Might & Magic: Clash of Heroes im Test - Puzzle Quest kann einpacken

Schon auf dem DS eine kleine Perle, setzt Might & Magic: Clash of Heroes nun auch auf XBLA und PSN zur Eroberung an. Ob das ebenso gut klappt, wie beim kleinen Handheld-Bruder, lest ihr in unserem Test.

von Patrick Mittler,
14.04.2011 14:15 Uhr

Die schick leuchtenden Formationen werden bald Richtung Feind marschieren.Die schick leuchtenden Formationen werden bald Richtung Feind marschieren.

Jeder, der schon einmal Puzzle Quest gespielt hat, kennt diesen unwiderstehlichen Suchtfaktor, den eine solche Genremischung aus RPG und Puzzlespiel bietet. Might & Magic: Clash of Heroes funktioniert genau so, nur eben, dass sein Spielprinzip kein reiner Bejeweled-Kon ist, sondern eine gänzlich frische Mechanik bietet. Und was für eine! Aber schön der Reihe nach. Schauplatz ist das Fantasy-Reich Ashan, eine ziemlich klischeehafte Landschaft aufgeteilt zwischen Elfen, Menschen, Zauberern, Dämonen und Untoten. Klarerweise liegen sich die üblichen Fraktionen in den Haaren, im Hintergrund zieht zudem ein größeres Übel die Fäden und sät Zwietracht zwischen verbündeten Völkern. Im Laufe der zweckdienlichen Geschichte übernimmt man nacheinander Armeen der fünf Rassen und es ist im Grunde genommen Nebensache, warum eigentlich. Auf einer Übersichtskarte läuft man Might & Magic-typisch mit seiner Armee umher, kauft neue Einheiten, findet Schätze und stürzt sich in Hauptquests und Nebenaufgaben und levelt sich und seine Armee durch gewonnene Kämpfe auf. So weit, so RPG.

Might & Magic-typisch reist man auch in der Oberwelt von Feld zu Feld.Might & Magic-typisch reist man auch in der Oberwelt von Feld zu Feld.

Kommt es zum Kampf, herrschen grundsätzlich auch Rollenspiel-Verhältnisse. Jede typische Fantasy-Einheit hat Stärken und Schwächen. Manche greifen schneller, aber schwächer an, andere ignorieren Wälle, wieder andere heilen den eigenen Hauptmann oder sind stärker gepanzert. Der eigene Hauptmann trägt Items, die taktische Vorteile wie Einheitenverbesserungen bieten und hat jeweils einen mächtigen Zauberspruch auf Lager. Der Clou an der Sache: Die Kämpfe laufen als rundenbasiertes Puzzlespiel ab, quasi als eine Art Kampfschach. Und das Prinzip dahinter ist einerseits kompliziert zu erklären, andererseits am Controller intuitiv zu lernen und hat doch einiges an taktischer Tiefe zu bieten. Nur so viel: Das Spielfeld ist zweigeteilt. Von unten purzelt die eigene, von oben die feindliche Armee völlig ungeordnet auf den Kampfplatz. Ziel ist es, das bunte durcheinander an Einheiten zu ordnen, so das sich gleichfarbige Dreierreihen ergeben. Dazu hat man drei Züge, dann ist der Gegner an der Reihe. Klar ist ein wenig Glück dabei, aber dank der Rundenbegrenzung hat man wirklich das Gefühl, dass man eine Armee aufstellt und wie ein Fantasystratege auf die Aktionen des Gegners reagiert. So bildet man Angriffsformationen (vertikal), die gegen den Feind marschieren, im besten Fall bis zum Spielfeldrand durchdringen und die Lebensenergie des Feindgenerals dezimieren. Oder eben Mauern (vertikal), die Angriffe abblocken. Jede der vielen Einheiten hat besondere Stärke- und Verteidigungswerte, jede Armee hat limitierte Elite-Einheiten, die nochmal nützliche Spezialangriffe draufhaben (ein Beispiel: der Elfenelch überspringt praktischerweise feindliche Mauern) und noch einen individuellen Zauberspruch (die Elfen schicken etwa einen Pfeilregen über das feindliche Feld). All die kleinen taktischen Finessen muss man nutzen, aber schlussendlich gewinnt derjenige, der schnell, effizient und taktisch geschickt puzzelt. Denn wer geschickt ordnet bekommt Extrazüge oder Angriffsboni. Jeder Zug sollte wohlüberlegt sein, dennoch spielen sich die Scharmützel angenehm flott, schließlich ist das Spielfeld mit 8x12 Feldern nicht überbordend groß.

Bossfight: Dämon Azexes schleudert dicke Feuerbälle und hat mächtig viel HP.Bossfight: Dämon Azexes schleudert dicke Feuerbälle und hat mächtig viel HP.

Die Kämpfe werden schon deshalb nie langweilig, weil man sich auf jeden Gegner und seine Einheitenpalette neue einstellen muss und man nach jedem Kampf Belohnungen bekommt, etwa Rohstoffe zum Kämpferkauf, nützliche Gegenstände, Erfahrungspunkte oder neue Einheiten. Aber abseits davon gibt es in Clash of Heroes auch besondere Herausforderungen, beispielsweise wenn man Schilde in einer bestimmten Reihenfolge treffen muss, um in eine Rebellen-Taverne zu kommen. Oder spezielle Rätselkämpfe, die man in nur einem Zug gewinnen muss. Highlight sind die knackigen Bosskämpfe, in denen ein besonders dicker Brocken mit entsprechend dicken Attacken und dickem Lebensbalken auf eine Abreibung warten. Diese Gefechte sind intensiv bis an die Grenze der Unfairness. Oft reicht schon eine missglückte zufällige Anfangsaufstellung um den Anspruch in ungeahnte Höhen zu treiten. Geschickte Taktiker oder DS-Veteranen stört das aber wenig, schließlich sind große Herausforderungen da, um geschafft zu werden. Und das will man auch, denn danach wartet meist eine neue Rasse auf euer Kommando. »Dem Spieler immer eine Karotte vor die Nase halten«: Diese RPG-Grundregel sorgt neben dem brillanten Puzzlekämpfen für Dauermotivation. Und das für über 30 Stunden, was für ein Downloadspiel beinah epische Ausmaße sind.

Charaktere und Landschaften wurden kräftig aufpoliert.Charaktere und Landschaften wurden kräftig aufpoliert.

Klarerweise unterscheidet sich die Downloadversion vom DS-Original. Die Optik ist deutlich hübscher, mit fein gezeichneten Charakteren und Kämpfern, besseren Effekten, stimmiger Musikuntermalung, aber nur kleinen Eingriffen in das eigentliche Spielprinzip. So wurde nur hier und da an der Balance geschraubt. Man darf nur mehr zwei mächtige Spezialeinheiten in die Armee stecken, die Einheiten haben leicht veränderte Fähigkeiten und auch die Kräfte der Armeeführer wurden überarbeitet. So hat Menschenritter Godric keine rein defensive Schutzmauer mehr, der Wall schießt nun auch Energiebälle Richtung Feind. Wer Clash of Heroes schon am DS geliebt hat, kann bedenkenlos noch einmal zugreifen, denn neben der klasse Optik gibt es klarerweise auch einen komfortableren Mehrspieler-Modus. Die taktischen Kämpfe sind schließlich wie geschaffen dafür, dass man sich mit menschlichen Kontrahenten misst. On- und Offline gibt’s nicht nur den obligatorischen Kampf »Einer gegen Einen«, sondern auch den neuen »Zwei gegen Zwei«-Modus, in dem man mit einem Kumpel zu Felde zieht. Da ist gute Kommunikation gefragt. Lange Rede kurzer Sinn: Kauft euch das Ding!

Might & Magic: Clash of Heroes

Preis:

ca. 15 Euro (1200 Punkte, XBLA), 14,99 Euro (PSN)

Spieler:

1 bis 4

HD optimiert:

ja

Speicherplatz:

1,44 GB

Entwickler:

Capybaragames

Hersteller:

Ubisoft

USK:

ab 6 Jahren

Wertung:

90 %


Kommentare(11)

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