CoD Modern Warfare 3 im MP-Test: Die schlechteste Call of Duty-Wertung der GamePro-Geschichte

In den Mehrspieler-Modi schlägt sich das neue CoD etwas besser als in der haarsträubenden Kampagne. Ein empfehlenswerter Shooter wird MW3 dadurch aber nicht, wie unsere Gesamtwertung zeigt.

Hier ist unser Multiplayer-Test sowie die Gesamtwertung für Call of Duty Modern Warfare 3. Hier ist unser Multiplayer-Test sowie die Gesamtwertung für Call of Duty Modern Warfare 3.

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Die Kampagne von Call of Duty Modern Warfare 3 gehört zu den schlechtesten der gesamten Seriengeschichte. Die offenbar ziemlich überschaubare Entwicklungszeit und den "Das war mal ein DLC"-Charakter merkten wir dem Shooter von Sledgehammer an allen Ecken und Enden an.

Aber Call of Duty besteht ganz traditionell ja nicht nur aus dem Solo-Modus, sondern packt in diesem Jahr einen umfangreichen Multiplayer- sowie einen überarbeiteten Zombie-Koop-Modus ins Gesamtpaket.

Die haben wir in den vergangenen Tagen ausführlich gespielt und tatsächlich kann der Mehrspieler-Part die Gesamtwertung von Modern Warfare 3 nach oben ziehen – wenn auch nicht viel. 

Was ist mit der Kampagne? In diesem Test besprechen wir ausschließlich die Multiplayer-Modi von Modern Warfare 3 und vergeben eine Gesamtwertung für den Shooter. Den bereits Anfang November erschienenen Kampagnentest könnt ihr hier nachlesen:

Fühlt sich gut an!

Gründe dafür gibt es vor allem zwei. Da wäre zum einen das generelle Spielgefühl. Im Vergleich zum fast schon behäbigen Modern Warfare 2 hat Sledgehammer das Spieltempo bei MW3 wieder merkbar erhöht, was in Kombination mit den jetzt wieder effektiveren Sprüngen und Rutschmanövern in deutlich dynamischeren Matches resultiert als noch im letzten Jahr.

Die etwas längere Time-To-Kill und der leicht reduzierte Auto-Aim-Assist sorgen zudem dafür, dass das oft beschworene "Wer den anderen zuerst sieht, gewinnt", in MW3 nicht automatisch greift, jedenfalls deutlich weniger als in anderen CoDs.

Das Gunplay gehört nach wie vor zum besten, was es im Shooter-Bereich gibt. Das Gunplay gehört nach wie vor zum besten, was es im Shooter-Bereich gibt.

Kombiniert mit dem traditionell fast makellosen Gunplay und der hervorragenden, vielfältig einstellbaren Steuerung fühlt sich Modern Warfare 3 im Multiplayer einfach gut und richtig an.

Die über 100 Waffen in den üblichen Kategorien wie Sturmgewehr, SMG, leichte Maschinengewehre etc. spielen sich unterschiedlich, haben ordentlich Wumms und ein sehr befriedigendes Treffer-Feedback.

Generell haben wir aber das Gefühl, dass die knapp 30 neuen Wummen im Vergleich zu ihren älteren Gegenstücken etwas stärker sind. Allerdings eher subtil und nicht so, dass die Balance hier komplett ausgehebelt werden würde. Zumal sich alle Waffen wieder mit zahlreichen Aufsätzen ausstatten und modifizieren lassen.

Tolle Maps mit wenigen Ausnahmen

Ein gutes Spielgefühl könnte sich ohne entsprechende Spielplätze aber nicht ausreichend entfalten, was uns zum zweiten Pluspunkt des Multiplayers von Modern Warfare 3 führt: den Maps. Ja, auch wir haben mit den Augen gerollt, als bekannt wurde, dass 16 der insgesamt 20 Maps optisch und spielerisch angepasste Versionen von Karten aus Modern Warfare 2 (2009) sind. Aber bei den eigentlichen Matches zeigt sich dann, dass einige ziemlich großartige Maps dabei sind.

Auf Terminal kabbeln wir uns beispielsweise in einem Flughafen, auf Afghan spielen wir Katz und Maus rund um ein abgestürztes Frachtflugzeug in der Wüste und in Karachi stürzen wir uns in hektische Häuserkämpfe.

Nahezu alle Karten bieten einen guten Mix aus Nahkampfarealen und längeren Sichtlinien und dass die Maps anders als in Modern Warfare 2 zudem deutlich vertikaler sind und Höhenunterschiede haben, fällt ebenfalls positiv auf.

Auf den Maps wie hier Afghan gibt es teilweise richtig schöne Lichtstimmungen zu sehen. Auf den Maps wie hier Afghan gibt es teilweise richtig schöne Lichtstimmungen zu sehen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass manche Maps besser gealtert sind als andere. Während der Großteil auch heute noch gut funktioniert, nehmen vor allem die Kämpfe auf der kompakten Rust-Karte teils grotesk-chaotische Züge an und auch die besonders verwinkelten Maps wie Skidrow harmonieren nicht wirklich gut mit dem erhöhten Spieltempo. Außerdem fühlen sich einige der recycelten Maps deutlich zu groß an – zumindest für das klassische 6v6. 

Bei unseren Testrunden gab es zudem Probleme mit zu hartem Skill Based Matchmaking (SBMM) sowie den Spawns. Teilweise wechseln die nämlich kaum und bei einigen Maps – wie Rust – kam es vor, dass wir teils vier- oder fünfmal hintereinander nach einem Spawn direkt wieder gekillt wurden. Hier werden zukünftig hoffentlich Patches für Besserung sorgen. 

Die Rückkehr des Krieges

Bei den Modi gibt es ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten wie Team Deathmatch, Abschuss bestätigt oder Herrschaft, die auch gewohnt gut funktionieren. Und das ist uns zugegebenermaßen etwas zu wenig, denn MW3 verlässt sich hier zu sehr auf Altbekanntes. 

Es gibt zwar einige Modi, aber keine wirklichen Überraschungen. Es gibt zwar einige Modi, aber keine wirklichen Überraschungen.

Neu hinzugekommen ist lediglich die "Unbarmherzig"-Variante, in der drei 3er-Gruppen gegeneinander antreten. Wer dabei am häufigsten das letzte überlebende Team stellt, gewinnt.

Unbarmherzig entpuppte sich bislang immerhin als gute Ergänzung: Die von uns gespielten Partien verliefen allesamt spannend und intensiv. Hier empfiehlt es sich natürlich, mit einer festen und im besten Falle eingespielten Gruppe beizutreten, weil Absprachen in diesem Modus besonders wichtig sind. 

Gefreut haben wir uns zudem über die Rückkehr des Kriegs-Modus, der uns schon in Call of Duty: WW2 gut gefallen hatte. Jede Partie verläuft als Mini-Kampagne in mehreren Abschnitten. Ein Team muss zunächst ein paar Punkte einnehmen, anschließend einen Panzer eskortieren und dann in einer Basis einen Raketenstart verhindern.

Das jeweils andere Team muss das unter allen Umständen verhindern. So viel Spaß dieser Modus auch macht, nutzt er sich doch ziemlich schnell ab. Denn es gibt nur ein Szenario bzw. eine Map, schon nach wenigen Partien haben wir uns mehr Variation gewünscht. 

In den großen Modi wie Bodenkrieg lassen sich auch Fahrzeuge nutzen. In den großen Modi wie Bodenkrieg lassen sich auch Fahrzeuge nutzen.

Der ebenfalls auf große Gruppen und Karten ausgelegte und an Battlefield erinnernde Bodenkrieg-Modus ist ebenfalls wieder an Bord, hier gibt es dann beispielsweise auch diverse Fahrzeuge wie Quads oder Jeeps.

So richtig zünden wollten die Partien in diesem Modus wegen der etwas unübersichtlichen und sehr sniperlastigen Maps aber nicht. Man merkt einfach, dass Call of Duty seine Stärken eher in den kompakten 6v6-Scharmützeln hat. 

Viel zum Freischalten

Eingerahmt wird das alles in die übliche CoD-Freischaltspirale, denn natürlich leveln wir auch bei MW3 nach und nach bis Level 55 hoch und schaltet dadurch diverse Items, Killstreaks oder andere Boni frei.

Dieses Mal sind viele Items und sogar Waffen allerdings auch an eine andere Mechanik gekoppelt, die sogenannten Armory Unlocks (dt. Waffenkammer-Freischaltungen). Diese werden ab Level 25 freigeschaltet und um die entsprechenden Gegenstände einzusacken, müssen wir tägliche Herausforderungen erfüllen. 

Was zunächst wie ein nettes neues Element klingt, fühlt sich schnell nach künstlicher Spielzeitstreckung an, da jeden Tag nur eine Handvoll Herausforderungen erfüllt werden können. Freischalt-Fans, die ohnehin viel Zeit im Multiplayer verbringen, wird das vermutlich weniger stören, alle anderen aber vermutlich schon. 

Armory Unlocks DIe neuen Armory Unlocks koppeln bestimmte Freischaltungen an die täglichen Herausforderungen.

Waffenmodifikation Auch in MW3 lassen sich die Knarren mit diversen Aufsätzen modifizieren, diese müssen aber erst freigeschaltet werden.

Andere Gameplay-Anpassungen sind eher marginal und beim Test weder positiv noch negativ aufgefallen. Bestimmte Fähigkeiten (Perks) sind jetzt beispielsweise an Kleidungsstücke wie Westen oder Schuhe gekoppelt, hier gibt es aber eine ausreichend große Variation, die zum Herumexperimentieren einlädt.

Detailfetischist*innen können sich ohnehin einmal mehr in der Optimierung der eigenen Loadouts oder der Anpassung der Waffen verlieren, hier bietet MW3 auch dank der zahlreichen aus MW2 importierten Waffen ein wahres Füllhorn von Möglichkeiten. 

Eins, zu dem man sich stellenweise aber auch erst mal hinquälen muss, denn die Menüs von Modern Warfare 3 sind ein ziemlicher Graus. Der Bildschirm ist mit Elementen nur so zugekleistert, und der Aufbau derart unintuitiv, dass die Navigation selbst nach Stunden im Spiel noch nicht reibungslos funktionierte.

Der Zombie-Modus: Ohne echten Charakter

Der Zombie-Modus ist der dritte große Eckpfeiler von CoD Modern Warfare 3 und hat die vermutlich größte Veränderung durchgemacht. Bisherige CoD-Zombie-Modi waren stets klassische Wellenmodi, in denen es in eigens dafür gebauten Arealen galt, immer stärker und größer werdende Zombiehorden abzuwehren. Das bekam vor allem durch die abgedrehten Szenarien und vielen eingebauten Easter-Eggs stets einen ganz eigenen Charme. 

Und genau der geht dem neuen Zombie-Modus leider fast komplett ab. Denn der ist im Grunde nur ein Abklatsch des im letzten Jahr in Warzone eingeführten DMZ-Modus. Wir werden also entweder alleine oder mit bis zu zwei Kolleg*innen auf einer riesigen Karte abgesetzt – übrigens die neue Warzone-Map Urzikstan – und ballert dort Horden von Untoten über den Haufen.

Schauplatz des Zombie-Modus ist die kommende Warzone-Map Urzikstan. Schauplatz des Zombie-Modus ist die kommende Warzone-Map Urzikstan.

Dabei erfüllen wir kleinere, sich schnell wiederholende Nebenaufgaben, um dadurch bessere Waffen und Equipment zu kaufen oder zu finden. Nach spätestens einer Dreiviertelstunde werden wir wieder ausgeflogen und dürft die nächste Runde stärker ausgerüstet angehen. 

Abseits der KI-Gegner, die jetzt eben Zombies sind, nickt der Zombies-Modus nur vereinzelt in die Richtung seiner Vorgänger, beispielsweise bei einigen Bezeichnungen oder Power-Ups wie dem Item, das kurzzeitig doppelte Punkte beschert. Alles andere ist eine angekleisterte Warzone-Variante, die sowohl mechanisch als auch optisch frappierend an das Free2Play-CoD erinnert. 

Das soll allerdings nicht heißen, dass der Modus spielerisch nicht gut funktionieren würde. Im Gegenteil, die grundsätzlichen Stärken wie das gute Gunplay greifen natürlich auch hier und mit einem festen Team kann man dabei sicherlich eine gute Zeit haben, insbesondere zum Leveln von Waffen taugt der Modus wunderbar. Durch die Änderungen fühlt sich das neue Zombies insgesamt aber austauschbarer und belangloser an.

Call of Duty Modern Warfare 3 - Das erwartet euch im neuen Zombie-Modus Video starten 2:03 Call of Duty Modern Warfare 3 - Das erwartet euch im neuen Zombie-Modus

Für wen ist dieses Call of Duty was?

Recycelte Maps, übernommene Inhalte aus dem Vorgänger, Warzone-Versatzstücke im Zombie-Modus: Der Update-Charakter der Kampagne zieht also auch bis in den Multiplayer und damit durch das komplette Spiel. Modern Warfare 3 fühlt sich insgesamt wie ein DLC und nicht wie ein neues Spiel an, was den Vollpreis rechtfertigen würde. Die Bilanz liest sich also wie folgt:

  • Kampagne: mies
  • Multiplayer: gut bis stellenweise sehr gut
  • Zombies: mittelmäßig

Das reicht dann unter dem Strich zwar für eine gerade noch solide Gesamtwertung, die gleichzeitig aber auch die schlechteste Call of Duty-Wertung in der GamePro-Geschichte ist. Empfehlen können wir CoD Modern Warfare 3 eigentlich nur beinharten Multiplayer-Fans – und das auch nur mit deutlichen Abstrichen.

Wenn ihr hingegen eine tolle Shooter-Kampagne oder gute Koop-Modi wollt, gibt es mittlerweile genügend bessere Alternativen als dieses Call of Duty, das als die bislang größte Enttäuschung in die Seriengeschichte eingehen wird.  

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