Piraten und Aufbaustrategie sind eine äußerst seltene Kombination. Lediglich in Republic of Pirates konnten wir in den vergangenen Jahren auf Kaperfahrt gehen, und natürlich in Tropico 2, einem absoluten Meilenstein des Genres, den ich aufgrund des charmanten Freibeuterszenarios rauf und runter gespielt habe.
Abseits dieser wenigen Ausnahmen fristen Piraten jedoch ein Nebendasein unter Aufbaustrategen – aber nicht so in Corsair Cove für Steam und dem Epic Games-Store. Das deutsche Studio Limbic Entertainment (bekannt durch Tropico 6 und Park Beyond) rückt die Gesetzlosen in den Fokus und hat sich dafür eine richtig clevere Mechanik überlegt, die ich in der Form noch nicht gesehen habe.
In Corsair Cove wird in die Höhe gebaut statt auf dem Boden
Nach der explosiven Flucht von einer Galeone der spanischen Krone wird meine Piraten-Crew nicht an einer leicht bebaubaren Insel mit ebenem Boden angespült, wie es bei den allermeisten anderen Aufbauspielen der Fall ist, sondern an einer zerklüfteten Bucht voller Steilklippen.
Lediglich ein paar Quadratmeter Sandstrand stehen mir für ein erstes Piratenlager zur Verfügung und das zimmere ich dann auch kurzerhand aus den Überresten eines gestrandeten Kahns. Aber von da an gibt es eigentlich nur noch eine Richtung: nach oben.
Tavernen, Zelte, Kanonentürme und Steinbrüche hänge ich mit ein paar Klicks an die Klippen der Insel – wie das ohne schweres Baugerät oder stabile Metallverankerungen funktioniert? Keine Ahnung. Aber es sieht verdammt cool aus!
Im Trailer, den wir exklusiv im Rahmen unserer Find Your Next Game-Show enthüllt haben, könnt ihr euch einen Eindruck davon verschaffen:
2:00
Weltpremiere! Wir enthüllen Corsair Cove, ein neues Piraten-Aufbauspiel
Zu Beginn einer etwa fünfstündigen Demo, die ihr dann ebenfalls im Mai spielen könnt, lerne ich, Gebäude strategisch an den Felshängen zu platzieren, damit Produktionsketten möglichst kurz ausfallen.
Ein Beispiel:
- auf dem fruchtbaren Erdboden eines schmalen Plateaus errichte ich eine Holzfällerhütte
- der Holzfäller liefert Stämme an eine Fassbinderei, die ich an einem Hang darunter befestigt habe
- darin wird das Rohmaterial zu leeren Fässern verarbeitet, die in einer Brennerei auf einer Hochebene nebenan mit Rum gefüllt werden
- notwendig für den Rum ist Zuckerrohr, das in einer Plantage neben dem Holzfäller gewonnen wird
- den Rum verteile ich wiederum ein paar Meter entfernt in einer Taverne an meine durstigen Piraten
- meine Crew-Mitglieder kann ich daraufhin zu Kaperern ausbilden, damit sie effizienter beim Entern feindlicher Schiffe sind
Wie auch bei einer horizontalen Bauweise, muss ich bei dem vertikalen Spielansatz Hindernisse umgehen, etwa Felsvorsprünge, Wasserfälle oder Storchennester. Es ist also ein wenig Umdenken gefragt, nach kurzer Eingewöhnungszeit ist mir die Konstruktion meines Piratenverstecks aber sehr leicht gefallen.
Auch, weil ich nur grob auf die Beschaffenheit meiner Bauten achten muss. Je nachdem, wo ich Gebäude platziere, ändern sie sich leicht in ihrem Design und passen sich der Umgebung an. So haben vollständig an einer Wand hängende Bauten beispielsweise mehr Verankerungen an der Oberseite, während sie an einem schmalen Plateau von unten via Balken gestützt werden.
Das System fühlt sich sehr organisch an, bei den Verbindungen zwischen den Gebäuden schwächelt Corsair Cove aber auch ein wenig. Lasse ich Laufwege automatisch vom Spiel anlegen, gibt es irgendwann ein heilloses Durcheinander, wie auch Fabiano von der GameStar in seiner Preview zeigt:
Setze ich die Verbindungen hingegen manuell, wird es stellenweise ganz schön fummelig. Dann muss ich Konnektoren für dreidimensionale Verbindungen wie Leitern und Hängebrücken selbst anlegen, während Klippenpfade dem Namen entsprechend Wege an den Klippen entlang schaffen. Eine flotte "1-Klick-Lösung" gibt es nicht.
Zudem ist es mir nicht selten passiert, dass beispielsweise Leitern und Klippenpfade ineinander ragten, was zwar keine spielerischen Konsequenzen hatte, mich aber optisch störte. Immerhin ist der Aufbau einer schicken Piratenhochburg einer der Hauptanreize von Corsair Cove.
Der wird auch von einer detailverliebten Präsentation untermalt, unter anderem tanzen die Freibeuter*innen in meiner Taverne mit Schweinen, besaufen sich mit den grunzenden Vierbeinern auf einem Dach oder kochen an einem riesigen Topf Fischsuppe. Überall wuseln Piraten um die passend zum Szenario gestalteten Gebäude umher, weshalb meine Siedlung stets sehr lebendig wirkt.
Einschätzung zur Technik
Corsair Cove wurde vollständig in 3D modelliert, die Kamera lässt sich also nach Belieben drehen und zoomen, nur ein First-Person-Perspektive gibt es nicht. Die Umgebung ist schick gestaltet, mit hübschen Spiegelungen auf dem Wasser, einer dichten Vegetation und einer stimmigen Beleuchtung. Lediglich Schatten könnten ein Upgrade vertragen, da sie sich zusammen mit der Kamera drehen, was alles andere als realistisch ist.
Einen Tageszyklus oder unterschiedliche Witterungsbedingungen gibt es zudem nicht.
Auf meinem PC mit einer GeForce RTX 5070 ti und einem Ryzen 9900X kam ich auf knapp 130 fps im Schnitt bei einer Auflösung von 1440p und maximalen Details. Der Prozessor stand dabei auch kaum unter Last, weshalb Corsair Cove auf mich einen solide optimierten Eindruck machte, sogar bei einer bereits stark ausgebauten Piratenhochburg.
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