Second Extinction - Hilfe, die Dinos haben die Erde erobert!

Im Shooter von Systemic Reaction holen wir uns die Erde von blutrünstigen Dinos wieder. Kuriose Prämisse, gutes Spiel? Wir haben mit den Entwicklern gesprochen.

von Tobias Veltin,
10.06.2020 15:00 Uhr

In Second Extinction geht ihr auf Dinosaurierjagd. In Second Extinction geht ihr auf Dinosaurierjagd.

Genre: Shooter Entwickler: Systemic Reaction Plattform: Xbox One, Xbox Series X, PC Release: TBA

Wer sich die Kommentare unter dem Reveal-Trailer von Second Extinction anschaut, stolpert unweigerlich darüber. "Turok! Das sieht aus wie Turok!" ist dort mehrfach zu lesen, und die Euphorie, die mitschwingt, ist förmlich spürbar. Viele fühlen sich ganz offenbar an den N64-Klassiker erinnert.

Darauf angesprochen müssen Emil Kraftling und Brynley Gibson von Entwickler Avalanche bzw. dessen "Unterstudio" Systemic Reaction im Gespräch mit GamePro.de lachen. Und können verstehen, woher diese Verbindung kommt. "Second Extinction ist ein Dinosaurier-Shooter und Turok war ein Dinosaurier-Shooter", sagt Kraftling. Dennoch ist ihr Ansatz ein anderer.

Denn während der N64-Shooter und dessen Nachfolger hauptsächlich storygetriebene Solo-Spiele waren, setzt Second Extinction vor allem auf Koop. Die zugrunde liegende Story steht dagegen eher im Hintergrund, ist mehr Aufhänger als roter Faden, das wird im Gespräch schnell deutlich.

Second Extinction sieht aus wie ein Mix aus Turok & Doom 1:18 Second Extinction sieht aus wie ein Mix aus Turok & Doom

Worum geht es in Second Extinction?

In der Zukunft haben blutrünstige Dinosaurier die Erde überrannt und einen Großteil der Menschheit vernichtet. Die wenigen Überlebenden haben sich ins All zurückgezogen und wollen sich von dort aus ihre Heimat zurückholen. Dafür landen sie in Dropships auf der Erde und ziehen gegen die Dinos in den Krieg.

Das Setting nimmt sich natürlich nicht wirklich ernst, auch wenn Emil Kraftling sagt: "Es wird eine Simulation". Mit einem ganz großen Augenzwinkern natürlich. Wie genau der Dino-Shooter funktioniert, haben uns Gibson und Kraftling im Interview erklärt.

So funktioniert Second Extinction

Spielwelt

In Second Extinction bereisen wir keine Schlauch-Level - wie zum Beispiel in Turok - sondern eine große, zusammenhängende Karte, die laut Emil Kraftling ungefähr 4x4 Kilometer messen soll. Das klingt nach wenig, soll sich aber nach viel anfühlen, weil wir ausschließlich zu Fuß unterwegs sind.

In der Welt von Second Extinction wollen euch etliche Dinos ans Leder. In der Welt von Second Extinction wollen euch etliche Dinos ans Leder.

Es wird dabei hauptsächlich Außenbereiche geben, auch Wettereffekte wie Schnee sind im erstem Gameplay-Material bereits zu sehen. Die Dinosaurier haben zudem ein Tunnelsystem unter der Karte, von dem aus sie attackieren und das wir ebenfalls erkunden können.

Gameplay und Missionsstruktur

Spielerisch ist Second Extinction ein sehr geradliniger Shooter. Auf der Karte erledigen wir einzelne Missionen, die laut Gibson "etwa 30 Minuten" dauern sollen. In diesen Missionen klappern wir unterschiedliche Aufgaben in beliebiger Reihenfolge ab, müssen beispielsweise Kisten mit Vorräten sichern. Und auf dem Weg natürlich jede Menge aggressiver Dinos über den Haufen ballern.

Am Anfang jedes Einsatzes wählen wir unser Loadout und unseren Charakter und landen dann mit unserem Team auf einem von mehreren "Insertion Points" auf der Map. Mindestens ebenso wichtig ist aber auch das Ende jeder Mission. Hier müssen wir nämlich auf das Dropship warten und noch einmal Horden von attackierenden Dinos abwehren, wie Brynley Gibson erklärt.

Blutiges Schauspiel: In den Kämpfen geht es ziemlich heftig zur Sache. Blutiges Schauspiel: In den Kämpfen geht es ziemlich heftig zur Sache.

Dafür benutzen wir ganz klassisch Waffen, Granaten und Items, die bei den Dinos dann auch entsprechende Wirkung haben: Der Gewaltgrad von Second Extinction ist bereits im gezeigten Videomaterial sehr hoch. Derart hoch, dass er fast schon wieder überzeichnet ist.

Level- und Klassensystem

In Second Extinction gibt es unterschiedliche Charaktere, die jeweils einer Klasse zugeordnet sind. Details nennen die beiden Entwickler zwar nicht, aber vermutlich wird es sich hierbei um "klassische" Aufteilungen in Heavy, Support etc. handeln. Die Klasse bestimmt auch, welche Waffen ein Charakter tragen und welche Payloads benutzt werden können.

Payloads? Jeder Spieler beginnt eine Mission mit einem besonderen Payload, das entweder offensive (z.B. Luftschlag) oder defensive (z.B. Munition-Supply) Eigenschaften hat, die einzelnen Charaktere haben zudem einige besondere Fähigkeiten (z.B. Spezialangriffe).

Nur bestimmte Charaktere können schwere Waffen wie die Minigun tragen. Nur bestimmte Charaktere können schwere Waffen wie die Minigun tragen.

Kombination ist Trumpf: Diese Klassenfähigkeiten und Payloads müssen von den Spielern möglichst effektiv kombiniert werden und erfordern vor einer Mission dementsprechend eine gewisse Absprache. Wie sich einzelne Fähigkeiten bedingen, wurde noch nicht erklärt, hier soll aber ein besonderer Reiz von Second Extinction liegen.

Die Belohnungen: In den Missionen (oder für das Erledigen derselben) sammeln wir sowohl

  • Research Points (die XP-Variante in Second Extinction) als auch
  • Dinosaurier-"Teile" (Loot/Materialien)

Mit letzteren können wir zwischen den Missionen Upgrades und Verbesserungen für eure Waffen kaufen, wie etwa einen alternativen Feuermodus. Jede Waffe hat einen eigenen "Entwicklungsbaum". Die Research Points schalten nach und nach neue Waffen, Items und Payloads frei.

Spielerzahl/Koop

Der Koop beschränkt sich auf maximal drei Spieler, was ziemlich ungewöhnlich ist. Laut Emil Kraftling sahen die Entwickler hier eine gute Balance.

"Für die meisten Spieler ist es bei dieser Zahl einfach, Spieler zu finden. Also sowohl wenn sie mit Freunden spielen, als auch, wenn ein Match mit anderen Spielern aufgefüllt wird."

Während der Entwicklung experimentierten die Entwickler auch mit anderen Spielerzahlen. Während der Entwicklung experimentierten die Entwickler auch mit anderen Spielerzahlen.

Bei größeren Spielerzahlen sei es zudem nicht so herausfordernd, die Fähigkeiten und Payloads aufeinander abzustimmen. Wenn wir alleine spielen, werden die übrigen Plätzen nicht mit KI-Charakteren aufgefüllt, was das Spiel deutlich schwerer machen soll.

Schade: Einen Couch-Koop-Modus wird es nicht geben, wie uns Gibson im Gespräch bestätigt. Auch Crossplay zwischen PC und Xbox One bzw. Xbox Series X wird es nicht geben.

Große und kleine Dinos

Bislang gab es im Videomaterial zu Second Extinction hauptsächlich "kleinere" Dinos wie Velociraptoren zu sehen. Laut Brynley Gibson wird es aber auch deutlich größere Exemplare geben, zum Beispiel gepanzerte Pflanzenfresser. Diese sollen ebenfalls "böse" sein.

Allerdings ist die Zahl der Gegnerarten begrenzt, dafür hat jede Art bestimmte Mutationen/Varianten, zum Beispiel gibt es eine Unterkategorie, die spucken kann. Manche Gegnertypen sollen zudem andere beeinflussen, dadurch werden viele Dinos in Kombination dann noch einmal gefährlicher.

Die Dinos sind teilweise ziemlich interessant mutiert. Die Dinos sind teilweise ziemlich interessant mutiert.

Second Extinction ist ein Live-Game

Nach dem Release sollen regelmäßig neue Inhalte wie Waffen in einzelnen Seasons nachgeschoben. Dabei werden die Spieler auch eine Art der Einflussnahme auf das Spiel bekommen, über das Kraftling und Gibson aber noch nicht reden wollen - oder dürfen.

Beta-Registrierung schon möglich: Ihr könnt euch bereits jetzt für eine Beta zu Second Extinction anmelden.

Für wen ist Second Extinction geeignet?

Alle, die gerne im Koop spielen und ihre Spiele gerne in überschaubaren Häppchen genießen, sollten sich Second Extinction definitiv auf den Zettel schreiben. Vom Konzept erinnert es an Titel wie Left 4 Dead oder GTFO, weswegen Fans dieser Spiele auch bei diesem Titel richtig sein dürften.

Wer hier allerdings komplexe Mechaniken oder gar eine tiefgründige Story erwartet, ist natürlich fehl am Platz. Hier geht es hauptsächlich um schnelle Shooter-Action, die zudem mit auf dem Papier interessant klingenden Mechaniken wie dem Zusammenspiel der Skills durchsetzt ist.

Was gefällt uns, was noch nicht?

PRO

CONTRA

Dinos!

könnte sich auf Dauer abnutzen

vielversprechende Koop-Mechanik

kein Couch-Koop

Charakter- und Waffen-Upgrades

Open World in Häppchen spielbar

witzige Prämisse

GamePro-Einschätzung

Mit Dinos kriegt man mich eigentlich immer, deswegen hatte Second Extinction direkt vom Reveal an einen Stein bei mir im Brett. Und nach dem Gespräch mit den Entwicklern bin ich in meiner ersten Einschätzung bestätigt. Das Ding wird eine launige und trotz Open World geradlinige Koop-Ballerei mit Potenzial zu etwas mehr Tiefgang - je nachdem wie umfangreich das Charakter-System bzw. die nötigen Absprachen vor den Missionen tatsächlich ausfallen werden. Durch die Aufteilung in halbstündige Missionen eignet sich das Spiel offenbar vor allem für diejenigen, die abends "schnell noch ne Runde mit den Kumpels" zocken wollen. Hier könnte Second Extinction tatsächlich (m)einen Nerv treffen.

Ob das geradlinige Prinzip auch langfristig für Motivation sorgen kann, muss sich natürlich erst noch zeigen und wird auch maßgeblich von der Qualität (und der Menge) künftiger Inhalte abhängen, hier befürchte ich etwas, dass sich die Ballerei zu schnell abnutzt. Trotzdem: Ich freue mich enorm auf Second Extinction und kann es kaum erwarten, auf Dinojagd zu gehen.

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