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Seite 2: Quantum Conundrum im Test - Fluffy is everything

Vorbeigehüpft

Zwar gibt es einzelne Rätsel, bei denen wir tatsächlich jede Dimension benötigen, aber die sind vergleichsweise selten; gerade im letzten Akt, bei dem die umgekehrte Schwerkraft im Mittelpunkt steht, quält uns Quantum Conundrum stattdessen mit ungewöhnlich vielen (und teils außergewöhnlich frustrierenden) Hüpfeinlagen.

Die Krux in diesen Sequenzen ist, dass wir zwar nach dem zweiten oder dritten Versuch durchaus wissen, wann wir wo in welche Dimension wechseln müssen, um den nötigen Sprung zu schaffen - aber am Ende trotzdem zehn oder fünfzehn Anläufe brauchen, weil die Zeitfenster schmal und das erforderliche Timing absurd präzise ist. Nach der im wahrsten Sinne des Wortes flauschigen ersten Spielhälfte fallen diese Jump&Run-Elemente ein wenig aus dem Rahmen; ein paar knackige Rätsel wären uns da wirklich lieber gewesen.

Quantum Conundrum - Screenshots ansehen

Ein ähnliches Abschlussproblem hat übrigens auch die Handlung - wobei »Handlung« in diesem Fall ein bisschen zu viel gesagt ist. Im Grunde dreht sich der Plot nämlich ausschließlich darum, dass wir in allen drei Flügeln des Hauses je einen Generator anwerfen. Haben wir das erledigt und freuen uns auf ein großes Finale, endet Quantum Conundrum ebenso abrupt wie unbefriedigend mit ein paar 08/15-Rätseln und einem Cliffhanger der Marke »DLC folgt«.

Nie mehr Brusthaar

Immerhin entschädigen uns die unvermittelt auftauchenden Credits mit einem eingängigen Grunge-Song. Wer jetzt gleich wieder Portal denkt, der ist insofern auf der richtigen Spur, als Quantum Conundrum auffallend viele Elemente des Vorbilds kopiert. So bewegen wir uns nicht nur streng linear von einem Rätsel-Raum zum nächsten, sondern spazieren zwischen den einzelnen Räumen durch kurze, mitunter identische Passagen, die nur dazu dienen, dass der Erzähler in Gestalt unseres Onkels seinen teils gehässig-sarkastischen Senf abgeben kann.

Wenn unser Knirps stirbt, bekommen wir wissenswerte Fakten über das Leben, das er wohl niemals mehr erleben wird. Wenn unser Knirps stirbt, bekommen wir wissenswerte Fakten über das Leben, das er wohl niemals mehr erleben wird.

Der ist prima, allerdings ausschließlich auf Englisch vertont und stellenweise aufrichtig komisch - sieht im Vergleich zu GLaDOS aber trotzdem kein Land, weil sich unter den Gags auch viele Rohrkrepierer tummeln. Streckenweise wirkt Quantum Conundrum zu bemüht witzig, zum Beispiel, wenn es uns nach dem Ableben mit einem Hinweis darauf beglückt, was unser zwölfjähriger Protagonist nun nie erleben wird.

Das könnte lustig sein, fällt aber mit Sachen wie »Dir wird nie Brusthaar wachsen« oder »Du wirst nie versehentlich auf alle antworten klicken« eher in die Kategorie »aua«. Apropos Ableben: Das passiert uns bei den Hüpfeinlagen zwar ständig, fällt spielerisch aber nicht ins Gewicht, weil die Speicherpunkte reichhaltig und fair gesetzt werden.

Der liebe Herr Onkel

Ein schlechtes Spiel ist Quantum Conundrum trotz dieser Kritikpunkte nicht - aber eben um jenen Tick schwächer als Portal, mit dem es sich schon dadurch messen lassen muss, dass es viele Spielelemente nahezu unverändert übernimmt. Dazu zählt übrigens auch der namen- und seelenlose Protagonist, der im Vorbild funktionierte, weil er (beziehungsweise sie) als Versuchskaninchen konzipiert war.

Quantum Conundrum - Launch-Trailer 1:43 Quantum Conundrum - Launch-Trailer

Im Falle von Quantum Conundrum hingegen könnte man trotz Comic-Stil schon fragen, warum Onkelchen seinen zwölfjährigen Neffen in lebensgefährliche Situationen schickt - und warum der sich das klag- und widerspruchslos gefallen lässt, zumal der liebe Herr Onkel ein ziemlich unsympathischer Kerl ist. Aber: Man muss nicht. Man kann Quantum Conundrum auch als das flauschig-originelle Vergnügen begreifen, das es über weite Strecken tatsächlich ist.

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