Amnesia Rebirth ist das Horror-Game, auf das ich gewartet habe

Unsere Freie Autorin Samara hat sich durch Amnesia: Rebirth gegruselt und verrät euch, ob der Horror-Trip für die PS4 lohnt.

von Samara Summer,
19.10.2020 18:44 Uhr

Samara hat Amnesia: Rebirth gespielt und hatte sehr viel "Spaß". Samara hat Amnesia: Rebirth gespielt und hatte sehr viel "Spaß".

Frictional Games vermischt in Amnesia: Rebirth, dem direkten Sequel zu Amnesia: The Dark Descent, auf PS4 ab sofort Altbewährtes mit frischen Aspekten. Dieses Mal finden wir uns nach einem Flugzeugabsturz alleine und unseren Erinnerungen beraubt in der Wüste wider.

Wie beim Vorgänger erwarten euch typische Horror-Mechaniken: Umgebungs-Puzzles, Stealth-Passagen, Verfolgungsjagden, keine Waffen, Survivalaspekte und viele versteckte Notizen. Allerdings sind die Settings wesentlich abwechslungsreicher als die Gemäuer im ersten Teil. Auch die sympathische Protagonistin Tasi, die wir erneut aus der Egoperspektive steuern, unterscheidet sich deutlich von Daniel aus Teil eins.

Neue Wege im Wortsinn

Die sengende Sonne Algeriens, eine militärische Festung in den 30er-Jahren: Amnesia: Rebirth entführt uns unter anderem an genreuntypische Schauplätze. Mithilfe eines mysteriösen Amuletts können wir außerdem Portale öffnen und Zutritt zu einer anderen Dimension erlangen. Dadurch wird das Spiel auf weite Strecken sehr abgespaced. Die surrealen Settings sind stimmungsvoll designt und wecken bei mir sofort Assoziationen mit Lovecraft-Storys oder HR Gigers Kunst.

Neue Wege im übertragenen Sinne

Auch wenn die Story einige Parallelen zu The Dark Descent aufweist, wie die anfängliche Amnesie der Hauptperson, fühlt sich die Geschichte von Rebirth ganz anders an als die des ersten Teils.

Woran liegt das?

Dem Viktorianer Daniel stand ich damals eher distanziert gegenüber. Ich hatte schnell den Verdacht, dass er womöglich vor seiner Amnesie kein netter Kerl war. Tasi ist dagegen sehr zugänglich, für ihre Zeit eine moderne Frau und wesentlich gesprächiger. Sie nimmt mich mit sympathischen Monologen und glaubwürdiger Synchro sofort für sich ein und ihr Charakter erhält nur durch eine Szene im Late Game einen Bruch, der mir nicht ganz passend erscheint, über den ich aber hinwegsehen kann.

Ich möchte mit Tasi erfahren, was geschehen ist.

Denn nach einem Flugzeugabsturz in der Wüste kann sich die Bauzeichnerin nicht mehr erinnern, wo die anderen Passagiere - unter anderem ihr Mann Salim - abgeblieben sind. Wir folgen den blutigen Spuren des Forschungstrupps, mit dem sie zu einem Bergbauprojekt unterwegs war. Dabei steht die Hoffnung im Vordergrund, doch noch ein gutes Ende zu finden. Nicht wie bei Teil eins diese Mischung aus Neugierde und: "Uah, will ich überhaupt wissen, was die da getrieben haben?"

Trailer zu Amnesia: Rebirth, der euch das Blut in den Adern gefrieren lässt. 1:43 Trailer zu Amnesia: Rebirth, der euch das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Der Einsatz von Tasis Zeichnungen in Cutscenes und die Erinnerungen an glückliche und amüsante Momente mit Mann und kleiner Tochter sorgen für eine dichte sowie melancholische Atmosphäre.

Amnesia: Rebirth hat es geschafft, dass ich über mich selbst staune.

"Wir wollten Spielende in eine Situation bringen, die sie noch nie zuvor in einem Game erlebt haben", erklären die Entwickler. Ja, in Amnesia: Rebirth sind wir tatsächlich "in anderen Umständen". Soll heißen: Tasi erinnert sich nach kurzer Zeit, dass sie schwanger ist. Gelegentlich müssen wir auch mit dem Babybauch agieren.

Bevor jetzt jemand schreit: "Das muss ich in einem Horror-Game echt nicht haben." - Das hätte ich wohl auch gesagt. Aber als ich mich darauf eingelassen habe, hat die Storykomponente sehr gut funktioniert. Tasis Angst und ihr Wille, den Schrecken zu trotzen, sind dadurch umso greifbarer und intensiver.

Und die Monster?

Bei den Monstern, mit denen wir in Amnesia: Rebirth konfrontiert werden, handelt es sich um menschenähnliche verrottete Wesen. Zu ihren Hobbys gehört: aus Wandlöchern kriechen, schleimige Nester bauen und uns jagen. Da die Monsterbegegnungen aber eher sporadisch ausfallen, stellt sich kein Gewöhnungseffekt ein, was ich sehr schätze.

Monster Wer Amnesia: Rebirth spielt, der braucht gute Nerven. Habt ihr die, werdet ihr mit tollem Horror belohnt.

Trupp Die blutigen Spuren des Forschungstrupps sind deutlich sichtbar.

Düster Mit Tasi durchwandern wir düstere und schaurige Schauplätze.

Keine Verschnaufpausen durch das "Vernunftssystem":

Schreckliche Anblicke - wie massakrierte Soldaten in der Festung - und völlige Dunkelheit stressen Tasi zunehmend, bis sie die Kontrolle verliert. Düstere Räume werden zu einer echten Bedrohung. Hier greift der Survival-Aspekt. Mit Streichhölzern, die wir finden können, lassen sich Lichtquellen entzünden, aber sie brennen sehr schnell herunter. Selbiges gilt für das Öl in unserer Lampe. Es lohnt sich, jeden Stein umzudrehen, um neues Material zu finden.

Kurbelaufzug, Panzer oder Teleporter - nix funktioniert: Überall müssen wir Hand anlegen. Die Rätsel-Komplexität nimmt im Spielverlauf zu, und nach Abschluss bin ich fit für meinen Master in außerweltlicher und historischer Technologie. Die Mechaniken sind größtenteils recht intuitiv und verleihen dem Game ein leichtes Adventure-Feeling.

Amnesia: Rebirth werde ich nicht so schnell vergessen.

Der Horrorfaktor hat gestimmt: Das Spiel von Entwickler Frictional Games hatte gute Gruselmomente und hat mich auch mal mit gewollt unangenehmen Szenen konfrontiert. Im Vordergrund stand aber für mich die Neugierde, die coole Mysterywelt zu erkunden. Amnesia: Rebirth ist was für aufgeschlossene Horrorfans, die ein abwechslungsreiches Spiel zu schätzen wissen, aber auch für alle Fans von storydriven Games, die starke Nerven mitbringen. Außerdem solltet ihr keine Angst vor viel Text haben, denn das Lesen der Notizen bringt einen echten Mehrwert.

Werdet ihr den Horrortrip mit Tasi wagen?

zu den Kommentaren (27)

Kommentare(27)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.