Heiliger Strohsack! The Blood of Dawnwalker erzählt eine ganz schön düstere, aber auch unheimlich fesselnde Geschichte. Dass mich Coens Abenteuer derart packt, hätte ich im Voraus nicht gedacht. Die größte Überraschung war dabei für mich das Ende, und was es emotional mit mir gemacht hat.
An dieser Stelle die obligatorische Spoilerwarnung: In diesem Artikel spreche ich ausführlich über den Epilog, seine Bedeutung und andere wichtige Schlüsselszenen.
Eine ruhige, greifbare Art von traurigem Ende
“Wir müssen reden” - Das Gefühl hatte nicht nur ich, sondern all meine Kolleg*innen, die Dawnwalker durchgezockt haben. Während mehreren Personen Coens Familie im großen Finale mit Obervampir Brencis zu kurz gekommen ist, ging es mir ganz anders:
Mir hat es einfach nur das Herz gebrochen, Coen nach der abrupten Schwarzblende bei seinem Sieg gegen Brenics wieder im Dörfchen Laslea zu sehen. Genau da, wo alles begonnen hat, wo er aber inzwischen einfach nicht mehr hinpassen will. Schließlich hat er in der Zwischenzeit so viel Schlimmes durchgemacht, aber auch Positives erlebt und gelernt.
Dass Coen nicht mehr der nette und etwas naive Bauernjunge ist, der er mal war, wird für mich sehr deutlich, wenn er zwischen ganz banalen Alltagsaufgaben mit den Dorfbewohner*innen plaudert. Mir kommt er dabei sehr einsam vor, beispielsweise wenn ihm alte Bekannte mit einem Mix aus Ehrfurcht und Skepsis begegnen oder Coen seinem Vater sagen kann: “Ich bin nicht mehr dein Sohn.”
Dadurch hat das, was eigentlich ein Happy End sein müsste (zumindest teilweise, aber dazu später mehr), für mich eine sehr bittere Note. Coen hat fast seine ganze Familie gerettet, aber ist dabei auch Laslea entwachsen: sowohl durch seine Verwandlung in einen Dawnwalker, als auch durch die vielen neuen Impulse und Bekanntschaften.
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Open-World-RPG mit erstklassiger Vampir-Geschichte! The Blood of Dawnwalker im Video-Test
Coming-of-Age nach Blutsauger-Art
Ich habe an Coens Reise eher die Coming-of-Age-Elemente genossen als die eigentliche Rettungsmission, weshalb die Familie zwar als glaubwürdige Motivation funktionierte, für mich aber schnell völlig in den Hintergrund trat.
Im Handlungsverlauf thematisieren beispielsweise Figuren wie die Vampirin Lacra oder sogar Fiesling Brencis immer wieder die Freiheit, die Coen bei seinem eigentlich ungewollten Abenteuer gewonnen hat. Genau diese Nuancen und seine Entwicklung machen für mich den Reiz der Story aus.
Am Ende ist Coen aber doch zu selbstlos, um diese Freiheit zu nutzen. Egal, was ich tue, er landet im Epilog in Laslea (Easter Egg-Enden mal ausgenommen) und stellt erneut alles hinter der Rettung seiner Schwester Lunka an. Während der Rest der Familie im besten Fall sicher ist, wurde sie nämlich in ein stumpfes Monster verwandelt.
Für mich ist die Tragik des Epilogs, dass Coen einerseits keinen richtigen Platz mehr in seiner alten Welt hat, und andererseits, nach allem was geschehen ist, immer noch die Familie an erste Stelle stellt. Jetzt opfert er seine Freiheit den Auguren, einem zwielichtigen Vampir-Orden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat “Probleme zu lösen”, um Lunka zu retten.
Das geht mir besonders nahe, weil ich in einer optionalen Mission erfahren habe, dass Pflicht- und Schuldgefühle ein wichtiger Antrieb für Coen sind. Er fühlt sich für den Unfalltod seines Bruders Alin verantwortlich, und für das, was danach aus seinen Eltern wurde.
Auch wenn das alles innerhalb eines Mittelalterfantasy-Settings passiert, fühlt sich diese Art von Drama greifbar und realitätsnah an. Mit der unaufgeregten Inszenierung geht mir das näher als etwa Charaktere, die in epischen Schlachten sterben. Wenn Coen nebenbei bemerkt, dass der Winter in diesem Jahr schneller hereingebrochen ist, fröstele ich förmlich.
Beim Abschied hätte sich Coen aber etwas mehr Mühe geben können
Einen Kritikpunkt habe ich aber dennoch: Dass der Protagonist am Ende nicht mit einem Love Interest in den Sonnenuntergang reitet, passt perfekt. Trotzdem finde ich, die Romanzen kommen im Epilog etwas zu kurz, insbesondere Lacra und Marat.
Zwar führt Coen noch mal kurze Gespräche mit den beiden, aber dabei kommt gar nicht mehr rüber, dass er wenige Tage vorher sogar über eine gemeinsame Zukunft mit ihnen reden konnte. Sie sprechen nur noch über bevorstehende Aufgaben und sind dabei nicht mal unter sich.
Nur ein klein wenig mehr hätte mir an der Stelle schon gereicht. Ein kurzer intimer Moment, zwei, drei Sätze, die klarmachen, dass die flüchtige Beziehung etwas bedeutet hat, eine kurze Berührung … Das hätte den Entscheidungen im Spiel noch mehr Gewicht verliehen und den Abschied von zwei meiner Lieblingsfiguren auch für mich emotionaler gestaltet.
So oder so lässt mich der Epilog nicht los und das hat eben weder mit dem Schicksal von Coens Familie noch mit einem möglichen tragischen Charaktertod beim großen Finale zu tun.
Dass mir die ruhigen Töne so viel Gänsehaut bereiten, hat sowohl mich überrascht, als auch einige meiner Kolleg*innen. Tatsächlich haben wir Coens letzte Momente in Laslea sehr unterschiedlich wahrgenommen. Ich kann jetzt aber kaum erwarten, zu erfahren, wie es für ihn weitergeht.
Wie habt ihr den Epilog erlebt? Fandet ihr die Rückkehr nach Laslea eher gemütlich oder bewegend? Und habt ihr am Ende etwas Bestimmtes vermisst?
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