Abzu im Test - Journey in den Tiefen des Meeres

Das Unterwasser-Abenteuer Abzu lockt uns auf den Spuren von Journey in die Tiefen des Meers. Wir verraten euch im Test, was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt.

von Rae Grimm,
02.08.2016 09:01 Uhr

ABZU im TestABZU im Test

Viele Geschichten beginnen damit, dass der Protagonist irgendwo aufwacht und keine Ahnung hat, wie er dort hin gelangt ist. Meistens ist das dann der Beginn einer alptraumhaften Horrorreise, in der das Überleben zu einer fernen Hoffnung am Horizont wird, die mit jeder Sekunde ein Stückchen weniger realistisch scheint.

Obwohl auch ABZU uns in eine solche Situation wirft, ohne uns zu verraten, wie wir eigentlich als einsame Taucherin in die Mitte eines unendlich scheinenden Meers gelangt sind, könnte das Wasser-Abenteuer nicht weiter von einem Horrorspiel entfernt sein. Die Survival-Elemente, die uns normalerweise in den Tiefen des Ozeans erwarten, suchen wir vergeblich. Stattdessen tauchen wir ein in eine Welt der Ruhe und träumerischen Schönheit.

Verwunderlich ist es kaum, schließlich stammt das Spiel von Matt Nava, der als Art Director an Journey und Flower arbeitete, bevor er mit Giant Squid ein eigenes Studio ins Leben rief. ABZU schließt sich der Tradition der entspannenden, minimalistischen Spiele an. Anstatt über grüne Wiesen zu schweben oder durch endlos wirkende Dünen zu wandern, tauchen wir durch unendliches Blau, während wir einmal mehr versuchen herauszufinden, wer wir sind, was geschehen ist und worum es eigentlich geht.

Abzu
Genre: Adventure
Release: 02.08.2016

Auf der Suche nach der Geschichte

ABZU nimmt euch in Sachen Handlung nicht an die Hand. Das Adventure verlangt von euch, sie selbst zusammenzupuzzlen und lässt dabei genug Freiraum, dass jeder die Geschichte anders erleben und andere Schlüsse ziehen kann.

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Je mehr Zeit ihr euch für die Erkundung der Unterwasserlandschaften nehmt und von den vorgegebenen Wegen abweicht, desto mehr Informationen erhaltet ihr über die Spielwelt und auch über die Identität der Taucherin. Wandmalereien sorgen nach jedem Level dafür, dass ihr weitere Puzzleteile für das Gesamtbild ABZU bekommt. All das geschieht ohne jede Art von Text oder Dialog, was genug Freiraum lässt, um zu interpretieren, zu spekulieren, zu träumen.

ABZU hat sogar eigens dafür bestimmte Orte im Spiel eingeräumt. In jedem Gebiet könnt ihr Statuen entdecken, auf denen eure Taucherin Platz nimmt, um zu meditieren und die Welt um sich herum zu beobachten. Wie lange ihr in dieser Meditation verweilt, bleibt euch überlassen. Dabei könnt ihr von einem Fisch(schwarm) zum nächsten springen und das Gesetz des Stärkeren in Aktion beobachten.

Für euch besteht dabei - wie auch im restlichen Spiel - keine Gefahr. Es ist nicht möglich in ABZU zu sterben, selbst wenn es gerade im späteren Spielverlauf Situationen gibt, die bedrohlich wirken. Es gibt weder Feinde, die ihr bekämpfen müsst, noch zeitliche Einschränkungen. Es gibt nur euch, die Weiten des Ozeans und den vielleicht entspannendesten, hübschesten spielbaren Bildschirmschoner aller Zeiten.

Mal mehr und mal weniger abwechslungsreich

ABZU präsentiert unterschiedliche Landschaften und LichtstimmungenABZU präsentiert unterschiedliche Landschaften und Lichtstimmungen

Obwohl das Spiel fast vollständig Unterwasser spielt, sind die Meereslandschaften, die uns präsentiert werden, erstaunlich abwechslungsreich. Das Team von Giant Squid spielt nicht nur mit verschiedenen Lichtarten, sondern auch mit der Tiefe des Meeres und den Bewohnern, die wir in dessen dunkelsten Gräben finden. So schwimmen wir nicht nur durch helle Algenwälder, sondern tauchen auch mit Walen, erkunden enge Schächte und gefährliche Minenfelder.

Die Vielfalt, die uns visuell geboten wird - egal, ob bei Landschaften oder Fischen-, findet sich allerdings nicht im Gameplay oder Leveldesign wieder. Während die Level trotz einer thematisch ähnlichen Basis optisch zwar immer wieder beeindrucken, ist das Gameplay sehr simpel. Im Prinzip besteht es aus ein paar grundlegenden Elementen, die sich konstant wiederholen, ohne sich dabei allzu stark anzupassen.

Ihr schwimmt/taucht, reitet ab und zu auf Meeresbewohnern, beobachtet sie während der Meditation oder stoßt einen Klanglaut aus, der euch mit eurer Umwelt interagieren lässt. Via Knopfdruck könnt ihr so Teil eines Schwarms werden, Gegenstände bewegen oder kleine Drohnen kontrollieren. Dieses minimalistische Gameplay ermöglicht dank intuitiver Steuerung zwar einen schnellen und einfachen Einstieg, könnte aber für alle, die sich mehr erhoffen, schnell langweilig werden.

Der leidige Journey-Vergleich

Ähnlich wie Journey bietet auch ABZU keine Gameplay-Revolution oder Abwechslung en Masse, was bei einem Spiel von circa drei Stunden auch kaum möglich gewesen wäre. Anders als der PlayStation-Klassiker von Thatgamecompany schafft es ABZU allerdings nicht, ein unvergessliches, emotionales Erlebnis zu vermitteln, das noch lange nachklingt.

Oft scheint es, als wären die Macher des Spiels gerade im Bezug auf das Gameplay zu sehr auf Nummer sicher gegangen, anstatt Risiken wie Journeys ungewöhnlichen Multiplayer-Modus einzugehen. Gepaart mit einer Geschichte, die es aufgrund ihrer Undefiniertheit nicht schafft, emotional die richtigen Töne zu treffen, bleibt ABZU etwas zu blass, um sich auf eine Stufe mit seinem spirituellen Vorgänger stellen zu lassen.

Abzu - Gameplay-Trailer zum Unterwasser-Spiel Abzu - Gameplay-Trailer zum Unterwasser-Spiel


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