CoD Black Ops Cold War: Wieso der Dirty Bomb-Modus problematisch ist

Call of Duty Black Ops Cold War lässt euch im Multiplayer-Modus Fireteam: Dirty Bomb erst Uran sammeln und dann schmutzige Atombomben zünden. Was daran problematisch ist, klären wir hier.

von David Molke,
15.11.2020 10:00 Uhr

CoD Black Ops: Cold War lässt euch im Fireteam: Dirty Bomb-Modus in Viererteams um die Wette eine Schmutzige Atombombe zünden, was gelinde gesagt problematisch wirkt. CoD Black Ops: Cold War lässt euch im Fireteam: Dirty Bomb-Modus in Viererteams um die Wette eine Schmutzige Atombombe zünden, was gelinde gesagt problematisch wirkt.

Call of Duty Black Ops: Cold War führt einen neuen Multiplayer-Modus namens Dirty Bomb ein. Darin müssen wir Uran sammeln, um eine schmutzige Bombe basteln und anschließend zünden zu können. Damit reiht sich das Spiel in die lange Reihe der fragwürdigen Design-Entscheidungen und Skandale des CoD-Franchises ein. In diesem Gamepro-Artikel geht es darum, was das Problem mit dem Modus ist, beziehungsweise darum, wieso Schmutzige Bomben kein Multiplayer-Spaß sein sollten.

Auch Cold War kommt nicht ohne Skandale aus

Darum geht's: Der Fireteam: Dirty Bomb-Modus schickt 40 Spieler*innen in Vierer-Teams aufs virtuelle Schlachtfeld. Das Ziel jeder Runde ist es, zunächst genug Uran für eine schmutzige Bombe zu sammeln, um die dann an einem bestimmten Punkt zu zünden. Daraufhin wird dieser Spielbereich der Map verstrahlt und das bleibt auch erstmal so.

Schmutzige Bomben sind in der Realität aber eine gefürchtete Waffe, die vor allem vom Terrorismus und gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt wird. Wer das tut, zielt in erster Linie darauf ab, die Gegend unbewohnbar und unbenutzbar zu machen, sowie die dort lebenden Menschen zu demoralisieren. Im Dirty Bomb-Modus fehlt diese Einordnung.

CoD Black Ops: Cold War - Trailer stellt Dirty Bomb-Modus vor 0:57 CoD Black Ops: Cold War - Trailer stellt Dirty Bomb-Modus vor

Reagan-Ära wird kritisiert: Call of Duty Black Ops Cold War thematisiert den titelgebenden Kalten Krieg sowie die Ronald Reagan-Ära. Damit begeben sich Activision und Treyarch generell auf sehr dünnes Eis und werden schon vor Release von vielen Menschen für die Wahl des Settings kritisiert. Das liegt vor allem daran, dass Ronald Reagan sich allein aufgrund der Iran-Contra-Affäre vielleicht eher als Bösewicht des Spiels eignen würde. Oder im Hinblick auf seinen Umgang mit der Aids-Epidemie.

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Stattdessen müssen wir aber für ihn, beziehungsweise die CIA, die (illegale) Drecksarbeit erledigen und uns wieder einmal "die Hände schmutzig machen", wie die Trailer zeigen. Dass Activision und Treyarch tatsächlich sensibel mit dieser Thematik umgehen, wirkt angesichts der letzten 16 Call of Duty-Spiele eher unwahrscheinlich. Offenbar bewegen wir uns auch in diesem CoD wieder im moralischen Zwielicht, aber wie gewohnt ohne Tiefgang oder ernsthafte Reflektion, sondern vor allem mit viel Action und klarem Feindbild.

Call of Duty: Black Ops Cold War - Der Launch Trailer stimmt euch auf die Story ein 1:00 Call of Duty: Black Ops Cold War - Der Launch Trailer stimmt euch auf die Story ein

Was sind Schmutzige Atombomben überhaupt & warum sind sie problematisch?

Schmutzige Bomben sind keine Atombomben. Diese radiologischen Kernwaffen sind zwar nicht ganz so zerstörerisch wie eine 'normale' Atombombe, können dafür aber ohne die Materialien hergestellt werden, die für ihr Gegenstück benötigt werden. Darum ist diese Form der Kernwaffe so gefürchtet: Terroristen brauchen dafür gar kein waffenfähiges Plutonium, sondern einfach 'nur' irgendein Material, das radioaktive Strahlung aussendet.

Dieses radioaktiv strahlende Zeug wird bei einer schmutzigen Bombe mit Hilfe einer herkömmlichen Explosion möglichst großflächig verteilt, um den größtmöglichen Schaden anzurichten. So soll einfach das gesamte Gebiet verstrahlt werden, damit dort nichts mehr wächst, niemand mehr Nahrung anbauen, Vieh halten oder selbst leben kann. Auch das Trinkwasser kann dadurch unbrauchbar werden, und all das auf lange Sicht.

Diese kleinen, aber dreckigen Atombomben sind aber nicht nur aufgrund ihrer Folgen so gefährlich, sondern eben auch deshalb, weil sie erstens relativ unkompliziert hergestellt werden können und zweitens das Material dafür einfach zu beschaffen ist. Zum Beispiel bei Krankenhäusern oder Forschungseinrichtungen fallen regelmäßig radioaktive Abfälle an und illegalen Handel gibt es natürlich auch.

Das Bundesamt für Strahlenschutz erklärt zwar, dass die möglichen radiologischen Schäden einer Dreckigen Bombe oft überschätzt würden, das hänge aber stark vom genutzten Material ab. Definitiv seien aber erhebliche psychosoziale sowie wirtschaftliche Schäden zu erwarten. Schmutzige Bomben zielen also vor allem darauf ab, Menschen zu verstrahlen und zu verunsichern, ihnen die Lebensgrundlage und ihren Lebensmittelpunkt zu nehmen.

Vor einigen Jahren wurde zum Beispiel davon berichtet, dass die Daesh aka der IS im Besitz von genug radioaktivem Material für entsprechende Angriffe sei (via: n-tv). Aber in Call of Duty: Black Ops Cold War gibt es trotz dieser realen Gefahren jetzt einen kompletten Multiplayer-Modus, in dem das Zünden einer solchen schmutzigen Bombe zum zentralen Punkt eines kurzweiligen Online-Spaßes gemacht wird.

So sieht es in Call of Duty Black Ops: Cold War aus, wenn ihr eine schmutzige Atombombe scharf macht. So sieht es in Call of Duty Black Ops: Cold War aus, wenn ihr eine schmutzige Atombombe scharf macht.

Multiplayer oder Singleplayer macht gewaltigen Unterschied

Wenn es um "echte" Atombomben oder geschichtliche Ereignisse geht, die in Videospielen auftauchen, besteht beim Spielen womöglich eine historische und emotionale Distanz. Wenn ein Shooter in seiner Story-Kampagne gewisse Dinge erzählt und sie entsprechend eingebettet sind (wie zum Beispiel bei Spec Ops: The Line), gibt es dagegen auch nichts einzuwenden. Aber Terror-Anschläge dieser Größenordnung und diesen Kalibers unkommentiert als Multiplayer-Spaß zu inszenieren, schlägt in eine ganz andere Kerbe.

Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob wir in der Singleplayer-Story hinter feindlichen Linien operieren, um gegen terroristische Bedrohungen vorzugehen und deren unmittelbare Folgen vor Augen geführt bekommen - oder ob wir in einer lockeren Multiplayer-Runde um die Wette einen Terror-Anschlag vorbereiten und für seine Durchführung mit Stufenaufstiegen und kosmetischen Items belohnt werden.

Da besteht keinerlei Distanz, Einordnung oder irgendeine Form der Verurteilung, sondern lediglich das völlig unkritische, unbeschwerte Abfeiern von Waffen, die vor allem auf größtmöglichen Schaden, Angst und Schrecken in der Zivilbevölkerung ausgelegt sind. Dasselbe gilt natürlich eigentlich auch für Nukes. Vor allem, dass wir solche Waffen mit verheerenden Folgen als Belohnung für gutes Spielen erhalten, wird der Grausamkeit dieser Dinge überhaupt nicht gerecht.

In Call of Duty spielen Nukes aka Atombomben oft auch im Multiplayer eine (fragwürdige) Rolle. In Call of Duty spielen Nukes aka Atombomben oft auch im Multiplayer eine (fragwürdige) Rolle.

Black Ops Cold War reiht sich in die fragwürdige CoD-Tradition ein

Leider haben derartige Design-Entscheidungen gewissermaßen Tradition bei Call of Duty. Auch zum diesjährigen Black Ops Cold War gab es schon viel Kritik. Neben den Dirty Bombs und Ronald Reagan beispielsweise auch wegen den in einem Trailer ohne den dringend notwendigen Kontext weiter verbreiteten rechten Verschwörungs-Erzählungen.

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Letztes Jahr wurde Modern Warfare bereits gefährlicher Geschichtsrevisionismus vorgeworfen: Ein reales Ereignis, für das die US-Regierung mitverantwortlich ist, wird im Spiel kurzerhand den Widersachern aus Russland in die Schuhe geschoben. Es handelt sich dabei um das sogenannte "Highway of Death"-Massaker. Mehr zu der Call of Duty-Kontroverse rund um das Thema könnt ihr in diesem Polygon-Artikel lesen.

Ebenfalls im letzten Jahr gab es auch viele Debatten rund um den Einsatz von Weißem Phosphor. Den könnt ihr im Modern Warfare-Multiplayer als Belohnung für besonders viele Kills am Stück erhalten und anschließend gegen eure Gegner einsetzen. Es handelt sich dabei aber um eine mehr als fragwürdige Waffe, von der viele fordern, dass ihr Einsatz als Kriegsverbrechen eingestuft werden soll. Einzelheiten dazu könnt ihr in diesem Gamepro-Artikel lesen:

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Und das waren nur die größten Skandale der letzten beiden Jahre. Aber Call of Duty blickt auf eine längere, unrühmliche Geschichte solcher Auffälligkeiten zurück.

Da wäre zum Beispiel noch die Mithilfe von Oliver North als Berater bei Black Ops 2, der nicht nur zur Waffen-Lobby NRA und Fox News gehörte, sondern auch als Schlüsselfigur beim US-Waffenverkauf an den Iran und der damit einhergehenden Finanzierung von Todesschwadronen in Nicaragua gilt.

Der Fireteam-Modus Dirty Bomb setzt also eigentlich nur eine Reihe an Skandalen fort, die in den letzten Jahren immer wieder rund um Call of Duty-Spiele thematisiert wurden. Das mag zwar vielleicht keine große Überraschung mehr sein, wirkt aber trotzdem immer noch geschmacklos und enttäuschend.

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