Internet aus der Steckdose: Wie gut eignet sich Powerline für PS5- & Xbox-Besitzer?

Hersteller von Powerline-Adaptern werben mit schnellem Netz direkt aus der Steckdose. Wir erklären, für wen sich der Kauf lohnen könnte und welche Internetprobleme sich damit nicht lösen lassen.

von Leon Marlon Klein,
07.02.2021 14:00 Uhr

Internetprobleme sind unter Gamern keine Seltenheit. Schaffen Powerline-Adapter Abhilfe? Internetprobleme sind unter Gamern keine Seltenheit. Schaffen Powerline-Adapter Abhilfe?

Unabhängig davon, ob ihr gerade euer nächstes Spiel herunterladet, euch in einer nervenaufreibenden Multiplayer-Session befindet oder eben jene durch ein Update hinausgezögert wird - wenn das Internet nicht mitspielt, ist Frust vorprogrammiert. Viele Hersteller von Netzwerk-Hardware setzen bei diesem Problem an und stellen euch mögliche Lösungen dafür in Aussicht, die nicht selten in Form von hauseigenen Produkten daherkommen.

Powerline-Adapter klingen in diesem Zusammenhang zunächst einmal sehr attraktiv, da sie den Datenverkehr bequem über die bereits vorhandenen Stromleitungen in eurem Zuhause abwickeln. Manche Modelle können obendrein sogar ein WLAN-Signal bereitstellen und dadurch auch Bereiche mit Netz versorgen, die euer Router allein vielleicht nicht zur vollsten Zufriedenheit abdecken kann.

Die buchstäbliche Preisfrage ist jedoch, ob bzw. inwiefern euer individuelles Heimnetzwerk sowie eure Spielerfahrung überhaupt von der Powerline-Technik profitieren würden. Das hängt nämlich allem voran von den notwendigen Rahmenbedingungen und euren Bedürfnissen ab.

Wie funktioniert Powerline?

Das Grundprinzip ist denkbar simpel. Damit die Datenübertragung funktioniert, braucht ihr ein Set bestehend aus mindestens zwei Powerline-Adaptern. Einer davon wandert in eine Steckdose in der Nähe eures Routers und wird anschließend via LAN-Kabel mit diesem verbunden. Je nachdem wie viele Adapter ihr jetzt noch übrig habt, platziert ihr diese in anderen Zimmern, wo ihr eine Internetanbindung benötigt.

Powerline-Adapter senden Daten über das Stromnetz. (Bildquelle: AVM) Powerline-Adapter senden Daten über das Stromnetz. (Bildquelle: AVM)

Empfangsgeräte wie eure Konsolen werden dann, abhängig davon, ob eure Powerline-Adapter WLAN-Unterstützung bieten, entweder drahtlos oder via LAN-Kabel mit dem Netzwerk verbunden. Achtet allerdings darauf, dass eine WLAN-Verbindung zwischen Adapter und Konsole ggf. euren Ping sowie die Bandbreite negativ beeinflussen kann - später mehr dazu.

Powerline ist kein Allheilmittel

Vor dem Kauf neuer Netzwerk-Hardware legen wir euch generell erst einmal ans Herz, herauszufinden, ob diese überhaupt die Ursache eurer Internetprobleme bekämpft. Sofern sich der Flaschenhals beispielsweise außerhalb eures Heimnetzwerks befindet, wird euch wahrscheinlich auch die beste Hardware nicht oder nur sehr bedingt weiterhelfen. Darüber hinaus können sich selbst innerhalb eures Heimnetzwerks Faktoren auf dessen Leistung auswirken, die ihr vielleicht gar nicht auf dem Schirm habt.

Internetproblemfelder von Spieler*innen

Die zwei größten Internetprobleme von Spieler*innen ergeben sich meistens aus schlechter Latenz oder zu wenig Bandbreite. Während sich erstere vor allem in Form von Eingabeverzögerungen im Multiplayer bemerkbar macht, spiegelt sich letztere hauptsächlich in langsamen Downloads wider.

Falls sich allerdings mehrere Geräte gleichzeitig in eurem Netzwerk befinden, kann dies auch zu Verzögerungen bei Online-Spielen führen, wenn entweder die maximale Bandbreite eurer generellen Internetleitung oder in selteneren Fällen auch die eurer Hardware ausgelastet wird.

Nur die neueren Sony-Konsolen unterstützen das 5-Gigahertz-Band. Besitzer der ersten PS4 schauen in die Röhre. Nur die neueren Sony-Konsolen unterstützen das 5-Gigahertz-Band. Besitzer der ersten PS4 schauen in die Röhre.

Kostenlose Lösungsansätze

  1. Prüft, ob die Firmware der Konsole und die des Routers auf dem aktuellsten Stand sind.
  2. Achtet darauf, wann das Problem auftritt und grenzt ein, ob es durch eure Internetleitung, die Server oder euer Heimnetzwerk hervorgerufen wird.
  3. Verbindet eure Konsole (wenn möglich) direkt mit dem Router, um Probleme mit z. B. der WLAN-Verbindung auszuschließen.
  4. Sofern euer Router halbwegs modern ist und ihr die volle Leistung auch nicht über eine direkte LAN-Verbindung erhaltet, wendet euch an euren Internetanbieter.
  5. Sollte das WLAN der Übeltäter sein, geht wie folgt vor:
  6. Stellt euren Router möglichst zentral im Haushalt auf und haltet ihn fern von anderen Empfangsgeräten.
  7. Falls ihr das 2,4-Gigahertz-Band verwendet, versucht Störquellen, die im selben Frequenzbereich funken, zu minimieren - dazu zählen beispielsweise Bluetooth-Kopfhörer, Mikrowellen oder andere Router.
  8. Nutzt das 5-Gigahertz-Band für die WLAN-Anbindung, falls euer Router und eure Konsole dieses unterstützen, da es weniger anfällig für Störungen ist und obendrein höhere Bandbreiten bietet. Achtet hierbei jedoch darauf, dass das Band eine geringere Reichweite als die 2,4-Gigahertz-Variante hat.

Für wen eignet sich Powerline?

Liegen die Internetprobleme weder bei den Spiele-Servern noch bei eurem Anbieter und euer WLAN ist trotz Optimierungen zu schwach? Dann könnte es sich tatsächlich lohnen Geld in die Hand zu nehmen und Hardware-Lösungen in Erwägung zu ziehen. Im folgenden Abschnitt haben wir deshalb die Vor- und Nachteile von Powerline-Adaptern für euch aufgelistet.

Die Vorteile

  • Im Gegensatz zu einer WLAN-Verbindung müsst ihr euch bei Powerline-Adaptern weniger Sorgen um Störquellen durch Funksignale machen - insofern ihr die Adapter nicht nutzt, um ein WLAN-Netz zu erzeugen. Ist das der Fall, dann kommen entsprechend auch hier die oben aufgeführten Störfaktoren ins Spiel.
  • Unter guten Rahmenbedingungen sind Powerline Powerline-Adapter eine bessere Alternative zu WLAN-Repeatern. Letztere halbieren nämlich in den meisten Fällen die mögliche Bandbreite und sorgen ferner für deutlich höhere Latenzen.
  • Der Komfortfaktor von Powerline könnte darüber hinaus ebenfalls einen großen Pluspunkt für viele Spieler*innen darstellen. Quasi überall da, wo sich eine Steckdose befindet, habt ihr ebenso einen potenziellen Internetanschluss. Es kommen kaum Kabel zum Einsatz und dicke Wände oder Decken, die ein Funksignal abschwächen könnten, stellen auch keine Hürden dar.
  • Außerdem profitiert Powerline von einem hohen Datendurchsatz - zumindest in der Theorie. Wie viel Bandbreite euch tatsächlich zur Verfügung steht, ist abhängig davon, wie gut die Hardware der Adapter ist, wie viel Strecke das Signal zurücklegen muss und wie gut es generell um die Beschaffenheit eures Stromnetzes steht.

Die Nachteile

  • Wie bereits angesprochen, steht und fällt die Effektivität von Powerline mit der Beschaffenheit eures Stromnetzes. Nach kurzem Austausch mit dem Elektriker meines Vertrauens haben sich vor allem die Komplexität des Strompfads sowie die Qualität der verlegten Leitungen als größte potenzielle Fehlerquelle herausgestellt. Besonders die Stromnetze alter Häuser könnten euch hierbei zum Verhängnis werden.
  • Des Weiteren solltet ihr darauf achten, wie viel Strecke das Signal von Adapter zu Adapter zurücklegen muss (Router zu Endgerät) und wie viele Geräte sonst noch an derselben Leitung saugen. Gerade Haushaltsgeräte, die viel Strom benötigen, können zum Störfaktor werden. Aber auch Kleingeräte können euch das Leben schwer machen. Die Kollegen von Computer Bild sprechen in ihrem Test beispielsweise von Leistungseinbußen von bis zu 60 Prozent beim Anschluss von fünf kleineren Geräten.

Kostenfaktor und Alternativen

Je nach Auslegung lässt sich ebenfalls die Preisgestaltung als Nachteil der Powerline-Adapter anführen, weil diese im Zweier-Set mit einem durchschnittlichen Kostenfaktor von etwa 100 Euro zu Buche schlagen. Hierbei haben wir Sets von devolo sowie AVM Fritz! als Referenz genommen. Möchtet ihr mehr als zwei Adapter haben und/oder legt Wert auf die WLAN-Funktion, steigen die Preise rapide an und landen dann auch gerne mal jenseits der 200 Euro-Marke oder noch höher.

Alternativ zur Powerline-Lösung bietet sich erst einmal natürlich das klassische LAN-Kabel an. Das steht in puncto Zuverlässigkeit ganz weit oben und ist, sofern es eure Wohnsituation zulässt, auch eigentlich die performanteste Variante.

Falls sowohl Powerline als auch das LAN-Kabel keine Option für euch sind, bleibt euch noch die Möglichkeit euer WLAN-Netz auszubauen. Wie eingangs erwähnt, eignen sich WLAN-Repeater eher weniger für Spieler*innen, die viel Bandbreite und niedrige Latenzen voraussetzen.

Eine bessere Alternative stellen indes WLAN-Access-Points dar, die per Kabel mit eurem Router verbunden werden und ihr eigenes Netz aufbauen. Richtig effektiv sind diese aber auch erst, wenn sie etwas weiter von Router entfernt stehen und dafür müssen wiederum Kabel verlegt werden. Allerdings bekommt ihr leistungsfähige Modelle von Marken wie Ubiquiti schon für etwa 100 Euro oder weniger.

Unser Fazit

Ob sich Powerline-Adapter als Lösung für eure Internetprobleme eignen, hängt einerseits schwer davon ab, ob eure Stromleitung die richtigen Rahmenbedingungen schafft. Andererseits sollte die Ursache eurer Probleme natürlich auch beim Heimnetzwerk und nicht bei externen Faktoren liegen, auf die ihr im Zweifelfall nur wenig oder gar keinen Einfluss habt.

Sowohl der Umwelt als auch eurer Brieftasche zuliebe empfehlen wir euch deshalb, als ersten Schritt das meiste aus eurem Heimnetzwerk herauszuholen. Bereits kleine Optimierungen wie der Wechsel auf das 5-Gigahertz-Band können manchmal große Leistungssprünge bieten - das ist aus persönlicher Erfahrung besonders in großen Mietshäusern hilfreich, in denen euch die Router der Nachbarn buchstäblich dazwischenfunken.

Sollten alle Stricke reißen und ihr seht euch gezwungen neue Hardware anzuschaffen, können Powerline-Adapter oder WLAN-Access-Points je nach den baulichen Begebenheiten des Hauses attraktive Ergänzungen für euer Heimnetzwerk darstellen. Die richtigen Bedingungen vorausgesetzt, können Powerline-Adapter dabei vor allem durch ihren Komfortfaktor punkten. Unabhängig davon, wie ihr euch entscheidet, empfiehlt es sich aber vor dem Kauf einen Elektriker zurate zu ziehen.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit Powerline-Adaptern oder vergleichbaren Alternativen gemacht? Welche Lösungen für Netzwerkprobleme könnt ihr empfehlen?

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