BioShock Infinite - Über den Wolken untergehen

Trotz seines luftigen Szenarios fühlt sich BioShock Infinite wie ein echtes BioShock an. Irrational Games' Shooter-Fortsetzung könnte seine beiden Vorgänger sogar buchstäblich versenken.

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Kleiner Ausflug in die Welt des Spielejournalismus: Auf Presseveranstaltungen ist es oft üblich, den Redakteuren sogenannte Produkt-Demos zu zeigen. Das sind 15 bis 30 Minuten dauernde Spielabschnitte, die von den Entwicklern so zusammengestellt wurden, dass sie einen möglichst spektakulären Eindruck vom Spiel hinterlassen. Quasi ein Best-of, das in dieser Form zwar nie auf den Festplatten der wartenden Fans landet, aber effektiv zeigt, was darauf landen könnte.

Eine solche Demo haben wir uns in Los Angeles von BioShock Infinite zeigen lassen. Wenn der Entwickler Irrational Games auch nur die Hälfte von dem so umsetzt, wie es die Vorschau verspricht, dann dürfen wir uns 2012 auf einen echten Shooter-Knaller freuen.

Zwei gegen einen. Einen großen.

Nicht nur Booker, auch seine Gegner können durch beherzte Sprünge von einer Skyline (rechts unten) zur nächsten springen. Nicht nur Booker, auch seine Gegner können durch beherzte Sprünge von einer Skyline (rechts unten) zur nächsten springen.

Schon der Beginn der Demo von BioShock Infinite ist mitreißend, obwohl (erst mal) gar nichts kracht, rumst oder explodiert. In der Haut des Ex-Pinkerton-Detektivs Booker DeWitt folgen wir dem KI-gesteuerten Mädchen Elisabeth in einen Souvenir-Shop. Die Wände, Säulen und Vorhänge sind in typisch amerikanisches Rot-Weiß-Blau getaucht, überall kleben Poster einstiger Präsidenten, in den Regalen stapeln sich Büsten, Bücher und andere billige Mitbringsel.

Die Liebe zum Detail ist beachtlich. Fein animiert setzt sich Elisabeth eine Pappmaske von Abraham Lincoln auf und imitiert mit tiefer Stimme dessen letzte Rede. »Los jetzt, Mr. President«, spöttelt Booker. »Lass uns was Brauchbares finden.« Gar nicht so leicht in all dem Chaos. Hier haben zuvor wohl ein paar Randalierer gewütet. Dennoch erstöbert DeWitt eine Pistole, etwas Geld und einen Haken: »Der könnte noch nützlich sein.«

Bevor wir uns die Frage stellen können, wofür, erschüttert ein heftiges Beben den Raum. Irgendetwas kreischt, der Boden wackelt, die Fenster bersten. Draußen wütet ein riesiges Ungeheuer, faucht, zischt und donnert gegen die glücklicherweise massiven Mauern. Dann ist es plötzlich weg. »Lass uns gehen«, flüstert Elisabeth, »wir sind hier nicht sicher.«

Columbia stürzt gerade ab

In Columbia brodelt es. Anhänger der Vox Populi sind nicht gut auf den religiösen Nationalisten Comstock zu sprechen. In Columbia brodelt es. Anhänger der Vox Populi sind nicht gut auf den religiösen Nationalisten Comstock zu sprechen.

Schauplatz dieses Schreckmoments ist Columbia, eine pompöse Stadt in den Wolken, die einst von Z.H. Comstock erbaut worden war, um die technologische wie intellektuelle Überlegenheit der USA zu demonstrieren. Wie schon bei der Unterwasser-Utopie Rapture aus BioShock und BioShock 2 ging dieser Plan allerdings gründlich in die Hose. Doch anders als bei den Vorgängern stromern wir in BioShock: Infinite nicht durch eine weitgehend verlassene Geisterstadt, sondern erleben hautnah mit, wie Columbia den Bach runter geht.

Auslöser ist der Konflikt zwischen den Founders, einer Gruppe religiöser Nationalisten unter der Führung von Comstock, und der Vox Populi, linksextremen Rebellen, die Irrational-Games-Chef Ken Levine als die Bioshock-Variante der Rote Armee Fraktion (RAF) bezeichnet. Das Resultat: In den Straßen Columbias herrscht Krieg. Überall bekämpfen sich Menschen, werfen Brandsätze durch Fensterscheiben, Geschrei, Schüsse, Anarchie. »Schnell weiter«, ruft Booker. »Bloß keine Aufmerksamkeit erregen.«

Der Ex-Pinkerton weiß, warum. Denn Elisabeth, seit ihrem fünften Lebensjahr in einem Turm Columbias festgehalten und von einem mechanischen Riesen-Greifvogel namens Songbird bewacht, trägt eine mysteriöse Kraft in sich, die sowohl die Founders als auch die Vox Populi für sich beanspruchen wollen.

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