Halo 1 gehört zu den beliebtesten und wichtigsten Shooter-Klassikern aller Zeiten und pünktlich zum 25. Geburtstag des Spiels spendieren Microsoft und die Halo Studios dem Titel eine vor allem optisch aufgebrezelte Neuauflage, die nicht nur für die Xbox und den PC, sondern erstmals auch für eine Sony-Konsole – nämlich die PlayStation 5 –erscheint.
Halo: Campaign Evolved verspricht aber nicht nur eine optische Runderneuerung, sondern auch spielerische Anpassungen und vor allem drei komplett neue Bonusmissionen.
Aber: sind die so gut, dass sich auch für Kenner des Originals ein Neukauf lohnt? Und ist Halo auch heute noch ein spielenswerter Shooter? Ich habe mich alleine und im Koop durch die Neuauflage geballert und kann euch jetzt die Antworten darauf geben.
So gut sah Halo 1 noch nie aus
Fangen wir mal mit dem Offensichtlichsten an. Halo: Campaign Evolved läuft auf der Unreal Engine 5 und sieht wirklich hübsch aus.
Natürlich ist hier alles viel detaillierter als im Original, dennoch kommt die ganze Ästhetik des Shooter-Klassikers mit seinen sehr farbenfrohen Elementen wie den flirrenden Schilden und den Plasma-Geschossen der Allianz-Aliens auch im Remake hervorragend zum Tragen. Speziell in den Innenräumen gibt es teilweise richtige Effektgewitter.
Die Beleuchtung ist toll und atmosphärisch, die Animationen der Gegner geschmeidig und auch die überarbeiteten Zwischensequenzen machen eine Menge her, auch wenn die Gesichter der Charaktere wie etwa Sergeant Johnson hier und da ziemlich uncanny sind.
Auch kommt es häufiger zu typischen Unreal Engine 5-Grafikfehlern wie flimmernden Schatten und niedrig aufgelösten Effekten auf Distanz. Alles in allem ist das hier aber eindeutig die bislang hübscheste Halo 1-Version.
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Halo: Campaign Evolved zeigt uns, wie es im Remake zur Sache geht
Performance mit kleinen Macken
Die Konsolen-Versionen von Campaign Evolved haben zwei Grafikeinstellungen, nämlich einmal Qualität, in der das Spiel in besserer Auflösung und 30 fps läuft, und Performance, wo eine Bildrate von 60 fps priorisiert wird. Ich habe auf der Xbox Series X die meiste Zeit im Performance-Modus gespielt und dort lief das Geschehen auch wunderbar flüssig.
Allerdings nicht immer. Insbesondere, wenn viel auf dem Bildschirm los ist und große neue Areale geladen werden müssen, gibt es auch ein paar deutlich spürbare Ruckler und Stotterer, hundertprozentig sauber ist die Performance also nicht. Kollege Chris hat mir bestätigt, dass es diese Einbrüche sogar in der PS5 Pro-Version gibt, abseits davon schlägt sich die Variante für die Sony-Konsole aber wacker.
Kleinere Bugs haben alle Versionen. Bei mir gab es zum Beispiel hin und wieder kurze Sound-Aussetzer und bei Kollege Chris ging eine Bonusmission an einer Stelle erst nach einem Neustart weiter. Das sind natürlich alles keine wirklichen Katastrophen, hinterlassen aber einen zumindest angekratzten technischen Eindruck.
Neue Details für Halo-Kenner
Storytechnisch haben die Halo Studios das Spiel grundsätzlich unangetastet gelassen. Campaign Evolved erzählt also auch wieder die Geschichte von Supersoldat Master Chief, der auf der fremden Ringwelt Halo landet und sich dort mit der Allianz herumschlagen muss, einem Verbund unterschiedlicher Alien-Völker. Und dann natürlich herausfindet, dass es auf dem Ring eine noch viel größere Bedrohung gibt.
Die aufgebrezelten Zwischensequenzen wurden hier und da mit ein paar zusätzlichen Infos und Details ergänzt, etwa der Waffe von Schiffskommandant Captain Keyes, der den Master Chief bittet, sie seiner Tochter Miranda zu übergeben. Das sind teilweise ganz nette Verweise auf Ereignisse und Personen, die erst in späteren Halo-Teilen passieren bzw. auftauchen. Auffallen werden euch die neuen Story-Schnipsel aber nur, wenn ihr Halo sehr gut kennt.
Neulinge dürften hier nach wie vor einen schweren Stand haben, denn auch Campaign Evolved wirft euch unvermittelt ins Geschehen und erklärt nicht wirklich die Hintergründe seines Universums oder des Hauptcharakters. Die grundlegende Story versteht man natürlich trotzdem, ihr dürft aber nicht erwarten, dass ihr hier umfassend in die sehr reichhaltige Halo-Lore eingeführt werdet.
Accessibility-Einstellungen
Halo: Campaign Evolved bietet eine ganze Reihe von Barrierefreiheits-Optionen, die in einem eigenen Tab in den Einstellungen aufgelistet sind. So lassen sich beispielsweise Textgrößen, Bewegungseffekte und das HUD anpassen, Farbfilter und Tutorial-Texte aktivieren und optische Hilfen anzeigen, um etwa Waffen und Granaten in den Levels leichter sehen zu können.
Shootouts und Gegner sind immer noch referenzverdächtig
Beim Gameplay hat Halo schon immer geglänzt und auch das Remake ist da keine Ausnahme. Die Kämpfe in den mal mehr mal weniger offenen Arealen machen vor allem aus zwei Gründen noch immer extrem viel Laune.
Zum einen wäre da der unkaputtbare Dreiklang aus Waffen, Granaten und Nahkampf. Alles muss geschickt eingesetzt werden, um auf dem Schlachtfeld erfolgreich zu sein. Jede Waffe fühlt sich zudem gut an und hat spezielle Eigenheiten bzw. Vorteile gegenüber bestimmten Gegnertypen – die Plasmapistole lässt mit ihrem aufgeladenen Schuss etwa Energieschilde im Nu zerplatzen.
Zum anderen sorgt die gute Gegner-KI bzw. die Dynamiken der Feinde untereinander dafür, dass die Kämpfe immer wieder fordernd und spannend sind – insbesondere auf den beiden höheren der insgesamt vier Schwierigkeitsgrade.
Elite-Aliens sprinten euch, bei Überzahl oder wenn euer Schild unten ist, regelmäßig entgegen und ziehen sich zurück, wenn ihre eigenen Energieschilde unten sind. Die knuffigen Grunts flüchten hingegen, sobald ihr Anführer erledigt wurde.
Zusammen mit den Kommentaren und Sprach-Samples der Aliens (wie das gequakte “Ich hasse dich!” der Grunts) sorgt das dafür, dass die Gegner deutlich mehr Charakter haben als in anderen Shootern. Auch das hebt Halo immer noch von vielen anderen Genrevertretern ab.
Für spaßige Auflockerung sorgen zudem die immer wieder eingestreuten Fahrzeugsequenzen mit Jeep, Panzer und Co. Der Kern des Spiels und der Kampagne ist auch dank der hervorragenden Steuerung nach wie vor exzellent und als Shooter hat Halo absolut nichts von seinem Charme verloren.
Die Probleme der Kampagne von Halo
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das Remake nicht nur die Stärken des Originals in die Neuzeit gerettet hat, sondern auch die Schwächen. Dazu gehört beispielsweise das sehr auffällige Backtracking in einigen Teilen des Spiels. Ihr lauft also recht oft zuvor besuchte Levelabschnitte wieder in umgekehrter Richtung zurück, gerade in der zweiten Spielhälfte fällt das sehr negativ auf.
Mit dem Auftauchen der parasitären Flood-Aliens ab etwa der Hälfte der Kampagne verändert sich zudem die gesamte Tonalität des Spiels. Halo gleitet dann ein wenig in die Horror-Richtung ab und wo es in der ersten Hälfte viele Kämpfe in größeren Arealen gibt, geht es danach sehr oft durch düstere Gänge und Korridore.
Das Geballer wird dabei stumpfer und weniger abwechslungsreich, dazu kommt das schon erwähnte Backtracking. Auch wenn alles am Ende in einem spektakulär inszenierten Finale mündet, hat die Kampagne durchaus ihre Macken, die 25 Jahre später auffälliger sind denn je.
Sinnvolle Anpassungen bei Gameplay und Levels
Immerhin haben die Halo Studios unter anderem an dem wohl am häufigsten kritisierten Level – der Bibliothek – ein bisschen gefeilt, die Wegfindung und Orientierung verbessert und auch die Anordnung des Levels ein wenig modifiziert.
Dadurch spielt sich der für viele Fans schlimmste Level der Halo-Geschichte im Remake tatsächlich ganz annehmbar, wirkt aber trotzdem insgesamt immer noch etwas zu sehr in die Länge gezogen.
Und wo wir schon bei den Anpassungen sind: Auch beim Gameplay haben die Halo Studios nachgeschärft, allerdings behutsam. Es gibt jetzt beispielsweise die Option, mit nahezu allen Waffen etwas heran zu zoomen. Der Master Chief kann nun außerdem standardmäßig sprinten – das ging im Original noch nicht – und auch die Lebensenergie lädt sich nun von selbst auf. Im Original gab es dafür noch Medikits und nur der Energieschild fuhr nach ein paar Sekunden wieder hoch.
Einige Halo-Traditionalisten haben diese Änderungen bereits beklagt, ich habe damit hingegen kein Problem. Denn einerseits lassen sich einige der Neuerungen wie Sprint auch Wunsch auch deaktivieren. Und andererseits erleichtern die Anpassungen besonders Neulingen den Einstieg, weil Sprint und Co. nun mal moderne Shooter-Standards sind, die über die Jahre hinweg ja ohnehin Einzug in die Halo-Serie gefunden haben.
Eine spezielle Komfortfunktion habe ich beim Test allerdings vermisst, nämlich das Hochziehen an Kanten. Wenn der Master Chief beim Sprung deshalb nur um Zentimeter eine höhere Ebene verpasst, wirkt das für mich etwas unbeholfen und nicht mehr wirklich zeitgemäß – zumal auch das in neueren Halos bereits Standard war.
Die Bonusmissionen: Nett, aber kein Kaufgrund
Besonders gespannt war ich aber auf die drei neuen Bonusmissionen, immerhin sind die ja vermutlich das größte Argument für alle Halo-Veteranen, auch mal einen Blick auf das Remake zu werfen. Die Bonusmissionen spielen ein knappes Jahr vor der Hauptgeschichte, sind von Anfang an verfügbar und erzählen Operation Meteroite, in der der Master Chief und Sergeant Johnson ein mysteriöses Allianz-Raumschiff infiltrieren und dabei ein böses Geheimnis aufdecken.
Cool daran: Mit den Brutes taucht ein für Halo 1 neuer Gegnertyp auf, der im Hauptspiel nicht dabei ist und sich etwas anders verhält als die bekannten Fieslinge. Außerdem setzt man hier vermehrt auch die neu hinzugefügten Waffen aus späteren Halo-Teilen ein, etwa die Needle Rifle und die Battle Rifle, die sich gut in das Waffenarsenal einfügen. Und in der dritten Mission gibt es zum Abschluss sogar eine Weltraumschlacht mit einem Seraph-Schiff, die die Trailer ja schon angedeutet hatten.
Wirkliche Begeisterung haben die Bonus-Missionen bei mir allerdings nicht ausgelöst. Denn die drei Einsätze ziehen sich insgesamt zu lang hin und man hetzt oft durch ähnlich aussehende Gänge oder hängt in Arenakämpfen fest. Und so cool die Idee mit der Weltraumschlacht auch ist, so statisch und unspektakulär spielt sie sich.
Da die Bonusmissionen zudem wenig zu erzählen haben – eine direkte Verbindung zum Halo 1-Plot gibt es nicht – und mit den Ergänzungen aus den späteren Teilen als Prequel etwas deplatziert wirken, sind sie insgesamt eine nette Ergänzung, mehr aber auch nicht.
Koop und Schädel: Ein großer Spaß!
Ein Highlight ist hingegen nach wie vor der Koop-Modus, denn zusammen in den Kampf gegen die Allianz und die Flood zu ziehen, ist immer ein Garant für kuriose Situationen und feinsten Trash-Talk. In Campaign Evolved geht das jetzt erstmals sogar zu viert, sogar crossplattform – und das ist mal eine richtig tolle Ergänzung!
Ein Kampagnen-Durchgang dauert ungefähr 10 bis 12 Stunden, Wiederspielreiz gibt es aber genug. Denn in den Levels sind Lore-Terminals und Schädel versteckt, die ihr natürlich auch schon beim ersten Durchspielen finden könnt.
Die aufgesammelten Schädel schalten Gameplay-Modifikatoren frei, die bestimmte Parameter innerhalb des Spiels anpassen, etwa die Gegnerzähigkeit und die Physik bei Explosionen. Außerdem können darüber witzige Effekte wie ein Feuerwerk bei Alien-Kopfschüssen oder auch eine Schulterperspektive aktiviert werden.
Mit 42 Schädeln hat Campaign Evolved die höchste Anzahl in der bisherigen Halo-Geschichte und bis man alle gefunden und ausprobiert hat, dürfte einige Zeit vergehen. Nichtsdestotrotz muss man aber natürlich auch Bock haben, Level wieder und wieder zu spielen, um hier wirklich die größtmögliche Faszination rauszuziehen.
Ein ganz wichtiger Bestandteil fehlt
Apropos Faszination: Ein Grund, warum Halo mich und sicher auch viele andere damals so begeistert hat, war der Versus-Multiplayer-Modus. Der war insbesondere wegen der Fahrzeuge und der tollen Karten wie “Blood Gulch” ein echtes Erlebnis und auch wenn sich Halo-Mehrspieler-Modi über die Jahre weiterentwickelt haben, kann ich nicht wirklich nachvollziehen, warum die Halo Studios den Multiplayer für Campaign Evolved komplett rausgestrichen haben.
Die Gameplay-Anpassungen wie Sprint und Co. hätten den Multiplayer sicherlich auch im Remake zu einer launigen und kurzweiligen Gaudi gemacht. Mit dem Multiplayer fehlt aber leider ein elementarer Bestandteil des Halo-Pakets, trotzdem verlangt Microsoft 60 Euro dafür. Halo: Campaign Evolved ist damit unter dem Strich vielleicht die schönste Version von Halo 1 – aber nicht die kompletteste.
Wem ich das Remake empfehlen kann – und wem eher nicht – lest ihr in meinem Fazit auf der nächsten Seite. Außerdem findet ihr dort auch die Einschätzung von Koop-Kollege Chris.
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