Der Xbox Game Pass macht mir ein schlechtes Gewissen

Der Xbox Game Pass ist ein Traum für Spieler*innen, findet Dennis. Doch irgendwie beschleicht ihn ein schlechtes Gewissen.

von Dennis Michel,
28.11.2020 14:00 Uhr

Dennis plagt beim Game Pass das schlechte Gewissen. Dennis plagt beim Game Pass das schlechte Gewissen.

Während mich als alten Souls-Recken zum PS5-Launch in erster Linie Demon's Souls angesprochen hat, waren es auf der Xbox Series X gleich ein ganzes Dutzend an Games - dank Xbox Game Pass. Wie es Kollege Hannes in seiner Kolumne schon erwähnt hat, ist es bei einer neuen Konsole einfach eine ganz hervorragende Sache, mal eben durch einen riesigen Spielekatalog zu stöbern. Die Spiele nachzuholen, die schon lange auf dem Plan standen. Klar, der exklusive Next Gen-Titel, der auch ein wenig dieses Gefühl des Neuen repräsentiert, der hat ein klein wenig gefehlt. Aber Ersatz war wahrlich genug vorhanden.

Nachdem die Konsole eingerichtet war, wurden also erstmal schön The Touryst, CrossCode, Planet Coaster, Tetris Effect Connected, Forza Horizon 4, Ori and the Will of the Wisps und viele weitere Spiele heruntergeladen. Und was ich euch jetzt sage, mag ein wenig komisch klingen, doch nachdem ich die Festplatte mit weit über zehn Spielen gefüllt hatte, hatte ich ein richtig schlechtes Gewissen. Warum, das will ich euch eben erklären.

"Du bekommst doch eh alle Spiele kostenlos"

An dieser Stelle muss ich ein wenig ausholen. Als Gaming-Redakteur bekomme ich viele Keys zu relevanten Games vom Publisher selbst bzw. frage sie an. Das sind Spiele die ich teste, oder zu denen ich beruflich detailliert im Bilde sein muss. Nehmen wir mal ein The Last of Us Part 2 als Beispiel. Interessiert mich ein Spiel aber abseits der Arbeit, dann wird das ganz normal gekauft.

Das zum einen. Zum anderen bin ich kein großer Fan vom Verramschen von Spielen. Wenn ich ein Metal Gear Solid 5 für fünf Euro beim Händler auf dem Grabbeltisch sehe, dann denke ich mehr an die Arbeit, die ins Produkt geflossen ist, die 5 Euro aber wenig repräsentieren. Nichts gegen generelle Rabatte, das wäre auch sehr elitär und wirtschaftlich verblendet, aber zu welchen Preisen Kunst - ja, das sind Spiele - teilweise verscherbelt werden, da wird mir ganz mulmig.

The Touryst, meine erste Game Pass-Überraschung auf der Series X. The Touryst, meine erste Game Pass-Überraschung auf der Series X.

Das erst einmal zum grundlegenden Verständnis. Doch was hat das jetzt bitte mit dem Game Pass zu tun? Und ja, mein Denken ist hier tatsächlich großer Quatsch, wenn ich mir die Abläufe dahinter anschaue und auch, wie ich andere Medien konsumiere.

"Diese Doppelmoral. Du hast doch auch Netflix, Amazon Prime, Spotify und Co.!"

Zunächst einmal ist der Xbox Game Pass wie bei vielen von euch natürlich nicht mein einziger monatlicher Abo-Service. Filme und Serien werden via Netflix, Amazon Prime oder Disney Plus geschaut, Musik ist jederzeit auf Spotify abrufbereit und Hörbücher, die hole ich mir über Audible - und das, ohne auch nur eine Sekunde lang ein schlechtes Gewissen zu haben oder an die Schaffenden zu denken. Hier wirkt alles deutlich distanzierter und mein Kopf sagt mir "naja, die Künstler werden entsprechend entlohnt".

Und der springende Punkt ist, dass es beim Xbox Game Pass oder PS Now nicht anders ist. Wer hier seine Spiele für die Bibliothek freigibt, sei es ein großer Publisher wie EA oder ein kleiner Indie-Entwickler, der wird von Microsoft bzw. von Sony für sein Produkt (hoffentlich angemessen) entlohnt. Wie die Deals bei MS ablaufen, hat Xbox-Chef Phil Spencer erst diese Woche erklärt:

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Dennoch fühlt es sich für mich einfach komisch an für monatlich 13 Euro (Ultimate), also den Preis für einen kleinen Indietitel, hunderte Spiele herunterzuladen. Vielleicht liegt es daran, dass ich beim Thema Gaming viel mehr über das weiß, was hinter den Kulissen passiert. Weiß, wie viel Herzblut und Arbeit in die Entwicklung fließen, mit einigen Entwickler*innen über ihre Spiele gesprochen habe. Ich bin schlicht mehr involviert. Womöglich ist es aber auch ein einfacher Lernprozess, der mit der Zeit erst bei mir ankommen muss.

Filme und Serien konsumiere ich schon sehr lange über einen Abo-Service, der Game Pass ist hingegen noch vergleichsweise frisch. Habe ich früher über Wochen das Taschengeld für eine teure Retail-Box zusammengekratzt, bin erhobenen Hauptes und voller Vorfreude in die Spieleabteilung gelaufen, klick ich mich jetzt für fünf Sekunden durch das Dashboard der Xbox und das Spiel lädt auf die Festplatte.

Ein Spiel wie Planet Coaster hätte ich wohl ohne den Game Pass nicht für mich entdeckt. Ein Spiel wie Planet Coaster hätte ich wohl ohne den Game Pass nicht für mich entdeckt.

Eine tolle und neue Art des Spielens

Es ist komisch, allerdings für uns Spielende eine tolle Sache. Nicht nur haben mehr Menschen günstiger Zugang zu ihrem liebsten Hobby, auch können wir in die Spiele reinschnuppern, die wir sonst wahrscheinlich nicht beachtet hätten. Hier nochmal Tetris Effect Connected als Beispiel. Was ein Spaß! Hätte ich es mir ohne Game Pass gekauft? Eher nicht, Kollege Basti hätte schon noch einige Male über das Spiel schwärmen müssen.

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Mich würde hier wirklich eure Meinung interessieren. Seid ihr hier gedanklich von der Auffassung des Ganzen schon einen Schritt weiter oder geht es euch bei manch heruntergeladenem Spiel auch so?

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