Gravity Rush 2 im Test - Gefangen in der Schwerelosigkeit

Gravity Rush 2 entpuppt sich im Test als konsequente Fortsetzung, die größer und hübscher ist als Teil 1 – aber nicht unbedingt besser.

von Mirco Kämpfer,
11.01.2017 15:30 Uhr

Gravity Rush 2 für PS4 im Test.Gravity Rush 2 für PS4 im Test.

Die meisten dürften Kat vor knapp einem Jahr zum ersten Mal kennengelernt haben. Die Heldin aus Gravity Rush, das ursprünglich 2012 für PlayStation Vita und 2016 als Remaster für PlayStation 4 erschien, kann mithilfe ihrer magischen Katze Dusty die Schwerkraft austricksen. Das erlaubt es ihr, wie ein Heliumballon über die Wolken zu steigen und seitlich an Hausfassaden entlangzutanzen - oder einfach nur schwerelos in der Luft zu schweben.

Die gesamte Spielmechanik des Action-Adventures drehte sich darum, dass ihr jederzeit auf Knopfdruck die Erdanziehungskraft manipulieren könnt - was ein herrliches Freiheitsgefühl weckte. In Gravity Rush 2 wird Kenner des ersten Teils hingegen eher das Gefühl der Vertrautheit beschleichen, denn obwohl das Abenteuer größer, hübscher und vielfältiger als der Vorgänger daherkommt, fehlt diesmal der Wow-Effekt.

Gravity Rush 2
Genre: Action
Release: 18.01.2017

(Fast) alles beim Altem

Wer Gravity Rush auf der Vita beziehungsweise die Remastered-Version auf der PS4 gespielt hat, braucht nur fünf Minuten Eingewöhnungszeit, denn die Steuerung haben die Entwickler 1:1 beibehalten. Aber auch Neulinge kommen dank zahlreicher Tutorials schnell zurecht.

Die Nevi sorgen mal wieder für Angst und Schrecken. Das Kreaturendesign ist ausgefallen, aber monoton.Die Nevi sorgen mal wieder für Angst und Schrecken. Das Kreaturendesign ist ausgefallen, aber monoton.

Auf Tastendruck wechselt ihr zwischen Gravitation und Schwerelosigkeit, um völlig frei durch die Luft zu schweben. Die schwarzen, wabbeligen Nevi-Monster, die an Insekten aus Lakritze erinnern, besiegt ihr mit Kombos und Gravitationskicks genannten Luftangriffen. Wahlweise pfeffert ihr ihnen mit einem Stasisfeld aber auch Umgebungsobjekte an ihre purpurn leuchtende Schwachstelle.

Kolumne: Gravity Rush 2 verschwendet sein bestes Feature

Gravity Rush 2 spielt sich flott und angenehm flüssig, aber Vorsicht: Da die Perspektive in der Schwerelosigkeit ständig wechselt, müsst ihr euch darauf einstellen, immer wieder die Kamera nachzujustieren, um nicht den Überblick zu verlieren. Die Übersicht würde angesichts der offenen und im Vergleich zum Vorgänger deutlich größeren Spielwelt ohnehin flöten gehen, würden euch nicht ständig Pfeilmarkierungen zum nächsten Ziel lotsen.

Die neue, schwebende Luftboot-Stadt ist weitläufiger, lebendiger und hübscher als das eher düstere Hekseville des Vorgängers und bietet euch mit Nebenmissionen, Herausforderungen und sammelbaren Nevi-Kristallen zum Upgraden eurer Kräfte wieder allerhand Möglichkeiten, euch die Zeit zu vertreiben. Alles wie gewohnt also.

Talismane, Kampfstile und Online-Features

Gravity Rush 2 kommt jedoch auch mit einem neuen Online-Feature daher: die Schatzjagd. Hin und wieder erscheint der Hinweis, dass ein fremder Spieler einen Schatz gefunden und davon ein Foto geschossen hat. Nun müsst ihr anhand dieses Bildes das Kästchen in der Umgebung finden und eurerseits ein Foto für die Community knipsen.

Die Schätze bestehen neben Kristallen auch aus neuen Gesten, Kostümen oder Dekoartikeln für euren Unterschlupf. Gelegenheitsspielern wird das zwar nur ein Schulterzucken entlocken, da die kosmetischen Items keinerlei spielerischen Nutzen bringen, doch akribische Sammler können in die Schatzjagden etliche Stunden Spielzeit versenken.

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Spielerisch relevanter sind dagegen die neuen Kampfstile, die ihr per Wischgeste auf dem PS4-Touchpad wechselt. Der Stil verändert nicht nur die Art der Fortbewegung, sondern auch Kats Kräfte. Im Lunar-Stil etwa seid ihr leicht wie eine Feder und könnt daher ähnlich wie im Xbox-Spiel Crackdown turmhohe Sprünge ausführen.

Im Gegensatz dazu mutiert ihr im Jupiter-Stil zum Schwergewicht, um brüchige Wände zu zerbröseln oder einen besonders mächtigen Sprungangriff aufzuladen. In Kombination mit den ebenfalls neuen Talismanen, die euch passive Boni (beispielsweise höhere Angriffskraft oder Wurfreichweite) bescheren, sorgen die verschiedenen Stile für mehr Individualisierungsmöglichkeiten.

Unterschiede PS4/Pro
Auf der PS4 Pro läuft Gravity Rush 2 in einer höherer Auflösung und bietet 4K-Downsampling für Full-HD-Fernseher, was in etwas schärferen Objektkanten resultiert. Aufgrund der vielen Verwischeffekte und des hohen Spieltempos fallen im Vergleich jedoch kaum optische Unterschiede zur (alten) PS4 auf. Framerate-Einbrüche haben wir selbst bei Massengefechten weder auf der PS4 Pro noch auf der Standard-PS4 bemerkt.

Zugegeben sind die unterschiedlichen Kampfstile ganz nett, vom Hocker reißen sie aber niemanden - ebenso wenig wie die extrem banalen Nebenmissionen. Die meiste Zeit erledigt ihr belanglose Such- und Sammelaufgaben, Kat verkommt zum Dienstmädchen für Nebensächlichkeiten. Eine Schande, wie wenig Gravity Rush 2 aus dem eigentlich innovativen Spielkonzept herausholt, zumal es nach wie vor keine Gravitationsrätsel gibt.

Erzählerisch mau

Während Gravity Rush 2 spielerisch auf der Stelle tritt, macht es erzählerisch sogar einen Schritt rückwärts: Zwar dürft ihr euch auf ein Wiedersehen mit Syd und Raven freuen, die Geschichte rund um ein Arbeitervolk, das sich mit Erzschürfen die Brötchen verdient, könnte jedoch langweiliger nicht sein. Immerhin sind die Comicpanels, die den roten Faden weiterspinnen, wieder wunderschön anzusehen.

Die Comicpanels sind wieder hübsch gestaltet.Die Comicpanels sind wieder hübsch gestaltet.

Und das gilt auch für die eigentliche Spielgrafik: Der farbenfrohe Cel-Shading-Look sieht ebenso wie die malerische Beleuchtung der einzelnen Gebiete fantastisch aus. Wer den Vorgänger nicht kennt, bekommt mit Gravity Rush 2 ein originelles Actionspiel abseits des Mainstreams. Kenner des Vorgängers sollten aber keinen großen (Gravitations-)Sprung erwarten.


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