John Romero - »Free2Play hat Hunderte AAA-Studios vernichtet«

In einem aktuellen Interview gab der id-Mitbegründer John Romero an, dass das Aufkommen des Free2Play-Modells für die Schließung »Hunderter« Entwickler traditioneller Titel verantwortlich sei. Besonders zum Leidwesen der Konsolen.

von Tobias Münster,
29.07.2014 20:40 Uhr

Id-Mitbegründer John Romero. Id-Mitbegründer John Romero.

In einem aktuellen Interview mit GameIndustry bringt der Branchenveteran und ehemalige id-Software-Designer John Romero die seiner Ansicht nach gravierenden Auswirkungen des Free2Play-Modells auf den Spielemarkt zum Ausdruck. Der relative neue Trend hätte zusammen mit »Steam-Spielen für 'nen Fünfer« dazu geführt, dass »Hunderte« Entwickler traditioneller Spiele (so genannter AAA- oder Triple-A-Titel) schließen mussten.

Laut Romero ginge diese Entwicklung besonders zulasten der Konsolen, auf denen sich das Free2Play-Modell bislang weniger verbreitet hat. Sie könnten in dem Preiskampf auf dem Spielemarkt nicht mehr mithalten:

»Auf dem PC gibt es Free2Play und Steam-Spiele für 'nen Fünfer. Allein durch die Preise dezimiert der PC die Konsolenplattform. Free2Play hat Hunderte AAA-Studios vernichtet.«

Romero zieht den Vergleich zu dem vor allem Anfang der 1990er-Jahre sehr verbreiteten Shareware-Modell, das auch in id-Klassikern wie Doom (1993) oder Quake (1996) zum Einsatz kam. Trotz Parallelen habe es sich dabei aber um eine »völlig andere Art« von Modell gehandelt, ein Spiel zu vermarkten.

»Wir haben die komplette erste Episode kostenlos angeboten. Die Vollversion konnte man spielen, wenn man uns Geld bezahlte. Nur wenn man es mochte und weiterspielen wollte, musste man uns bezahlen. Das hat sich für mich immer wie das ultimative gerechte [Modell] angefühlt. Da ging es nicht um Kleinstbeträge. Und das Spiel musste dafür in keiner Weise beschnitten werden.«

Obwohl das Free2Play-Modell oft in der Kritik steht, würde Romero aber auch dabei zwischen »gerechten« und »schmutzigen« Varianten unterschieden. Es sei also nicht von vornherein als schlecht anzusehen. Mit zunehmender Erfahrung würden Entwickler lernen, ihr Free2Play-System so anzupassen, dass es auch den Spielern entgegen kommt.

Worauf es bei einem »gerechten« Free2Play-Modell ankäme, beschreibt Romero wie folgt:

»Das ist etwas, voran hart gearbeitet wird. Die Leute verbringen viel Zeit damit, ihr [Free2Play-Modell] auf die richtige Weise gestalten zu wollen. Es kommt darauf an, dass Spieler ihnen Geld geben möchten - anstatt dazu gezwungen zu werden. Wenn man zum Bezahlen gezwungen ist, dann wurde etwas falsch gemacht. … Das ist der Heilige Gral für Spielentwickler.«

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