Rechenzentren brauchen vor allem eines: Strom, und das verdammt viel davon. In Mittelfranken zeigt sich das aktuell an zwei benachbarten Projekten.
- Das eine plant die Horst Brandstätter Group, der Mutterkonzern der Spielzeugmarke Playmobil auf dem Gelände des inzwischen geschlossenen Stammwerks in Dietenhofen.
- Nummer zwei war von Claude-Entwickler Anthropic angedacht, der zusammen mit der Gemeinde Neuhof an der Zenn für Hirschneuses solche Baupläne vorgelegt hatte.
Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, hat der dortige Netzbetreiber N-ERGIE den verfügbaren Strom vorerst dem Playmobil-Mutterunternehmen zugeteilt. Für Hirschneuses steht eine Netzanschlusszusage deshalb aus.
0:30
Playmobil lässt euch jetzt 198 Bundesliga-Kicker sammeln - Trailer zur Kollektion
Vom Spielzeugwerk zum Strompfad
Die Playmobil-Produktion in Dietenhofen endete im Juni 2026. 350 Mitarbeiter*innen verloren ihre Jobs; die Figuren entstehen aus Kostengründen künftig nur noch im Ausland.
Das 18 Hektar große Areal soll im Zuge der Umstruktierung auf eine "Playmobil digital"-Strategie nun für ein Rechenzentrum herhalten. Dafür plant der Konzern über die nächsten Jahre einen dreistelligen Millionenbetrag ein.
- Der erste Ausbauschritt ist auf 100 Megawatt Leistung ausgelegt – wobei hier noch Luft nach oben gelassen wird.
- Das hängt auch von der Nachfrage ab; die Plätze sollen sowohl für internationale Betreiber als auch regionale Firmen freigegeben werden.
- Brandstätter-Vorstand Matthias Fauser traut Dietenhofen angesichts der Pläne zu, ein wichtiger deutscher Standort für KI und digitale Souveränität zu werden.
Neuhof muss warten – N-ERGIE schweigt
Im selben BR-Bericht wird auch das zweite fränkische Rechenzentren-Projekt angesprochen – schließlich hat das nun zumindest vorerst das Nachsehen.
Wie Neuhofs Bürgermeisterin Claudia Wust (CSU/FB) gegenüber dem Bayerischen Rundfunk bestätigte, sollte zusammen mit Anthropic ein Rechenzentrum im nur wenige Kilometer entfernten Hirschneuses entstehen; die Nürnberger Nachrichten sprechen in diesem Zusammenhang von einem vier Milliarden Euro schweren Projekt.
- Da N-ERGIE die freien Leitungen aber bereits dem erwähnten Playmobil-Projekt zugeteilt hat, lasse sich in Hirschneuses gerade nicht verlässlich planen, womit das Vorhaben nun auf unbestimmte Zeit auf Eis liegt.
- Der Netzbetreiber selbst erklärte auf Anfrage des BR, sich zu einzelnen Vorhaben prinzipiell nicht zu äußern. Anschlussanfragen folgten den gesetzlichen Regeln; zudem dürfe die allgemeine Versorgungssicherheit nicht leiden.
Eine Bestätigung lässt sich N-ERGIE dann aber doch entlocken, nämlich die der Größenordnung: Die vorliegenden Anfragen in Netzgebiet würden etwa doppelt so viel Leistung beanspruchen, die wie die Stadt Nürnberg für gewöhnlich brauchht.
Die Horst Brandstätter Group antwortete beim BR indes auf die Vorwürfe, Anthropic den Weg zu verbauen: Ein Campus für viele Partner "versperrt niemandem den Weg, er öffnet ihn", so das Unternehmen. Gegen Konkurrenzprojekte würde man nicht vorgehen.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.