Der Halo-Wechsel zu den CoD-Machern kommt nicht überraschend - und birgt mehr Chancen als Risiken

Tobi hat die Hoffnung auf eine bessere Zukunft von Halo trotz etlicher Stolpersteine nicht aufgegeben. Und begrüßt deshalb den von Microsoft bestätigten Entwicklerwechsel.

Tobi liebt die Halo-Serie und hofft, dass der Entwicklerwechsel positive Effekte hat. Tobi liebt die Halo-Serie und hofft, dass der Entwicklerwechsel positive Effekte hat.

Das nächste Halo-Spiel wird nicht mehr von den Halo Studios, sondern von Activision entwickelt. Das wäre vor 16 Jahren, als Originalentwickler Bungie die Reihe abtrat, wahrscheinlich noch eine absolute Sensationsmeldung gewesen. Jetzt habe ich das Ganze bei der offiziellen Bekanntgabe recht emotionslos aufgenommen – vielleicht ist mir sogar ein leises "endlich" über die Lippen gehuscht. 

Denn überraschend kommt dieser Studiowechsel spätestens seit den Gerüchten um einen von CoD-Studio Sledgehammer Games entwickelten Halo-Prototypen nicht mehr. Zu viel ist dafür nämlich bei den Halo Studios und Microsoft im vergangenen Jahrzehnt schiefgelaufen, zu viel hat die Marke von ihrer einstmals so großen Strahlkraft eingebüßt. 

Tobias Veltin
Tobias Veltin

Die Halo-Serie hat einen festen Platz in Tobis Herzen, weil er mit quasi allen Spielen der Reihe besonders viele schöne Momente verbindet. Halo 2 etwa versuchte mit der damals noch neuartigen Online-Anbindung alles, ihn vom erfolgreichen Abschluss seines Studiums abzuhalten, schaffte es aber nicht. Von Activision erhofft er sich nun einen neuen Impuls für die Serie – wie auch immer der aussehen mag.

Die Entwicklung von Halo: Infinite war etwa geprägt von Hiobsbotschaften, Richtungswechseln und einer fehlenden Linie. Und auch wenn Infinite, das Ende 2021 nach einer über einjährigen Verschiebung erschien, sicherlich nicht schlecht war, konnte es der schon davor strauchelnden Serie nicht wieder auf Füße helfen. Genauso wenig wie das kürzlich erschienene Halo 1-Remake Campaign Evolved, das für mich in die Kategorie "nett, aber vergessenswert" fällt.

Man konnte den Halo Studios kein wirklich gutes Zeugnis mehr ausstellen, auch bei vielen Fans hatte der Entwickler sämtlichen Kredit verspielt. Hier nur das Studio in die Verantwortung zu ziehen, wäre allerdings unfair. Denn auch Microsoft hatte durch teils katastrophales Missmanagement und offenbar unklare Vorgaben einen erheblichen Anteil an dieser Entwicklung – und schlägt jetzt einen neuen Kurs ein.

Video starten 10:33 Halo braucht einen Reboot! - Video-Special zur Zukunft der Shooter-Serie

Dringend nötiger frischer Wind

Beim Wechsel zu Activision sehe ich nun mehr Chancen als Risiken. Activision hat jetzt die Möglichkeit, dringend benötigten frischen Wind in das gesamte Franchise zu pusten. Schließlich ist beim CoD-Macher mehr als genügend Shooter-Kompetenz vorhanden, ebenso beim Thema Live-Service, das ja bei Halo: Infinite eines der großen Probleme war. 

Und auch die Tatsache, dass jetzt ein komplett neues Team unvoreingenommen an das Thema herangehen kann, empfinde ich eher als positiv als negativ, ganz nach dem Motto "neue Besen kehren gut". 

Das Know-How bezüglich Gunplay etc. ist bei Activision jedenfalls unbestritten da, und kombiniert mit der reichhaltigen Lore des Halo-Universums könnte das eine Mischung werden, die passt.

Es ist aber natürlich nicht so, dass Activision jetzt übernimmt und alles ist gut. Denn auch die Shooter aus deren Hause haben inzwischen viel vom Glanz vergangener Tage verloren und Activision wird sich beim ersten eigenen Halo qualitativ ein gutes Stück strecken müssen – etwas in der "Güteklasse" einer Modern Warfare 3 - oder Black Ops 7-Kampagne sollte jedenfalls nicht passieren. 

Ich gebe natürlich zu, dass hier auch viel Hoffnung dabei ist, schließlich liegt mir Halo am Herzen und ich würde mich einfach freuen, wenn sich die Marke wieder berappeln würde.

Welche Gefahr ich sehe – und welche eher nicht

Komplett blauäugig bin ich deswegen aber nicht, denn natürlich birgt der Wechsel auch Gefahren. Die Sorge der treuen Community, dass Halo nun ein Stück seiner Identität verlieren bzw. diese verwässert werden könnte, kann ich jedenfalls nachvollziehen und teile sie auch zu einem gewissen Grad. 

Activision steht genau wie die Halo Studios vor dem schwierigen Spagat, alte Fans nicht zu verprellen und neue Leute für die Marke zu begeistern. Das wird nicht einfach, ist aber auch nicht unmöglich.

Die Risiken hingegen, dass Halo jetzt ähnlich wie Call of Duty in eine jährliche Release-Mühle geraten oder mit Mikrotransaktionen vollgeballert werden könnte, sind zwar sicherlich da, ich bin diesbezüglich aber etwas entspannter. 

Halo hat nämlich nicht nur spielerisch schon immer etwas anders als CoD funktioniert und eine Angleichung der beiden Serien wäre eher Gift als Segen für das eigene Shooter-Portfolio – mal ganz davon abgesehen, dass die Entwicklung zweier jährlich erscheinender AAA-Shooter wohl auch für Activision schwer zu stemmen wäre.

Aber egal, ob das erste Activision-Halo nun Halo 7 heißt oder ein kompletter Reboot wird: ich bin sehr gespannt auf das, was da kommt. Bon mir kriegt Activision auf jeden Fall eine faire Chance. Denn für die Marke kann es nach den letzten Jahren eigentlich nur wieder bergauf gehen. Und auf dem Weg nach oben ist Halo definitiv besser aufgehoben als in der Versenkung.

Was sagt ihr zum Halo-Entwicklerwechsel? Eher Chance oder doch eher Risiko?


Kommentare(1)
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