Activision Blizzard-Klage könnte scheitern – Publisher will Ethikverstöße der Kläger untersuchen

Activision Blizzard will gegen die kalifornische Bürgerrechtsbehörde vorgehen, die den Publisher wegen Diskriminierung verklagt hat. Inzwischen ist der ganze Fall äußerst komplex.

von Samara Summer,
20.10.2021 14:00 Uhr

Der Fall der Diskriminierungsklagen gegen Activision Blizzard ist inzwischen sehr komplex. Der Fall der Diskriminierungsklagen gegen Activision Blizzard ist inzwischen sehr komplex.

Im Fall der großen Diskriminierungsklage einer kalifornischen Bürgerrechtsbehörde gegen Activion Blizzard gibt es eine neue Wendung. Nachdem inzwischen weitere Klagen gegen den CoD-Publisher im Raum stehen, will Activision Blizzard nun Berichten zufolge gegen die erste klagende Bundesbehörde, das "California Department of Fair Employment and Housing" (DFEH), vorgehen. Hier erfahrt ihr mehr über die neue Entwicklung und wie es dazu kam.

Aktuelle Entwicklung und Klagen

Darum geht es: Activision Blizzard wurde im Juli von der kalifornischen Bürgerrechtsbehörde DFEH wegen sexueller Diskriminierung verklagt. Nun hat der Publisher mehr Zeit erbeten, um mutmaßliche Ethikverstöße der Behörde zu untersuchen, um das DFEH möglicherweise dadurch von dem Fall ausschließen zu können. Wie Kotaku berichtet, könnte dies "den DFEH-Fall zerreißen".

Wie kam es zu dieser neuen Entwicklung? Inzwischen gibt es mehrere Klagen gegen Activision Blizzard. Im Juli warf das DFEH dem Publisher vor, "eine allgegenwärtige Arbeitskultur wie in einer Studentenverbindung" zu fördern, bei der Frauen kontinuierlich sexuellen Belästigungen ausgesetzt seien, ungleich bezahlt würden und weitaus schlechtere Karrierechancen erhielten.

Weitere Klagen: In einer zweiten Klage im September warfen die Angestellten selbst dem Publisher Gewerkschaftszerschlagung und Einschüchterung vor. Noch im selben Monat kam eine dritte Klage hinzu. Dieses Mal klagte die EEOC (Equal Employment Opportunity Commission). Erneut ging es um sexuelle Belästigung und Diskriminierung. Im letzten Fall erklärte sich Activision Blizzard bereit, 18 Millionen US-Dollar an Betroffene zu zahlen, wobei der Publisher weiter ein Fehlverhalten leugnete.

Antrag auf Intervention

Das DFEH, also die Behörde, die zuerst geklagt hat, stellte jedoch kürzlich einen Antrag auf Intervention gegen die Einigung zwischen dem EEOC und Activision Blizzard. Als Grund sei angegeben worden, dass die Vergleichsbedingungen dem eigenen Fall der DFEH großen Schaden zufüge.

Warum das? Das DFEH hatte Bedenken wegen einer Klausel im Vergleich: Diese fordert, dass Activision Blizzard alle Anschuldigungen wegen sexueller Belästigungen aus den Personalakten der Geschädigten löschen dürfe, die den Ausgleich bekommen. Im Antrag der DFEH wird dargestellt, dass es sich bei diesen Einträgen um Beweise handle, die für das eigene Verfahren entscheidend seien und die durch die Klausel vernichtet werden dürften.

Die EEOC wehrt sich mit eigenen Vorwürfen: Die EEOC warf dem DFEH daraufhin laut Kotaku mehrere Ethikverstöße vor. Dabei geht es um zwei Anwälte, die, wie das Portal buffed berichtet, zuvor im Rechtsstreit gegen Activision Blizzard führend für die EEOC tätig waren und inzwischen für das DFEH arbeiteten. Bei diesem Wechsel könne laut buffed gegen kalifornische Standesregeln verstoßen worden sein.

Activision Blizzard nutzt Vorwürfe

Die Vorwürfe, die die EEOC gegen das DFEH vorgebracht hat, nutzt Activision Blizzard nun, um eine Aussetzung der eigenen Verhandlung mit dem DFEH zu beantragen. In der zusätzlichen Zeit wolle der Publisher die Vorwürfe gegen das DFEH untersuchen und die Behörde aus dem Diskriminierungsfall ausschließen – falls sich die Verstöße bewahrheiten sollten.

Antrag "ex parte" gestellt: Activision Blizzard stellte den Antrag, wie Kotaku schildert, "ex parte". Das bedeutet, dass er besonders dringlich ist und aufgrund dessen ein reguläres Gerichtsverfahren überspringen könnte. Das erfolgt wohl als Antwort darauf, dass auch das DFEH seinen Antrag auf Intervention zuvor ex parte gestellt hat. Dieser wurde allerdings vom Gericht abgelehnt.

Weitere Vorwürfe gegen das DFEH: Neben den Vorwürfen, die denen der EEOC gleichen, kritisiert Activision Blizzard außerdem laut Kotaku den Umgang des DFEH mit den Mitarbeitenden des Publishers. Laut Activision Blizzard habe die Behörde die Angestellten davor gewarnt, das Recht zu nutzen, sich externe Anwälte zu nehmen, um stattdessen ausschließlich mit dem DFEH zu kooperieren.

So viel ist klar: Aus der Diskriminierungsklage, bei der es um die Arbeitsbedingungen der Angestellten bei Activision Blizzard ging, ist inzwischen ein kompliziertes juristisches Geflecht geworden, bei dem die verschiedenen Parteien miteinander im Zwist stehen.

Was haltet ihr von dieser neuen Wendung?

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