Crossplay, Kompatibilität und Bedienung: So könnte Multiplayer auf dem Steam Deck funktionieren

Crossplay und Fairness? Bisher kaum zu vereinbaren und für unseren freien Autor Chris auch kein Problem. Stattdessen fragt er sich, wie Multiplayer grundsätzlich funktionieren wird.

von Chris Werian,
13.02.2022 13:00 Uhr

Einige Spiele werden gut spielbar sein, manche gar nicht erst laufen. Einige Spiele werden gut spielbar sein, manche gar nicht erst laufen.

Multiplayer-Titel bestimmen seit Jahren die obersten Chart-Platzierungen auf Steam, sei es nun PUBG, CS:GO, Apex Legends oder DOTA 2. Steam Deck würde uns einige entspannte Runden auf der Couch ermöglichen, aber sind die wirklich so entspannt, wenn man mit unterlegener Hardware antritt?

Die bisherige Erfahrung sagt: Das kann klappen!

Als Ausgangslage ziehe ich eines der erfolgreichsten Spiele aller Zeiten heran: Fortnite. Um auch Switch- und Smartphone-Spieler*innen faire Matches zu ermöglichen, wurde zwischen den verwendeten Eingabemethoden unterschieden. Je nachdem, ob man mit Controller, Maus und Tastatur oder einem Touch-Display antrat, wurde man entsprechenden Warteschlangen zugewiesen.

Chris Werian
@DrChrisRespect

Chris kann sich in jeden Online-Shooter verlieren, den er anspielt. So auch für ein paar Monate in Fortnite, das er sich bei Erscheinen für die Switch runtergeladen hat. Dort hat er sogar sein erstes "Victory Royale" erzielt. Im Handheld-Modus! Man stellt sich ja sonst keine Herausforderungen. Einige Online-Partien könnte er sich auch auf dem Steam Deck vorstellen, aber nur sofern der ausgewählte Titel beim Matchmaking die Eingabemethode beachtet.

Die Nintendo Switch wurde in Epics Battle-Royale-Spiel als Controller gewertet, bei anderen Shootern wie Overwatch oder Apex Legends ist das auch der Fall. Das Steam Deck wird von Spielen höchstwahrscheinlich ebenso eingeordnet, lediglich im angedockten Modus würde bei der Nutzung einer Maus und einer Tastatur eine andere Zuteilung erfolgen. Ein “Upgrade” auf einen Xbox- oder PlayStation-Controller weist uns hingegen immer noch der Controller-Warteschlange zu.

In Apex Legends spielen wir nur mit anderen Controller-Nutzer*innen in einer Lobby, zu erkennen am kleinen Icon neben dem Nickname. Die eigene Plattform ist dabei egal. Sobald wir jemanden mit Maus und Tastatur einladen, kommen wir in gemischte Partien. In Apex Legends spielen wir nur mit anderen Controller-Nutzer*innen in einer Lobby, zu erkennen am kleinen Icon neben dem Nickname. Die eigene Plattform ist dabei egal. Sobald wir jemanden mit Maus und Tastatur einladen, kommen wir in gemischte Partien.

Was ist mit der Gyro-Technik?
Ebenso wie bei der Switch wird es möglich sein, Bewegungssensoren zum Zielen zu verwenden. In Spielen wird ein Gyroskop derzeit (unabhängig von der Plattform) schlicht als Controller erkannt. Das sollte auch auf das Steam Deck zutreffen.

Mittlerweile gilt in Fortnite nur noch eine skillbasierte Spielersuche, um Wartezeiten in der Lobby möglichst kurz zu halten. Der Community schmeckte die Entscheidung aber weniger, da man mit zunehmenden Fertigkeiten nicht automatisch mehr Siege einfährt, die Belohnung letztendlich also ausbleibt, und eklatante Vor- und Nachteile je nach Plattform deutlich werden.

Völlige Fairness wird es nie geben

Die derzeit populärsten Online-Titel verwenden skillbasiertes Matchmaking und gleichzeitig eine Filterung nach der Eingabemethode oder Plattform. So wird zumindest für ein halbwegs ausgeglichenes Spielerlebnis gesorgt. Eine perfekte Balance ist von vornherein ausgeschlossen, da die momentane Fülle an Peripherie und unterschiedlichen Setups stets gänzlich andere Ausgangslagen hervorbringt.

Sei es die erzielte Bildwiederholrate der Konsole, die Reaktionszeit des Displays oder die Qualität des Headsets – auf zig Einflussfaktoren kann keine Rücksicht genommen werden, da sie sich einerseits nicht kontrollieren lassen und andererseits die Community so stark fragmentieren würde, dass kaum noch Matches zustande kommen. Wobei das Steam Deck sogar noch besser als die Switch dasteht, da bisherige Benchmarks eine Framerate von 60 fps nahelegen. Nintendos Handheld schafft es in der Regel gerade einmal auf 30 fps.

Selbst wenn man lange nicht mehr gespielt hat, mit 120-fps-Modus und einem guten Headset läuft es auch in Fortnite. Wirklich fair ist Online-Gaming generell nicht mehr. (Bild: Xbox Series X) Selbst wenn man lange nicht mehr gespielt hat, mit 120-fps-Modus und einem guten Headset läuft es auch in Fortnite. Wirklich fair ist Online-Gaming generell nicht mehr. (Bild: Xbox Series X)

Eine Filterung nach der Plattform ist beim Steam Deck wenig praktikabel: Da Valves Handheld viele unterschiedliche Interessen abdeckt und sich Käufer*innen nicht auf einen großen Titel stürzen werden, ist eine Sonderbehandlung so gut wie ausgeschlossen.

Zumal wir beim Steam Deck keinen klassischen Plattform-Launch erleben, bei dem zuerst die Hardware zur Verfügung steht und dann langsam Software-Nachschub eintrudelt. Im Steam-Store befinden sich bereits fast 62.000 Spiele, dementsprechend stark wird sich die Käuferschaft auf einzelne Titel aufteilen.

Viele beliebte Multiplayer-Titel werden wahrscheinlich gar nicht auf dem Steam Deck laufen

Ganz grundsätzlich stelle ich mir die Frage, wie groß das Interesse an Mehrspieler-Titeln überhaupt sein wird. Die anhaltende Kritik an Nintendos Online-Plattform zeugt zwar von einer großen Nachfrage bei einzelnen Fan-Gruppen, der gesamte Markt wird aber eher klein ausfallen.

Im Online-Modus von Smash Bros. Ultimate bekommen wir häufig das Buffer-Icon rechts unten im Bild zu sehen. Obwohl etliche Matches aufgrund von Lags nahezu unspielbar sind, ist der Titel beliebt - die Nachfrage ist in vereinzelten Spielen zweifelsohne da. Im Online-Modus von Smash Bros. Ultimate bekommen wir häufig das Buffer-Icon rechts unten im Bild zu sehen. Obwohl etliche Matches aufgrund von Lags nahezu unspielbar sind, ist der Titel beliebt - die Nachfrage ist in vereinzelten Spielen zweifelsohne da.

Einige kleinere Titel, unter anderem Kartenspiele, sollten aber auf dem Steam-Deck perfekt spielbar sein. Mittels einer zusätzlichen Installation von Windows oder einer für PCs angepassten Android-Distribution, beispielsweise Bliss OS, ließe sich die Anzahl verfügbarer Spiele stark erhöhen. Die Flexibilität der Steam-Deck-Hardware ist dahingehend ein absoluter Segen.

Schwieriger wird es mit dem vorinstallierten SteamOS, das auf Linux basiert und über eine zusätzliche Kompatibilitätsschicht Befehle vom vielfach verwendeten DirectX zum offenen Standard Vulkan übersetzt. Von vielen Anti-Cheat-Programmen wird diese Ebene als potenzielle Bedrohung erkannt und das Online-Spiel somit ausgehebelt.

Das spiegelt sich auch in den Statistiken der Community-Plattform ProtonDB wider, nach der die wenigsten Multiplayer-Titel via SteamOS spielbar sind oder ansatzweise fehlerfrei laufen.

Beliebteste Steam-Spiele Unter den meistgespielten Titeln finden wir einige native Linux-Portierungen wie CS:GO und DOTA 2, die meisten anderen Multiplayer-Spiele sind aber nicht kompatibel. (Quelle: ProtonDB)

Anti-Cheat Schuld daran ist in nahezu allen Fällen die Anti-Cheat-Software. Besonders Easy Anti-Cheat steht dabei in den Fokus, da es von einem Großteil der Industrie verwendet wird. (Quelle: ProtonDB)

Multiplayer wird keine große Sache

Wirklich waghalsig ist die Prognose, dass Multiplayer keine entscheidende Rolle beim Steam Deck spielen wird, von mir nun nicht. SteamOS ist zwar zu einer großen Anzahl von Spielen kompatibel, die darunter zählenden Mehrspieler-Titel machen aber keine Unterschiede, worauf ich spiele.

In rein kooperativen Modi oder Spielen, bei denen kaum Motorik gefragt ist, sollte es auch Nutzer*innen vom Steam Deck problemlos möglich sein, mithalten zu können. Vielleicht entsteht ja sogar ein Trend, der auch auf Valves Handheld für Furore sorgt. Vor einiger Zeit war Among Us in aller Munde – Crossplay verband (mordlustige) Freunde auf nahezu allen erhältlichen Plattformen.

In CS:GO treffe ich so schon nix! Auf dem Steam Deck mache ich es mir nicht noch schwerer. In CS:GO treffe ich so schon nix! Auf dem Steam Deck mache ich es mir nicht noch schwerer.

Aber ein Match CS:GO gegen PC-Asse? Nope, dafür sind meine Nerven nicht stark genug und ich würde vermutlich auf den großen Rechner wechseln. Immerhin wäre aber die Möglichkeit da und ich denke, dass es genau das ist, was sich Vorbesteller vom Steam Deck auch wünschen. Ich könnte alles damit machen, was ich möchte, wenn ich denn wollte.

Spielt ihr kompetitive Multiplayer-Spiele auf einem Mobilgerät?

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