Monster Harvest im Test - Stardew Valley und Pokémon passen nicht zusammen

Monster Harvest verspricht uns eine Mischung aus Stardew Valley und Pokémon: Wir schauen, ob es dieses Versprechen hält.

von Lukas Elstermann,
01.09.2021 17:00 Uhr

In Monster Harvest züchtet ihr nicht nur Gemüse, sondern auch Monster! In Monster Harvest züchtet ihr nicht nur Gemüse, sondern auch Monster!

Auf dem Weg nach Vertania City! Aber halt, warum denn eigentlich? Warum kann Ash nicht einfach an einem Ort bleiben, die Latzhose überstreifen und mit Pikachu und Co. eine gemütliche Farm gründen? Wozu der "Allerbeste sein", wenn man stattdessen auch Kartoffeln anbauen kann?

Monster Harvest ist eine Farmsimulation, in der ihr neben Radieschen auch Monster pflanzt und diese im Kampf einsetzt. Monster Harvest verspricht also eine Mischung aus Stardew Valley und Pokémon - wir schauen, ob es dieses Versprechen hält.

Monster Harvest: Worum geht's hier?

Monster Harvest beginnt wie jede gute Geschichte: Mit einem hüpfendem Schleim, der Kartoffeln in kleine Monster verwandelt! Okay, der Reihe nach. Euer Onkel, der Naturforscher Professor Spark, hat eine sensationelle Entdeckung gemacht: einen seltsamen Schleim, aus dem er Energie gewinnt und der noch viele weitere rätselhafte Anwendungsmöglichkeiten hat.

Eine ganze Stadt ist um sein Labor herum entstanden, das beschauliche Pflanzheim, dessen Alltag sich ganz um den Schleim dreht. Da der Professor mit seiner Entdeckung viel zu beschäftigt für Gartenarbeiten ist, liegt es an euch, seine Farm wieder auf Vordermann zu bringen. Er lädt euch nach Pflanzheim ein und gibt euch die Farm zum Austoben.

Eine beschauliche Stadt und eine Farm, die auf Vordermann gebracht werden muss - Optik und Gameplay erinnern stark an Stardew Valley. Eine beschauliche Stadt und eine Farm, die auf Vordermann gebracht werden muss - Optik und Gameplay erinnern stark an Stardew Valley.

Die Früchte in Nachbars Garten …

Klingt vertraut? Kein Wunder, denn Monster Harvest hat sich eine Menge von Stardew Valley abgeschaut. Nicht nur die Story ist ähnlich, auch Grafik und Gameplay sind beinahe 1:1 vom Vorbild übernommen worden. Ihr fällt Bäume, bestellt Felder, pflanzt und bewässert, erntet und verkauft - und dann alles wieder von vorn. Auch in Monster Harvest wird eure Figur wie in Stardew Valley müde und muss am Ende eines Tages ausruhen.

Die Spielmechanik ist aber immerhin "gut geklaut". Gegenstände auswählen, Gießkannen befüllen, Baumstümpfe ausgraben, das alles funktioniert genauso gut wie bei Stardew Valley. Man mag dem Entwickler also eine gewisse Dreistigkeit vorwerfen, Fans des Vorbildes dürften sich hier aber dennoch sofort zurechtfinden und wohlfühlen.

Besser gut geklaut als schlecht neu gedacht

Optisch orientiert sich Monster Harvest zwar ebenfalls stark an Stardew Valley, ist dabei aber keineswegs nur seelenlose Kopie. Die bunte Pixelgrafik mit ihren vielen liebevollen Details hat durchaus ihren Charme. Wenn sich die Wolken im Wasser spiegeln und die Laternen abends flackern, kann man dem Spiel eine gewisse Atmosphäre nicht absprechen. In dieser gelungenen Mischung aus 2D-Modellen und 3D-Spielwelt, die an Paper Mario oder A Link Between Worlds erinnert, bewegt man sich wirklich gern durch Pflanzheim und Umgebung.

In Monster Harvest züchtet ihr eure Monster selbst - Mutanko ist euer erstes Pflanztier, eine Kartoffel. In Monster Harvest züchtet ihr eure Monster selbst - Mutanko ist euer erstes Pflanztier, eine Kartoffel.

Radieschen-Monster, ich wähle dich!

Der Twist dabei: Ihr züchtet nicht nur Gemüse, sondern auch Monster! Der Schleim, den euer quirliger Onkel so leidenschaftlich erforscht, verwandelt eure Pflanzen nämlich in kleine Kreaturen, sogenannte Pflanztiere, die euch begleiten und vor Gefahren beschützen. Aus einer Kartoffel entsteht beispielsweise ein Mutanko, eine kleine Alraune, die ihre Gegner mit Bissen und Schlägen attackiert.

Mithilfe eures Pflanztieres wagt ihr euch nun in Dungeons - dort gibt es seltene Materialien und weitere Pflanztiere, gegen die ihr kämpft und so euer eigenes Monster trainiert. Aus verschiedenen Pflanzen entstehen verschiedene Monster. Träufelt den Schleim also ganz nach Belieben auf euer Grünzeug, bewässert fleißig und schaut am nächsten Tag, welches Geschöpf dort aus der Erde sprießt.

Seelenlose Monster-Action: Die Monster und Kämpfe in Monster Harvest sind lieblos gestaltet. Seelenlose Monster-Action: Die Monster und Kämpfe in Monster Harvest sind lieblos gestaltet.

Eher nichts für Pokémon-Fans

Die rundenbasierten Monsterkämpfe sind dem großen Vorbild Pokémon nachempfunden. Hier zeigt sich die Schwäche von Monster Harvest. Die Pflanztiere sind generische Monster ohne Persönlichkeit. Auch die Kämpfe sind stumpfsinnig und lieblos inszeniert. Wenn schon klauen, dann bitte gleich richtig, denn den Monstern von Monster Harvest fehlt es an Charme und taktischen Möglichkeiten.

Schade, denn das Züchten der eigenen Monster macht wirklich Spaß. Es motiviert, mit verschiedenen Pflanzen und Schleimen zu experimentieren, um dann mit der eigenen Möhre in den Kampf zu ziehen. Allerdings ist auch die Beziehung zwischen euch und eurem Pflanztier viel herzloser als zwischen Trainer und Pokémon. Die Pflanztiere sterben leicht und werden anschließend einfach erneut gezüchtet. Sie sind also keine treuen Begleiter, sondern, nunja, sagen wir mal "leicht zu ersetzen". Dadurch kommt nie echter Stolz auf, wenn euer Pflanztier ein neues Level erreicht. Das Herz der Pokémon-Spiele, die freundschaftliche Beziehung zwischen Mensch und Monster, sucht man hier vergebens.

Yoda? Die deutschen Texte kommen teilweise aus der Übersetzungssoftware und sind ein Beispiel für den fehlenden Feinschliff. Yoda? Die deutschen Texte kommen teilweise aus der Übersetzungssoftware und sind ein Beispiel für den fehlenden Feinschliff.

Da müsst ihr nochmal ran ...

Monster Harvest fehlt der Feinschliff. Es klingt metallisch, wenn eure Axt auf Holz trifft. Das Ablegen von Gegenständen ist komplizierter als es sein müsste. Es ist oft unklar, welches Objekt im Menü ausgewählt ist. Das Wortspiel "Planimal", das im Englischen ganz gut funktioniert, wurde in das blutleere "Pflanztier" übertragen. All diese kleinen Schönheitsfehler sorgen dafür, dass sich die Spielwelt insgesamt unfertig anfühlt und man sich in Pflanzheim nie so wohlfühlt wie in Stardew Valley oder auf einer Animal Crossing-Insel.

Die deutschen Texte sind außerdem katastrophal. Im besten Fall sind sie fehlerfrei, aber staubtrocken, im schlimmsten Fall sind sie lachhaft und entstammen offensichtlich einer Übersetzungssoftware. So empfängt euch Professor Spark vor eurem ersten Dungeon mit der eher unüblichen Begrüßung: "Leider, Kerker-Block jetzt."

In den Zelda-artigen Dungeons findet ihr Materialien und andere Monster, gegen die ihr kämpfen könnt. In den Zelda-artigen Dungeons findet ihr Materialien und andere Monster, gegen die ihr kämpfen könnt.

The Worst of Both Worlds

Oberflächlich betrachtet liefert Monster Harvest, was es verspricht. Die Farmsimulation wird dabei frech, aber immerhin gut abgekupfert und sollte allen Spieler*innen auf der Suche nach "mehr Stardew Valley" sofort gefallen. Das Monsterzüchten ist ein simpler Spaß und willkommene Abwechslung im Farmalltag. Doch vieles stört: die generischen Monster, die lieblos inszenierten Kämpfe, der fehlende Feinschliff. Monster Harvest wirkt unausgereift und ist als Mischung aus Stardew Valley und Pokémon letztlich eine schwächere Version beider Spiele.

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