Sleeping Dogs im Test - Handkanten-Action in Hongkong

Sleeping Dogs zeigt, wie Hongkongs Action-Spezialist John Woo ein Spiel der Grand Theft Auto-Reihe inszenieren würde. Das Open-World-Spiel für PlayStation 3 und Xbox 360 zeigt in unserem Test, was es auf dem Kasten hat.

von Kai Schmidt,
14.08.2012 18:00 Uhr

Test-Video zu Sleeping Dogs Test-Video zu Sleeping Dogs

Das Spielprinzip von Sleeping Dogs für PlayStation 3 und Xbox 360 wirkt zunächst etwas altbacken: Wir haben uns schon oft mühsam vom Kleinganoven bis zum Verbrecherboss hochgearbeitet. Naja, zumindest in Videospielen wie Grand Theft Auto oder Saints Row . Blut, Schweiß und Tränen fließen dabei meist literweise – vor allem ersteres, denn nicht selten ist ein Verbrecherleben mit handfesten Auseinandersetzungen verbunden. Zum Beispiel, wenn man einen höher gestellten Ganovenbruder hintergehen und ihn um die nächste Ecke bringen will.

In Deutschland später
Sleeping Dogs erscheint am 17.8.2012. Allerdings nur in der internationalen Fassung. Die deutsche USK-Version ab 18 Jahren - mehr dazu auf der letzten Seite - gibt es erst einige Wochen später.

Meist werden solche Angelegenheiten mit bleiernen Kopfschmerztabletten oder stählernen Grüßen aus Solingen erledigt. Nicht so in Sleeping Dogs von United Front Games und Square Enix: Statt wild durch die Gegend zu ballern, nutzt der Held Wei Shen viel lieber seine Handkanten. Kein Wunder, schließlich spielt der ehemals als True Crime: Hongkong angekündigte Open-World-Titel ebendort – da dürfen elegante Kung-Fu-Fights selbstverständlich nicht fehlen! Und auch sonst hat das Spiel dem üblichen Open-World-Gangster-Einerlei einen willkommen frischen, asiatischen Touch voraus.

Im Berufsverkehr von Hongkong ist es immer gut, eine Waffe im Handschuhfach zu haben – aber nicht nachmachen!Im Berufsverkehr von Hongkong ist es immer gut, eine Waffe im Handschuhfach zu haben – aber nicht nachmachen!

Sleeping Dogs
Genre: Action
Release: 3. Quartal 2012

Undercover in Hongkong

Getreu dem ursprünglichen True Crime -Konzept ist Wei Shen kein simpler Ganove, der sich seinen Weg an die Spitze eines Verbrecherimperiums bahnt, sondern ein Undercover-Polizist. Frisch aus San Francisco angereist, will Shen die Unterwelt von Hongkong ordentlich aufmischen und nebenbei Rache für den Tod seiner Schwester nehmen. Nur zwei Personen wissen zu Beginn des Spiels über Shens wahre Identität Bescheid. Darum hat der asiatische Sonnyboy, der auch eine Karriere als Unterwäschemodel hätte einschlagen können, keine »Ich komme sowieso wieder aus dem Gefängnis raus«-Freikarte und liefert sich immer wieder knallharte Scharmützel mit seinen »Kollegen« von der Polizei.

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Der Anfang des Spiels ist noch streng linear: Shen soll mit einem Kumpel Schutzgeld auf dem Nachtmarkt eintreiben. Dabei wird der Spieler nach und nach in die Feinheiten der Spielmechanik eingeführt, ohne Gefahr zu laufen, von den Verlockungen einer offenen Spielwelt erschlagen zu werden: Als Neuling in der Organisation schickt uns der Boss auf den berühmten nächtlichen Markt von Hongkong, um Schutzgeld einzutreiben und nebenbei einem Konkurrenten, der Besitzansprüche anmeldet, eins auszuwischen.

An den Buden reden wir mit Händlern und staunen über die Atmosphäre: Menschen strömen über den Handelsplatz, bunte Lampions werfen Lichtinseln zwischen die Stände, an denen von Kleidung über Fisch und Fleisch bis hin zu DVD-Raubkopien alle erdenklichen Waren angeboten werden. Grafiker und Leveldesigner haben hier ein Stück reales Honkong ins Videospiel gezaubert, ein Hauch von Shenmue 2 durchweht das Geschehen.

Handgemenge auf dem Markt

Doch nicht alle Händler sind kooperativ, und wir müssen bald zu handfesten Argumenten greifen. Wir lernen nach und nach die Feinheiten des Kampfsystems, das sehr an den »Freeflow Combat« erinnert, wie man ihn etwa aus Batman: Arkham City kennt – erst gegen einen, dann gegen zwei und schließlich gegen noch mehr Kämpfer. Nach kurzer Eingewöhnung flutscht das martialische Geprügel wie geschmiert, nur drei Knöpfe sind nötig: Die einzige Angriffstaste variiert kurzes Antippen und gedrückt halten zu Kombos, die Kontertaste brauchen wir nur, wenn ein Angreifer aufleuchtet und so eine Aktion ankündigt.

Dank des Freeflow-Kampfsystems laufen die Kloppereien schön dynamisch ab.Dank des Freeflow-Kampfsystems laufen die Kloppereien schön dynamisch ab.

Außerdem können wir den Gegner packen und im Haltegriff verprügeln oder zu Boden werfen. Haben wir einen Bösewicht im Schwitzkasten, zerren wir ihn wahlweise quer über die Kampfzone, um ihn etwa mit Schmackes Gesicht voran auf eine Tischplatte zu knallen, auf spitzen Objekten aufzuspießen oder kurzerhand in einen offenen Müllcontainer zu befördern.

Das funktioniert alles ganz gut, allerdings fehlt ein wenig die Dynamik, die Batmans Kämpfe auszeichnet. Bei Sleeping Dogs wirken die Bewegungen zunächst stellenweise doch etwas abgehackt, was auch am anfangs noch übersichtlichen Move-Set liegt. Zudem ist das Zeitfenster, in dem wir den Konter anbringen müssen, etwas großzügiger bemessen als beim Dunklen Ritter, sodass auch Nicht-Action-Experten von Anfang an ihren Spaß haben und schnell beachtliche Kombos zustande bringen.


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