Meine Animal Crossing-Insel ist ein ‘Kleingarten’ auf eBay & heiß begehrt

Um sich in schweren Zeiten abzulenken, hat Hannes seinen Animal Crossing-Spielstand auf eBay als Kleingarten ausgegeben. Mit den Reaktionen hat er nicht gerechnet.

von Hannes Rossow,
25.12.2020 16:01 Uhr

Auf meine Animal Crossing-Insel gab es überraschend viel Andrang. Auf meine Animal Crossing-Insel gab es überraschend viel Andrang.

Bei all den furchtbaren Dingen, mit denen wir 2020 zu kämpfen hatten und immer noch haben, hatte das auslaufende Jahr aber auch ein paar kleine Lichtblicke zu bieten. Für mich waren das einerseits der Spaß, den ich mit Animal Crossing: New Horizons hatte und andererseits der schnieke Kleingarten, den ich mir gekauft habe. Ein kleines, grünes Pachtland mit einem alten Holz-Bungalow - ein Spießer-Traum wurde wahr.

Im Zuge der Übernahme des Gartens mussten ich und meine Mit-Investoren allerdings eine Reihe an alten Möbeln, Deko-Gegenstände und Garten-Accessoires loswerden. Zum Glück gibt es aber eBay Kleinanzeigen, eine Fundgrube, in die man alles werfen kann. Irgendwer wird es schon auffangen und seinen Spaß damit haben. Absurde Chat-Verläufe und wahnwitzige Forderungen ("Darf ich mir Fische aus dem Teich abholen?") machten die Entrümpelung aber schwerer als erwartet.

Ein Animal Crossing-Schrebergarten als frecher eBay-Streich

Und während dieser langen, oft frustrierenden Zeit, die ich auf eBay Kleinanzeigen verbracht hatte, kam irgendwann Animal Crossing ins Spiel. Wenn ich schon auf Kleiderschränke, alte Fischteiche und eine gut erhaltene Couch brüllend komische Reaktionen erhalte, was würde ich erst für Nachrichten bekommen, wenn ich da ein echtes Quatsch-Angebot einstellen würde? Warum nicht einfach meine mäßig gepflegte Insel aus Animal Crossing: New Horizons als Schrebergarten ausgeben?

Keine Sorge! Ich hatte natürlich niemals vor, auf ernstgemeinte Angebote einzugehen oder tatsächlich Geld anzunehmen. Die Annonce ist mit einem Augenzwinkern geschrieben und niemand wäre hier jemals zu Schaden gekommen. Nur damit hier niemand böse Absichten bei mir befürchten muss.

Gesagt, getan.

Ein Rundgang über "Usedom" und ein "Rosalinde Schulze"-Alias später war ich fertig. Alles vernünftig in den richtigen Kategorien angeben und schon war die Anzeige online - "Voll möblierter Bungalow mit gepflegtem Grundstück abzugeben", Preis auf Verhandlungsbasis:

Erst professionell, dann wahnsinnig: Um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen, gibt es erst einmal einen vernünftigen Einstieg, der die wichtigsten Daten abklappert. Doch die Animal Crossing-Aura schlägt schnell durch: Wrestling-Figur, Tanksäule und ein mannshoher Teddybär - das ist selbst für eBay-Verhältnisse außergewöhnlich. Spätestens bei der Nachbarschaft, die sich gegenseitig selbst gemachte Kleidung schenkt, muss jeder Schnäppchenjäger seinen Verstand verlieren.

Zum Vergleich: So sah es auf meiner Insel und meinem Häuschen tatsächlich aus:

Wohnzimmer Mein Bär wertet die Immobilie besonders auf.

Schlafzimmer Ruhig gelegen und sehr gemütlich.

Haushaltsraum Mein Anbau mit dreckigen Erdwänden hat alles, was man so braucht.

Es dauerte nicht lang und die ersten Nachrichten trudelten ein. Ich rieb mir die Hände. "Das wird lustig", dachte ich mir. Ein paar Antworten auf Nachfragen hatte ich mir schon zurechtgelegt: "Warum wird bei den Werkzeugen ein Sprungstab aufgeführt?" "Naja, wie wollt ihr sonst über den Bach kommen, der quer über das Grundstück verläuft?"

Andrang auf das Animal Crossing-Paradies

Die erste Anfrage war wenig spannend:

"Hallo. Wo befindet sich das Objekt? Was soll es kosten? Haben Sie Fotos?"

Natürlich habe ich keine Fotos. Offenbar hat hier jemand einfach die Anzeige nicht richtig gelesen. Das kann doch niemand wirklich ernst nehmen, oder? Oh doch. Und wie ernst sogar. Immer mehr Nachrichten trafen ein, und die Reaktionen waren fast überwältigend positiv.

"Hallo, wir haben Interesse an dem hier angebotenen Garten und hätten gern dazu noch weitere Informationen und auch Bilder... Mit freundlichen Grüßen"

"Sehr geehrte Frau Schulze,
wir finden Ihre Anzeige über den Bungalow attraktiv. Wir möchten Sie fragen, um welchen Betrag es sich ungefähr handeln würde? Also was Sie sich finanziell vorstellen würden?"

Hilfe, das ist ja gar nicht witzig oder unterhaltsam. Das sind ernstgemeinte Anfragen mit aufrichtigem Interesse. Ein Blick in die Anzeige: War ich aus Versehen zu seriös? Könnte man das als echten Kleingarten missverstehen? Mit dem Museum, in dem jedes Mitglied aus dem Kleingartenverein Exponate einreichen darf? Mit dem Bambus im Garten? Mit dem Rotfeuerfisch, den man am Badestrand angeln kann?

Es wurde noch schlimmer: Eine junge, "gartenbegeisterte Familie mit kleinen Zwillingen" erzählte mir davon, wie sehr sie sich einen kleinen Gemüseacker wünschen und wie schön es für die Kinder wäre, wenn sie eine Erholungsmöglichkeit im Grünen hätten.

Oh Gott, so lieb. Ich will doch niemanden enttäuschen! Wo sind denn all die Leute hin, die am Tag davor noch dreist die Preise drücken wollten? Aus Reue und Scham nahm ich die Anzeige bald wieder offline, eine Antwort bekam niemand. Etwa zwei Dutzend Anfragen binnen kurzer Zeit landeten am Ende im Postfach. Nahezu durchweg höflich, spezifisch (sie hatten die Anfrage also wirklich gelesen) und oft mit einer persönlichen, herzerweichenden Note.

Ein paar seltsame Fälle gab es dann doch noch.

Wie zum Beispiel jemand, der folgendes von mir wissen wollte:

Das zweifelsfreie Highlight der Anfragen zeigt übrigens, dass Animal Crossing: New Horizon einen ganz bestimmten Charme ausstrahlt, der so manche Leute (n)ostalgisch werden lässt:

Wenn ein Scherz zum Eigentor wird

Eine unerwartete Erkenntnis: Meine Animal Crossing-Insel ist gar nicht so furchtbar. Obwohl ich jede Menge Designentscheidungen getroffen habe, für die mich selbst Küchenschaben ohrfeigen würden, habe ich eine attraktive Immobilie geschaffen. Viel Platz, eine ungewöhnliche aber umfangreiche Ausstattung und eine Community, die zwar schräg ist, am Ende aber vor allem gastfreundlich klingt.

In Animal Crossing: New Horizons geht es oft seltsam zu, das weiß jeder, der dort jemals sein Starter-Zelt aufgeschlagen hat. Aber unter der Oberfläche von Kitsch, Dino-Fossilien und Schuldenfalle versteckt sich ein kleines Idyll, das Ruhe und Geborgenheit verspricht. Tugenden, die leider nicht jeder genießen kann. Kein Wunder, dass Animal Crossing so beliebt ist - ebenso wie mein "Kleingarten".

Mein Plan ist nicht aufgegangen. Ganz im Gegenteil sogar. Statt auf freche Leute frech reagieren zu können, fühlte ich mich wie der ärgste Troll, der anderen Leuten falsche Hoffnungen darauf macht, sich ein kleines Gartenparadies schaffen dürfen. Mit viel Reue im Bauch kann ich sagen, dass mein Experiment gescheitert ist. Und noch einmal würde ich sowas ganz sicher nicht machen. Ich war am Ende selbst zum eBay Kleinanzeigen-Monster geworden - und ich wünschte, ich könnte allen einen echten Garten anbieten.

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