Playmobil baut in Bayern Giga-Rechenzentrum – klaut damit Claude-Entwicklern den Strom und legt Anthropic-Rechenzentrum vorerst auf Eis

Playmobil baut sein Stammwerk in Dietenhofen zum Rechenzentrum um – weshalb jetzt ein Anthropic-Projekt im Nachbarort auf Eis liegt.

Das frühere Playmobil-Stammwerk in Dietenhofen: Statt Figuren sollen hier künftig Server laufen. (Bildquelle: Horst Brandstätter Group) Das frühere Playmobil-Stammwerk in Dietenhofen: Statt Figuren sollen hier künftig Server laufen. (Bildquelle: Horst Brandstätter Group)

Rechenzentren brauchen vor allem eines: Strom, und das verdammt viel davon. In Mittelfranken zeigt sich das aktuell an zwei benachbarten Projekten.

  • Das eine plant die Horst Brandstätter Group, der Mutterkonzern der Spielzeugmarke Playmobil auf dem Gelände des inzwischen geschlossenen Stammwerks in Dietenhofen.
  • Nummer zwei war von Claude-Entwickler Anthropic angedacht, der zusammen mit der Gemeinde Neuhof an der Zenn für Hirschneuses solche Baupläne vorgelegt hatte.

Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, hat der dortige Netzbetreiber N-ERGIE den verfügbaren Strom vorerst dem Playmobil-Mutterunternehmen zugeteilt. Für Hirschneuses steht eine Netzanschlusszusage deshalb aus.

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Vom Spielzeugwerk zum Strompfad

Die Playmobil-Produktion in Dietenhofen endete im Juni 2026. 350 Mitarbeiter*innen verloren ihre Jobs; die Figuren entstehen aus Kostengründen künftig nur noch im Ausland.

Das 18 Hektar große Areal soll im Zuge der Umstruktierung auf eine "Playmobil digital"-Strategie nun für ein Rechenzentrum herhalten. Dafür plant der Konzern über die nächsten Jahre einen dreistelligen Millionenbetrag ein.

  • Der erste Ausbauschritt ist auf 100 Megawatt Leistung ausgelegt – wobei hier noch Luft nach oben gelassen wird.
  • Das hängt auch von der Nachfrage ab; die Plätze sollen sowohl für internationale Betreiber als auch regionale Firmen freigegeben werden.
  • Brandstätter-Vorstand Matthias Fauser traut Dietenhofen angesichts der Pläne zu, ein wichtiger deutscher Standort für KI und digitale Souveränität zu werden.

Neuhof muss warten – N-ERGIE schweigt

Im selben BR-Bericht wird auch das zweite fränkische Rechenzentren-Projekt angesprochen – schließlich hat das nun zumindest vorerst das Nachsehen.

Wie Neuhofs Bürgermeisterin Claudia Wust (CSU/FB) gegenüber dem Bayerischen Rundfunk bestätigte, sollte zusammen mit Anthropic ein Rechenzentrum im nur wenige Kilometer entfernten Hirschneuses entstehen; die Nürnberger Nachrichten sprechen in diesem Zusammenhang von einem vier Milliarden Euro schweren Projekt.

  • Da N-ERGIE die freien Leitungen aber bereits dem erwähnten Playmobil-Projekt zugeteilt hat, lasse sich in Hirschneuses gerade nicht verlässlich planen, womit das Vorhaben nun auf unbestimmte Zeit auf Eis liegt.
  • Der Netzbetreiber selbst erklärte auf Anfrage des BR, sich zu einzelnen Vorhaben prinzipiell nicht zu äußern. Anschlussanfragen folgten den gesetzlichen Regeln; zudem dürfe die allgemeine Versorgungssicherheit nicht leiden.

Eine Bestätigung lässt sich N-ERGIE dann aber doch entlocken, nämlich die der Größenordnung: Die vorliegenden Anfragen in Netzgebiet würden etwa doppelt so viel Leistung beanspruchen, die wie die Stadt Nürnberg für gewöhnlich brauchht.

Die Horst Brandstätter Group antwortete beim BR indes auf die Vorwürfe, Anthropic den Weg zu verbauen: Ein Campus für viele Partner "versperrt niemandem den Weg, er öffnet ihn", so das Unternehmen. Gegen Konkurrenzprojekte würde man nicht vorgehen.


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