Ein Piratenspiel wie Corsair Cove habe ich noch nicht gespielt - denn es denkt ein ganzes Genre mit einer cleveren Bautechnik neu

Chris hat in eine fünfstündige Demo von Corsair Cove geschaut, dem neuen Aufbauspiel der Tropico 6-Macher. Und konnte sich von der ungewöhnlichen Bauweise seiner Pirateninsel kaum losreißen.

Captain Teach wäre sicher auch stolz auf meine Piratenbasis. Captain Teach wäre sicher auch stolz auf meine Piratenbasis.

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Piraten und Aufbaustrategie sind eine äußerst seltene Kombination. Lediglich in Republic of Pirates konnten wir in den vergangenen Jahren auf Kaperfahrt gehen, und natürlich in Tropico 2, einem absoluten Meilenstein des Genres, den ich aufgrund des charmanten Freibeuterszenarios rauf und runter gespielt habe.

Abseits dieser wenigen Ausnahmen fristen Piraten jedoch ein Nebendasein unter Aufbaustrategen – aber nicht so in Corsair Cove für Steam und dem Epic Games-Store. Das deutsche Studio Limbic Entertainment (bekannt durch Tropico 6 und Park Beyond) rückt die Gesetzlosen in den Fokus und hat sich dafür eine richtig clevere Mechanik überlegt, die ich in der Form noch nicht gesehen habe.

Chris Werian
Chris Werian

Chris ist zwar eher als haudraufiger Action-Spieler bekannt, entspannt aber auch gern in Aufbauspielen. Frostpunk zählt er zu seinen absoluten Lieblingsspielen – auch wenn das eher weniger entspannt ausfällt. Darüber hinaus hat er sich aber auch schon viele Stunden in Anno, den klassischen Zoo Tycoon-Spielen, Die Siedler oder auch Worshippers of Cthulhu ausgetobt. Und auch Piraten kommen bei ihm nicht allzu kurz, was so einige hundert Stunden in Sea of Thieves belegen.

In Corsair Cove wird in die Höhe gebaut statt auf dem Boden

Nach der explosiven Flucht von einer Galeone der spanischen Krone wird meine Piraten-Crew nicht an einer leicht bebaubaren Insel mit ebenem Boden angespült, wie es bei den allermeisten anderen Aufbauspielen der Fall ist, sondern an einer zerklüfteten Bucht voller Steilklippen.

Lediglich ein paar Quadratmeter Sandstrand stehen mir für ein erstes Piratenlager zur Verfügung und das zimmere ich dann auch kurzerhand aus den Überresten eines gestrandeten Kahns. Aber von da an gibt es eigentlich nur noch eine Richtung: nach oben.

Von der Spitze meines Piratenlagers aus, fange ich an, in die Höhe zu bauen. Von der Spitze meines Piratenlagers aus, fange ich an, in die Höhe zu bauen.

Tavernen, Zelte, Kanonentürme und Steinbrüche hänge ich mit ein paar Klicks an die Klippen der Insel – wie das ohne schweres Baugerät oder stabile Metallverankerungen funktioniert? Keine Ahnung. Aber es sieht verdammt cool aus!

Im Trailer, den wir exklusiv im Rahmen unserer Find Your Next Game-Show enthüllt haben, könnt ihr euch einen Eindruck davon verschaffen:

Video starten 2:00 Weltpremiere! Wir enthüllen Corsair Cove, ein neues Piraten-Aufbauspiel

Zu Beginn einer etwa fünfstündigen Demo, die ihr dann ebenfalls im Mai spielen könnt, lerne ich, Gebäude strategisch an den Felshängen zu platzieren, damit Produktionsketten möglichst kurz ausfallen.

Ein Beispiel: 

  • auf dem fruchtbaren Erdboden eines schmalen Plateaus errichte ich eine Holzfällerhütte
  • der Holzfäller liefert Stämme an eine Fassbinderei, die ich an einem Hang darunter befestigt habe
  • darin wird das Rohmaterial zu leeren Fässern verarbeitet, die in einer Brennerei auf einer Hochebene nebenan mit Rum gefüllt werden
  • notwendig für den Rum ist Zuckerrohr, das in einer Plantage neben dem Holzfäller gewonnen wird

Hier habe ich mal den Weg von der Zuckerrohrplantage zur Brennerei und schlussendlich zur Taverne anzeigen lassen. Hinter der Plantage steht mein Holzfällerlager und an der Steilwand darunter hängt wiederum die Fassbinderei. Hier habe ich mal den Weg von der Zuckerrohrplantage zur Brennerei und schlussendlich zur Taverne anzeigen lassen. Hinter der Plantage steht mein Holzfällerlager und an der Steilwand darunter hängt wiederum die Fassbinderei.

  • den Rum verteile ich wiederum ein paar Meter entfernt in einer Taverne an meine durstigen Piraten
  • meine Crew-Mitglieder kann ich daraufhin zu Kaperern ausbilden, damit sie effizienter beim Entern feindlicher Schiffe sind

Wie auch bei einer horizontalen Bauweise, muss ich bei dem vertikalen Spielansatz Hindernisse umgehen, etwa Felsvorsprünge, Wasserfälle oder Storchennester. Es ist also ein wenig Umdenken gefragt, nach kurzer Eingewöhnungszeit ist mir die Konstruktion meines Piratenverstecks aber sehr leicht gefallen.

Auch, weil ich nur grob auf die Beschaffenheit meiner Bauten achten muss. Je nachdem, wo ich Gebäude platziere, ändern sie sich leicht in ihrem Design und passen sich der Umgebung an. So haben vollständig an einer Wand hängende Bauten beispielsweise mehr Verankerungen an der Oberseite, während sie an einem schmalen Plateau von unten via Balken gestützt werden.

Das System fühlt sich sehr organisch an, bei den Verbindungen zwischen den Gebäuden schwächelt Corsair Cove aber auch ein wenig. Lasse ich Laufwege automatisch vom Spiel anlegen, gibt es irgendwann ein heilloses Durcheinander, wie auch Fabiano von der GameStar in seiner Preview zeigt:

Setze ich die Verbindungen hingegen manuell, wird es stellenweise ganz schön fummelig. Dann muss ich Konnektoren für dreidimensionale Verbindungen wie Leitern und Hängebrücken selbst anlegen, während Klippenpfade dem Namen entsprechend Wege an den Klippen entlang schaffen. Eine flotte "1-Klick-Lösung" gibt es nicht.

Zudem ist es mir nicht selten passiert, dass beispielsweise Leitern und Klippenpfade ineinander ragten, was zwar keine spielerischen Konsequenzen hatte, mich aber optisch störte. Immerhin ist der Aufbau einer schicken Piratenhochburg einer der Hauptanreize von Corsair Cove.

Wuppsie! Da passt man ein Mal nicht auf und schon clippt die Transportleiter von meinem Holzfäller zur Fassbinderei durch die Fässer hindurch. Wuppsie! Da passt man ein Mal nicht auf und schon clippt die Transportleiter von meinem Holzfäller zur Fassbinderei durch die Fässer hindurch.

Der wird auch von einer detailverliebten Präsentation untermalt, unter anderem tanzen die Freibeuter*innen in meiner Taverne mit Schweinen, besaufen sich mit den grunzenden Vierbeinern auf einem Dach oder kochen an einem riesigen Topf Fischsuppe. Überall wuseln Piraten um die passend zum Szenario gestalteten Gebäude umher, weshalb meine Siedlung stets sehr lebendig wirkt.

Hier gönnt sich ein Schwein in billigem Fusel ein Sonnenbad. Die Tiere sind überall im Lager versteckt, da sie laut den Entwickler*innen eine der wichtigsten Ressourcen unter Piraten waren. Hier gönnt sich ein Schwein in billigem Fusel ein Sonnenbad. Die Tiere sind überall im Lager versteckt, da sie laut den Entwickler*innen eine der wichtigsten Ressourcen unter Piraten waren.

Einschätzung zur Technik

Corsair Cove wurde vollständig in 3D modelliert, die Kamera lässt sich also nach Belieben drehen und zoomen, nur ein First-Person-Perspektive gibt es nicht. Die Umgebung ist schick gestaltet, mit hübschen Spiegelungen auf dem Wasser, einer dichten Vegetation und einer stimmigen Beleuchtung. Lediglich Schatten könnten ein Upgrade vertragen, da sie sich zusammen mit der Kamera drehen, was alles andere als realistisch ist. 

Einen Tageszyklus oder unterschiedliche Witterungsbedingungen gibt es zudem nicht.

Auf meinem PC mit einer GeForce RTX 5070 ti und einem Ryzen 9900X kam ich auf knapp 130 fps im Schnitt bei einer Auflösung von 1440p und maximalen Details. Der Prozessor stand dabei auch kaum unter Last, weshalb Corsair Cove auf mich einen solide optimierten Eindruck machte, sogar bei einer bereits stark ausgebauten Piratenhochburg.

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