Xbox vs. PlayStation: Der Konsolenkrieg ist zurück - und ich glaube, er könnte uns allen helfen

Xbox wird wieder exklusiv, PlayStation verabschiedet sich (fast komplett) vom PC. Ein Rückschritt, der Sanel zwiegespalten zurücklässt.

Für Sanel braucht es den Sprung zurück zur Exklusivität. Für Sanel braucht es den Sprung zurück zur Exklusivität.

Als Microsoft 2001 den Konsolenmarkt betrat, mussten sie erst an Sony vorbei. Obwohl die PS2 bis heute als meistverkaufte Spielkonsole ungeschlagen bleibt, trieb die erste Xbox bereits Online-Gaming auf Konsole voran und revolutionierte mit Halo die Konsolen-Shooter. Nach dem ersten Aufeinandertreffen schenkten sich die beiden Riesen nichts. Könnte dieser Schlagabtausch wieder zur Norm werden? Die Marke Xbox soll nach Wunsch der Führungsriege jedenfalls wieder relevanter werden.

Microsofts Multiplattform-Strategie der letzten Jahre ging nicht auf. Das merkte auch Rivale Sony, der seine Spielveröffentlichungen zumindest kurzzeitig auf den PC-Markt ausweitete und jetzt wieder zurückfährt. Gaming wurde zwar offener und inklusiver – der Konkurrenzgedanke verschwand jedoch allmählich. Was also würde ein “neuer Konsolenkrieg” für uns bedeuten?

Xbox will zu alter Stärke finden

Mit Asha Sharma an der Xbox-Spitze wird Altes rigoros über Bord geworfen. Ob die Umstrukturierung reiner Aktionismus ist oder einen strategischen Mehrwert hat, das wird sich zeigen. Fakt ist: Die bisherige Strategie ist gescheitert. Plötzlich war “alles” eine Xbox, selbst Halo erschien auf PS5. Die eigene Konsole? Zunehmend überflüssiger.

Video starten 1:12:44 Xbox-Beben: Gaming steht vor einem radikalen Umbruch

Die neue Xbox-Chefin hat daher bereits vor den jüngsten Massenentlassungen und dem geplanten Reset von Xbox einiges umgekrempelt: ein erschwinglicheres „Game Pass Ultimate“-Abo, kein KI-Assistent für Xbox mehr und vor allem die radikale Rückkehr zur Exklusivität. Spiele wie Gears of War: E-Day und Clockwork Revolution wurden für die PS5 gestrichen, um die Xbox Series X/S wieder attraktiver zu machen.

Man will nicht mehr Konsolenhersteller und Multiplattform-Publisher sein. Microsoft bediente die PS5, weil dort mehr Leute spielen, sorgte aber genau dadurch dafür, dass niemand mehr eine Xbox braucht. Ein Teufelskreis, den man nun verlässt. Und das kommt in der Gaming-Community gut an, allen voran bei Xbox-Spielern. Aber auch als PlayStation-Kind freue ich mich darüber.

Warum wünscht man sich den Konsolen-Wettstreit zurück?

Ein Grund ist der fehlende Konkurrenzdruck. Nintendo fischt mit seiner hybriden Konsole in den eigenen Gewässern. Über Jahrzehnte hat man sich sein Publikum aufgebaut, das sich auf Marken wie Super Mario, Pokémon und Co. freut. Third-Party-Spiele oder die beste Performance sind dort dagegen zweitrangig. Deswegen kann Nintendo auch heute noch ein Super Mario Odyssey zum Vollpreis verkaufen.

Ohne eine starke Xbox Series kann Sony mit der PS5 seine Dominanz auf dem Konsolenmarkt spürbar ausnutzen. Zubehör wie den Standfuß muss man inzwischen separat kaufen. Auch der Preis von PlayStation Plus ging im Gegensatz zum Game Pass bisher nur hoch, ohne ein so umfassendes Angebot mit Day-One-Veröffentlichungen zu bieten. Sony verfolgt seine eigene Strategie und braucht beim Preis nicht klein beigeben. 

Regionale Preisanpassungen? Nein. Rückerstattungen? Extrem restriktiv. Cloud-Speicherstände? Nicht umsonst. Gleiches gilt für die kostenpflichtigen Upgrades meiner alten Spiele. Während die Xbox dank Smart Delivery die beste Version gratis liefert, zahle ich auf der PS5 und Switch 2 für hauseigene Spiele einen Aufpreis. Oder auch ganz aktuell: Sony schafft ab 2028 die Spiele-Disc ab, obwohl man 2013 genau mit diesem Verleih-Vorteil die Xbox One im Konsolenkrieg blamierte.

Vielleicht ist es nur meine rosarote Brille, aber früher gab es mehr Wow-Momente.

Als die PS3 zu spät und zu teuer erschien, war Sony in der Bringschuld: Man konterte mit kostenlosem Onlinespielen und frischen Marken wie Uncharted, InFamous oder LittleBigPlanet. Investitionen, die vielleicht nicht so groß gewesen wären, hätte der extreme Druck gefehlt. Aus der Not heraus erfand Sony auch die “gratis” Spiele für PS-Plus-Besitzer, seinerzeit bis zu sechs Games pro Monat. Diese kundenfreundlichen Entscheidungen fand ich super auf der PS3. Und genau diesen Weg muss Microsoft mit seiner Konsole einschlagen.

Konkurrenz belebt das Geschäft, aber …

Sony braucht in meinen Augen wieder einen starken Rivalen mit starken eigenen Spielen. Exklusivtitel kitzeln das Maximum aus einer Konsole heraus, punkten oft mit hoher Qualität und sind ein wichtiger Kaufgrund für eine Konsole. Wenn sich zwei Giganten um die Gunst der Spieler streiten, führt das in meinen Augen zu mehr Qualität und Innovation, besseren Angeboten und kreativem Risiko. Insbesondere Letzteres vermisse ich diese Konsolengeneration sehr.

Doch ein Wettstreit zersplittert den Markt auch wieder. Spieler verlieren die Freiheit zu wählen, wo sie spielen wollen, und müssen stattdessen mehrere Konsolen besitzen – Geräte, die in Relation längst nicht mehr so günstig sind. Die Verhältnisse haben sich geändert.

Sanel Rihic
Sanel Rihic

Über den Autor: Sanel feiert zwar Exklusivspiele, ist aber froh, wenn er nicht jede Konsole besitzen muss, um seine liebsten Games zu zocken. Kingdom Hearts löst selbst heute noch Angstschweiß bei ihm aus, denn die Reihe verteilte sich auf eine Handvoll Plattformen. Uff!

Der KI-Boom treibt die Preise in die Höhe, Videospielkönige wie Fortnite und Roblox haben den Markt komplett verändert. Kein Wunder, dass Sony so viele Live-Service-Kugeln verschießt – solange eine trifft. Aber auch negative Trends aus der Vergangenheit könnten wieder mehr zur Routine werden.

Ich empfinde aggressive Exklusivdeals schon seit jeher als Pest. Ich denke an die zeitexklusiven GTA 4-DLCs für die Xbox 360 zurück. Oder Sonys jahrelange Call of Duty-Deals, die Spieler auf anderen Plattformen von Betas und Inhalten ausschlossen.

Mehr Wettstreit, weniger Streit

Die aktuelle Konsolengeneration knallt noch nicht so richtig – sind wir uns da einig? Zumal die nächste Konsolengeneration mutmaßlich bereits für 2028 geplant ist. Den Wunsch nach dem alten Wettbewerbs-Spirit kann ich daher absolut nachvollziehen.

Der plötzliche Strategiewechsel birgt nun eine große Hürde: Die Xbox Series läuft zu schlecht, um jetzt noch auf Exklusivität zu setzen. Die Aufholjagd schafft Microsoft nicht mehr – anders als Sony einst mit der PS3. Ein neues Gears of War ist kein Konsolen-Retter mehr. Aber ich vermute mal, das Ziel ist es, das Fundament für die Xbox Helix zu legen. Microsoft muss unbedingt wieder Hit-Spiele rausbringen, die Spieler auf der Xbox spielen wollen. Dafür muss Microsoft aber auch an Studios festhalten, statt sie zu schließen – das sieht mit dem großen Xbox Reset zunehmend schlechter aus:

Die Videospiel-Industrie ist aktuell unberechenbar und steht auf unsicheren Beinen. Bei den horrenden Preisen, langen Entwicklungszeiten und Trendverschiebungen sieht sich die AAA-Industrie mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Ein Konsolenkrieg wie damals wird den Konsolenherstellern kaum aus der Krise helfen. Eine Krise, die Woche für Woche für neue Schlagzeilen sorgt.

Trotzdem: Es braucht den Sprung zurück zur Exklusivität. Exklusivspiele bleiben der Hebel für Konsolenverkäufe und kurbeln den Wettbewerb an – und daraus schöpfe ich meine ganze Hoffnung. Was Industriestandard geworden ist, könnte sich vielleicht verbessern: Statt Remakes, formelhafter Fortsetzungen und scheiternder Live-Service-Projekte wünsche ich mir mehr gewagte Spielkonzepte. Ich hoffe auf die positiven Eigenschaften des Konsolenkriegs, ganz ohne der Konkurrenz Steine in den Weg zu legen – das sorgt nur für Frust in der Gaming-Community.

Ein gesunder Wettbewerb zwingt Sony und Microsoft, sich ständig zu verbessern und uns wieder von ihrer Plattform zu überzeugen. Und genau dieses Gefühl muss endlich wieder spürbar werden.

Glaubt ihr, Xbox kann wieder eine echte Konkurrenz für die PlayStation werden?


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