Taxi Chaos ist leider nicht das, was sich Crazy Taxi-Fans davon erhoffen

Taxi Chaos schnappt sich das einfache Spielprinzip der populären Dreamcast-Vorlage, schafft es aber trotz guter Ansätze nicht, dessen Qualität zu erreichen.

von Tobias Veltin,
06.03.2021 10:00 Uhr

Taxi Chaos ist für die PS4, Xbox One, Nintendo Switch und den PC erhältlich. Taxi Chaos ist für die PS4, Xbox One, Nintendo Switch und den PC erhältlich.

Genre: Rennspiel Entwickler: Team6 Game Studios Plattform: PS4, Xbox One, Switch, PC Release: 23. Februar 2021

Es ist schon über 20 Jahre her, dass Crazy Taxi auf der/dem Dreamcast - und später auch auf anderen Konsolen - für Furore sorgte. Die Arcade-Umsetzung schlug viele durch ihr simples, aber süchtig machendes Spielprinzip in ihren Bann, auch deshalb folgten später noch Teil 2 und Teil 3.

Seit fast zwei Jahrzehnten ist es allerdings ruhig um die Serie, und just da schickt sich Taxi Chaos an, die Leidenschaft für die durchgeknallten Taxifahrten neu zu entfachen. Es handelt sich dabei nicht um einen offiziellen neuen Teil, sondern eine unabhängige Entwicklung, die allerdings von Original-Publisher Sega abgesegnet wurde. Trotzdem will man hier nur ungern Trinkgeld geben, aber der Reihe nach.

Wie funktioniert Taxi Chaos?

Darum geht's: Auch wer die Crazy Taxi-Spiele nie gezockt hat, wird das Spielprinzip von Taxi Chaos schnell verinnerlicht haben. Als Taxifahrer*in sind wir in einer an New York angelehnten fiktiven Stadt unterwegs und müssen Fahrgäste möglichst flott zu denen von ihnen ausgewählten Zielpunkten bringen. Steigt ein Gast ein, beginnt ein Timer zu laufen und je schneller wir unsere Fracht - zum Beispiel durch das Nutzen von Abkürzungen - abliefern, desto mehr Kohle streichen wir ein.

Wir können entweder im Arcade-Modus antreten, der nach einer gewissen Zeitspanne endet oder uns im Profi-Modus versuchen, in dem wir die Ziele selbst finden müssen. Einen Pfeil, der die Richtung anzeigt, gibt es in dieser Variante nämlich nicht.

Im Arcade-Modus und freien Spiel zeigt euch ein Pfeil die Richtung des Zielorts an. Im Arcade-Modus und freien Spiel zeigt euch ein Pfeil die Richtung des Zielorts an.

Zunächst mal: Den Grundton der offensichtlichen Vorlage haben die Entwickler*innen von Team6 Studios hervorragend getroffen. Die kräftigen Farben der Stadt strahlen mit dem satten Gelb unseres Taxis um die Wette, überhaupt erinnert quasi die gesamte grafische Gestaltung - von den Zielanzeigen bis hin zu den Passanten - derart an Crazy Taxi, dass es Kennern des Originals warm ums Herz wird. Dazu läuft das Spiel erfreulich flüssig - zumindest in der von uns ausprobierten Xbox One-Fassung auf der Xbox Series X - und auch das arcadige Fahrgefühl ist gut gelungen.

Gut gedacht, nicht wirklich gut gemacht

Also alles in Butter? Nicht so wirklich. Denn anders als die große Vorlage fühlt sich Taxi Chaos schon nach wenigen Runden enorm repetitiv an. Das war das grundlegende Spielprinzip zwar schon immer, Crazy Taxi konnte dies aber besser kaschieren, zum Beispiel mit einer größeren Variation an Zielen und auch größerer spielerischer Klasse.

Bei Taxi Chaos klappern wir gefühlt fünf immer wieder auftauchende Örtlichkeiten ab, an Pier, Park und Theater hat man sich schon nach kurzer Zeit sattgesehen. Und da es nur eine einzige und dazu vergleichsweise kleine Stadt gibt, drückt das auch ordentlich auf die Langzeitmotivation.

Die eingebaute Sprungfunktion unseres Taxis erweist sich in manchen Situationen als nützlich, etwa wenn wir einfach über einen Stau vor einer Ampel hüpfen können, wir hätten ihn allerdings lieber gegen eine Driftfunktion eingetauscht, die das Original hatte, und in dem die Fahrgäste bei der Ausführung jubelnd klingelnde Trinkgeldtaler springen ließen.

Diese optischen und akustischen Anreize gibt es in Taxi Chaos leider nicht: zwar werden manche riskanten Aktionen wie das knappe Vorbeifahren an anderen Autos mit Boni belohnt, allerdings ist die Erkennung ziemlich ungenau. So fühlt sich Taxi Chaos auch spielerisch schnell sehr gleichförmig an.

Auch wenn es hier anders aussieht: Drifts beherrschen die Taxen nicht. Auch wenn es hier anders aussieht: Drifts beherrschen die Taxen nicht.

Besonders unangenehm ist uns allerdings die (englische) Sprachausgabe aufgefallen. Unser*e Fahrer*in quasselt auch hier mit jedem Fahrgast, was prinzipiell sehr atmosphärisch ist. Allerdings wiederholen sich diese Dialoge derart oft, dass wir beim Anspielen an einen schlechten Scherz glaubten.

Eine bestimmte Antwort - nur jeweils von anderen Fahrgästen - hörten wir in einer Arcade-Runde ungelogen 10 (!) Mal. Leider kann auch die untermalende Rockmusik das nicht aufwiegen, dafür ist sie leider viel zu generisch und ganz weit weg von den treibenden Stücken von The Offspring und Bad Religion, die bei Crazy Taxi aus den Boxen schallten.

Für wen ist Taxi Chaos interessant?

Höchstens für alle, die das Spielprinzip von Crazy Taxi noch nicht kennen und sich mal in den zwar repetitiven, aber durchaus spaßigen Gameplay-Loop stürzen wollen. Für "nur mal gucken" ist allerdings der Preis zu hoch, dass ich das guten Gewissens empfehlen könnte.

Crazy Taxi-Fans können natürlich ihren eigenen Vergleich ziehen, aber ich prognostiziere hier sehr unangenehme Enttäuschungen. Einen Eindruck vom Spiel könnt ihr euch übrigens im Launch-Trailer machen.

Taxi Chaos - Erstes Gameplay aus New Yellow City 0:22 Taxi Chaos - Erstes Gameplay aus New Yellow City

Was gefällt uns, was nicht?

Pro

Contra

nach wie vor spaßiger Gameplay-Loop

schon nach kurzer Zeit sehr repetitiv

ordentliche technische Umsetzung

kleine Stadt mit wenigen Zielen

nervige Dialoge

Taxi kann nicht driften

GamePro-Einschätzung


Tobias Veltin
@FrischerVeltin

Ich liebe Crazy Taxi, der erste Teil war damals mein persönlicher Kaufgrund für Segas Dreamcast. Dementsprechend gespannt und fast schon voller Vorfreude hatte ich den Release von Taxi Chaos erwartet. Und auch wenn ich diesen Vergleich jetzt schon mehrfach bemüht habe, muss sich Taxi Chaos diesen natürlich schon aufgrund seines Namens und seiner Aufmachung gefallen lassen. Und leider ist das hier das mit deutlichem Abstand schlechtere Taxispiel. Das liegt gar nicht mal so sehr, am reinen Aufsammel- und Absetz-Spielprinzips, denn das funktioniert auch hier für eine gewisse Zeit.

Es ist vielmehr die Ausführung im Detail, die Taxi Chaos bei mir schon nach einer knappen Stunde zur öden Kutschiererei hat verkommen lassen. Die Driftfunktion ist beispielsweise das spielerische Element, das mir im Vergleich zum Original am meisten fehlt, dass das einen derart großen Einfluss auf das Spielgefühl hat, merke ich erst jetzt, wenn die Option fehlt. Aber auch sonst fühlt sich Taxi Chaos einfach zu schnell abgenudelt an, "dank" der recht langweiligen Stadt und den wirklich irre repetitiven Dialogen. So leid es mir tut, aber in dieses Taxi sollte niemand einsteigen.

zu den Kommentaren (15)

Kommentare(15)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.