Vergebliches Warten: Cyberpunk 2077 wird wohl nie gut auf PS4 und Xbox One laufen

Sofern sich die Technik des Spiels nicht ändert, sind größere Performance-Sprünge ausgeschlossen - denkt unser Freier Autor Chris.

von Chris Werian,
18.04.2021 11:30 Uhr

Viel Freude bereitet Cyberpunk 2077 auf den Basiskonsolen der letzten Generation nicht gerade. Dass sich daran etwas ändert, ist höchst unwahrscheinlich. Viel Freude bereitet Cyberpunk 2077 auf den Basiskonsolen der letzten Generation nicht gerade. Dass sich daran etwas ändert, ist höchst unwahrscheinlich.

Dass die Versionen von Cyberpunk 2077 für die mittlerweile ausklingende Konsolengeneration Einschränkungen beinhalten werden, damit hat wohl jeder gerechnet. Der Schweregrad an Bugs und Crashes gemischt mit unterirdischer Performance überraschte dann aber doch. Eine Bestandsaufnahme bis Update 1.21 zeigt außerdem: Technisch hat sich wenig getan, CD Projekt RED kümmert sich vorrangig um die Spielbarkeit. Optimierungsarbeiten sollten aber schon kräftig während des Bugfixings am Rollen sein.

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Bisherige Verbesserungen basieren auf Kompromissen

In Night City sollen viele dystopische Szenarien aufeinanderprallen. Ein Fragment davon ist die Überbevölkerung von Metropolen. So zumindest präsentierte CD Projekt RED das Setting vor dem Release. Lassen wir einige dicht bevölkerte Areale - etwa Marktplätze - außen vor, sind die Straßen und Gehwege im "fertigen" Spiel nahezu gähnend leer. Man könnte dies als eilige Reaktion zur Brandbekämpfung bezeichnen. Die Maßnahme offenbart nämlich, an welcher Stelle es vor allem PS4 und Xbox One S fehlt: CPU-Power.

NPC-Dichte: PS4 Auf der PS4 sind die Gehwege an dieser Kreuzung wie leergefegt. Selten sind mal fünf Personen gleichzeitig im Bild.

NPC-Dichte: Xbox Series X Auf der Xbox Series X (hier im Performance-Modus) lässt Cyberpunk 2077 zwar immer noch Großstadt-Feeling vermissen, aber allein aufgrund der Darstellung von NPCs in größerer Ferne wirkt Night City deutlich belebter. Am PC lässt sich sogar noch eine höhere Stufe wählen.

PS4 Pro und Xbox One X als Indikator: Obwohl die 4K-Auffrischungen der Last Gen technisch zu deutlich mehr in der Lage sind, läuft es auch dort nicht rund. Abheben können sich die Systeme im Vergleich zu ihren Vorgängern vor allem in der Auflösung, den Texturdetails und der Framerate. Wobei Letztere immer noch massiven Schwankungen ausgesetzt sind. Es werden gerade so über 20 fps in dicht besiedelten Arealen erreicht.

Die Version für Xbox One X ist halbwegs gut spielbar, große Menschenansammlungen zwingen die Framerate aber in die Knie. Die Version für Xbox One X ist halbwegs gut spielbar, große Menschenansammlungen zwingen die Framerate aber in die Knie.

Ursächlich dafür ist das massive Ungleichgewicht zwischen Grafikeinheit und Hauptprozessor seit Veröffentlichung der ursprünglichen PS4 und Xbox One. Spiele wurden weitgehend auf die Mehrkernfähigkeiten der Konsolen-CPUs optimiert, die niedrigen Taktraten konnten so angemessen umgangen werden. Bei PC-Produktionen fand sich hingegen zumeist eine umgekehrte Sachlage: Mehr Leistung durch höheren Takt statt mehr Kernen.

Das Erstarken des PCs bereitet der Last Gen Schwierigkeiten

Nun beobachten wir aber, dass immer mehr PC-Spiele Mehrkernprozessoren effizient auslasten. Zudem dient die Plattform für viele Entwickler als Hauptfokus während der Entwicklung, da der Markt in den letzten Jahren gigantisch gewachsen ist und sich die Hardware aller Systeme sehr stark angeglichen hat. Konsolen hatten vor einiger Zeit noch die Oberhand.

Eine parallele Entwicklung verschlingt aber massig Ressourcen, die nicht jedes Studio stemmen kann, weshalb das technische Grundgerüst während des Entwicklungsprozesses portiert wird. In der Folge kann häufiger nicht mehr das volle Leistungspotenzial ausgeschöpft werden. So brachte bspw. Control die Hardware der Xbox One und PS4 mit seinen Physiksimulationen und Partikeleffekten völlig ans Limit, ständig ruckelte es in Gefechten.

Im Zuge von Cyberpunk 2077 wird gern vergessen: Auch andere Spiele wurden trotz desaströser Performance auf die Besitzer:innen der Last-Gen-Konsolen losgelassen. So etwa Control, das mit auffälliger Häufigkeit unter 20 fps fällt - auch auf PS4 Pro und Xbox One X. (Bildquelle: Digital Foundry) Im Zuge von Cyberpunk 2077 wird gern vergessen: Auch andere Spiele wurden trotz desaströser Performance auf die Besitzer:innen der Last-Gen-Konsolen losgelassen. So etwa Control, das mit auffälliger Häufigkeit unter 20 fps fällt - auch auf PS4 Pro und Xbox One X. (Bildquelle: Digital Foundry)

Cyberpunk 2077 verhält sich dahingehend sehr ähnlich: Kalkulationen für die KI und Animationen der Stadtbewohner drücken die Framerate selbst in Szenen ohne Action massiv nach unten, das dynamische Beleuchtungssystem ist ein Garant für Ruckler, vor allem bei Fahrten in der Ego-Perspektive. Ein Großteil der Defizite lässt sich mit CPU-Berechnungen in Verbindung bringen.

Selbst ein Ryzen 1700X ist bei hoher NPC-Dichte ungefähr zu 75% ausgelastet. Die Zen-Architektur markierte ein gewaltigen Leistungssprung im Vergleich zu vorherigen AMD-Prozessoren und bietet deutlich höhere Taktraten als die damaligen Konsolen-APUs sowie die Möglichkeit zur virtuellen Kernverdopplung. (Bildquelle: Thomas schraubt) Selbst ein Ryzen 1700X ist bei hoher NPC-Dichte ungefähr zu 75% ausgelastet. Die Zen-Architektur markierte ein gewaltigen Leistungssprung im Vergleich zu vorherigen AMD-Prozessoren und bietet deutlich höhere Taktraten als die damaligen Konsolen-APUs sowie die Möglichkeit zur virtuellen Kernverdopplung. (Bildquelle: Thomas schraubt)

Die erstaunliche Leistungsfähigkeit der Xbox Series S

Wie viel die moderne Zen-2-Architektur im Verbund mit einer höheren Taktung aus Cyberpunk 2077 herausholen kann, beweist die Xbox Series S. Die interne Auflösung des Spiels entspricht dort in etwa der des One-X-Pendants, die Framerate bleibt aber nahezu durchgängig bei 30 fps, selbst bei massivem NPC-Aufkommen. Die rohe Grafikleistung der Xbox One X sollte die Konsole eigentlich gleichauf mit der Xbox Series S oder darüber platzieren.

Auf der Xbox Series S läuft Cyberpunk 2077 sehr rund, obwohl das Spiel noch gar nicht für das System optimiert wurde. Auf der Xbox Series S läuft Cyberpunk 2077 sehr rund, obwohl das Spiel noch gar nicht für das System optimiert wurde.

Ein Ausgleich möglicher Performance-Bremsen bewirkt kaum etwas: Die neue Konsolengeneration verfügt zudem über schnelleren Speicher. Für Cyberpunk 2077 scheint es allerdings unerheblich zu sein, wie schnell Assets vom Systemdatenträger geladen werden können. Auf dem PC schneidet eine traditionelle Festplatte nicht schlechter als eine SSD ab. Meine PS4 und Xbox One X wurden zudem bereits um interne SSDs erweitert. Würde dadurch eine Differenz entstehen, wäre sie also bereits in meinem Testfazit festgehalten - und so prickelnd fiel dieses nicht aus.

Die Zukunft bleibt holprig

Chris Werian
@DrChrisRespect

Auf PS4 Pro und Xbox One X wäre theoretisch noch eine kleine Sensation in Sicht, sofern die Programmierer:innen von CD Projekt RED doch noch ganz tief in der Trickkiste Möglichkeiten finden, die CPU der Konsolen besser anzusprechen. Zumindest um 30 fps zu garantieren. Bei einem Rollenspiel, das vollständig aus der Ego-Perspektive gespielt wird, sollte das eigentlich das minimale Ziel sein. Mit Blick auf PS4 und Xbox One S sehe ich die Chancen auf eine Rehabilitierung jedoch als sehr gering an. Dafür müsste wahrscheinlich der komplette technische Unterbau von Cyberpunk 2077 ausgetauscht und rein für die Last Gen optimiert werden. Ein zu diesem Zeitpunkt kaum realisierbares Unterfangen.

Habt ihr noch Hoffnung, dass Cyberpunk 2077 auf der Last Gen gut laufen könnte?

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