Geschehnisse pointiert und in leichter verständlichem Deutsch zusammenfassen. Einen Eindruck könnt ihr euch hier im Beitrag verschaffen:
Link zum Auf den ersten Blick sieht das Spiel einfach knuffig aus, aber es soll eine wirklich wichtige Aufgabe erfüllen. Die Lehrerin hat uns verraten, dass es schwierig sein kann, mit klassischen Unterrichtsmethoden Begeisterung für derartige Werke zu wecken: Klar, die altertümliche Sprache ist erstmal eine Hürde, und auch die abstrakteren Aspekte muss man sich nach und nach erschließen. Da muss man sich schon ein bisschen durchbeißen – als Schüler, aber auch als Lehrkraft, wenn man die Klasse dafür motivieren will. Gerade am Anfang ist das anstrengend, bis alle irgendwie einen Zugang gefunden haben. Ein ganz klassischer Ansatz sei es, eine Szene vorzugeben und von der Klasse zu fordern, die zu lesen und zu interpretieren und in Aufsatzform niederzuschreiben. So dürften das viele von uns noch kennen und in den meisten Fällen dürfte das nicht für Begeisterung gesorgt haben. Joana Baumgarten will lieber alternative Wege anbieten, sich mit dem Stoff zu befassen. Ihre Schüler*innen bekommen stattdessen via QR-Code Zugriff auf das Spiel und sollen sich damit Wissen zu einer wichtigen Szene erarbeiten. Auf Instagram erntet dieser Ansatz Begeisterung, einige User kreiden allerdings den Einsatz von KI an, der im kreativen Bereich problematisch sein kann, insbesondere in Hinblick auf Urheberrechtsbedenken. In den Kommentaren werden daher Alternativen diskutiert, wobei das Budget aber natürlich bei dem Einsatzgebiet eine Hürde darstellt (und keine kommerzielle Nutzung vorgesehen ist). Womöglich wird hier aber ja in Zukunft noch eine andere Lösung oder ein Kompromiss gefunden, die Lehrerin ist jedenfalls offen für Feedback. Ein User schlägt unter anderem zusätzliche Nutzung kostenloser Assets vor. Das Spiel soll auch wirklich direkt in der Unterrichtsstunde zum Einsatz kommen, damit Austausch möglich ist. Durch die ganze Herangehensweise soll es leichter werden, gemeinsam einen Zugang zu den Themen zu finden, die Joana Baumgarten immer noch relevant und spannend findet. Und bei dem einen Goethe-Projekt wird es bestimmt auch nicht bleiben. Die Lehrerin hat nämlich noch viele weitere Ideen. Am liebsten würde sie Faust als Gesamtwerk als Spiel umsetzen. Oder sich direkt an andere Werke heranwagen. Ein Fighting Game mit Wissensfragen fände sie ebenfalls spannend. Außerdem kam im Ethik-Unterricht schon mal eine Art Visual Novel zum Einsatz. Eine weitere Idee der Lehrerin haben wir euch auch oben verlinkt. Na, wie sah euer Unterricht zu derlei Themen aus? Auch ähnlich wie bei mir? Hättet ihr euch ebenfalls eine derart moderne und kreative Herangehensweise gewünscht?
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.