Cyberpunk 2077: An der schlechten Performance ändert Patch 1.2 wenig

Auch dreieinhalb Monate nach Release betreibt CD Projekt Red Schadensbegrenzung. Technisch ändert sich zumindest auf PS4 und Xbox One X kaum etwas.

von Chris Werian,
02.04.2021 09:00 Uhr

Wird die Technik von Cyberpunk 2077 robuster durch das aktuelle Update? Wird die Technik von Cyberpunk 2077 robuster durch das aktuelle Update?

Auf gewaltigen Hype folgte monumentale Enttäuschung, vor allem für all jene, die Cyberpunk 2077 auf ihrer PS4 oder Xbox One S erleben wollten. Die Framerate stürzte regelmäßig in nahezu unspielbare Regionen ab. Unscharfe Texturen, fehlerhafte Beleuchtung, ständige Crashes, Unmengen Bugs und eine niedrige Auflösung führten zu einer einstimmigen Meinung: So hätte das Spiel niemals veröffentlicht werden dürfen.

Patch 1.2 soll nicht nur viele gravierende Bugs beseitigen, in der Auflistung ist auch von kleineren Leistungs- und Stabilitätsverbesserungen die Rede. Auf diese möchte ich mich auch fokussieren. Getestet habe ich auf der PS4 und der Xbox One X.

Update vom 02. April, 15 Uhr: Um einen Grundwert abzubilden, wie Cyberpunk 2077 auf einer preisgünstigen Konsole laufen kann, habe ich noch einmal die Xbox Series S herangezogen und einige Szenen getestet. Siehe da – der kleine Kasten lässt seine Muskeln spielen. Mehr dazu erfahrt ihr unten im Artikel.

Kratzt weiterhin an der Unspielbarkeit: Cyberpunk 2077 auf der PS4

Die für mich offenkundigste Neuerung sind die deutlich höher aufgelösten Texturen. War vor Patch 1.2 häufig überhaupt nicht erkenntlich, was man überhaupt gerade anschaut, entdeckt man nun Aufkleber, deren Texte mittlerweile immerhin erkenntlich sind.

v1.2: Textur-Details Viele Texturen im Spiel sind nun weitaus höher aufgelöst.

v1.11: Textur-Details Aufkleber? Bierdeckel? Man erkennt kaum, was überhaupt dargestellt werden soll.

Außerdem wurden einige Effekte, etwa Wellengang auf Wasseroberflächen, wiederhergestellt, die zuvor fehlerhaft waren. Obendrauf gibt es leicht schickere Materialien, auf Ledersitzen und Kleidung sind nun mehr Strukturdetails erkennbar. Des Weiteren wurden feinere Reflexionen von CD Projekt Red aufgelistet, was sich auch bestätigen lässt.

v1.2: Reflexionen Leicht feinere Spiegelungen nach dem Update.

v1.11: Reflexionen In der vorherigen Version ist die Körnung etwas stärker.

Geringe Performance-Steigerung: Überhaupt betreffen die Verbesserungen viele einzelne Teilbereiche, die in Gänze Cyberpunk 2077 schärfer und visuell sauberer wirken lassen. Zu Lasten der Performance gehen diese Änderungen nicht. Tatsächlich ist die Framerate in einigen Szenen nun leicht stabiler. Die Spielbarkeit profitiert davon allerdings nur minimal, denn sobald es zum Kampf kommt, sind Abstürze auf bis zu 20 fps keine Seltenheit. Seid ihr im Auto unterwegs, wird es sogar noch ruckeliger. Noch immer konnte ich Tiefstwerte von 17 fps messen, Fahrzeuge sind dann kaum steuerbar. Die Third-Person-Perspektive schafft hier Abhilfe, dann läuft das Spiel meistens bei 30 fps.

v1.2: Framerate - Kampf Drops unter 20 fps sind in aufwendigen Szenen noch immer möglich. Kämpfe sind weiterhin äußerst ruckelig.

v1.11: Framerate - Kampf Das war zuvor schon, Slowdowns waren aber gröber und hielten länger an.

v1.2: Framerate - Autofahrt Autofahrten in der Egoperspektive sind noch immer quasi unspielbar.

v1.11: Framerate - Autofahrt Beide Versionen nehmen sich dahingehend nicht viel.

Weiterhin niedrige Auflösung: Bei der Analyse mehrerer Stichproben habe ich einen ungefähren Bereich von 756p und 864p berechnet, in dem sich die dynamische Auflösung des Spiels einpendelt hat, wobei 756p am häufigsten gezählt wurde. Patch 1.11 lag in vergleichbaren Situationen bei 720p bis 828p, zumeist bei 792p. Wenn überhaupt ist der Zielbereich nun konzentrierter, es kann sich jedoch auch um schlichte Schwankungen bei der Auswahl der Screenshots handeln. Bei dynamischen Auflösungen können Ergebnisse sehr variieren.

Xbox One X mit minimalen Verbesserungen

Auf der Xbox One X fielen mir kaum Änderungen zum vorherigen Patch auf. Visuell war diese Version bereits deutlich ansprechender, weshalb ich eher nach kleineren Performance-Tweaks gesucht habe. Die Framerate verhält sich weiterhin unruhig, immer wieder lassen sich Slowdowns bis runter auf 25 oder 20 fps in anspruchsvollen Szenen beobachten. Seltener und weniger grob als auf der PS4, aber immer noch spürbar. Patch 1.2 bessert nur minimal nach, hier und da lassen sich 1 oder 2 fps mehr messen.

v1.2: Kampf In Kämpfen wird häufiger eine Framerate von 30 fps gehalten, ruckelige Einbrüche auf bis zu 25 fps sind aber keine Seltenheit.

v1.11: Kampf Kaum ein Unterschied zum vorherigen Patch. Es besteht eine Differenz von wenigen fps.

v1.2: Marktplatz Auch mit Patch 1.2 sind anspruchsvolle Szenen wie der Markt in Kabuki ein Garant für niedrige Framerates knapp über 20 fps.

v1.11: Marktplatz Version 1.11 lag teilwese sogar noch darunter.

Einige Fehler haben sich eingeschlichen: Beim Anspielen fiel auf, dass Schatten nun offensichtlicher ins Bild geladen werden, obwohl CD Projekt eigentlich die Qualität in der Ferne verbessern wollte. Noch immer bauen sich Objekte direkt vor der Spielfigur auf, manche Werbetafeln werden erst gar nicht in einer höher aufgelösten Variante geladen. Zudem bin ich immer wieder auf Bugs gestoßen, die auf einmal dafür sorgten, dass Schattierungen aufflackerten oder das Spiel sekundenlang zum Stillstand bringen. Es besteht also noch immer Verbesserungspotenzial.

Flackernde Schatten Einige Male stieß ich auf defekte Schattenberechnungen, die sich als Fackern äußerten.

Falsches Level of Detail Ab und an lädt das Spiel noch immer nicht die hochauflösende Variante einer Textur. Das war auch vor v1.2 der Fall.

Wechselhafte Schattendarstellung Nähert man sich NPCs, verändert sich der Schwarzwert der Schatten sprunghaft. In Version 1.11 war dies noch nicht so deutlich wahrnehmbar.

An der Auflösung hat sich ebenfalls nichts getan: Eine Screenshot-Auswertung komplexer Szenen führte zu einem durchschnittlichen Ergebnis von 1156p, was dem Zustand der Patches zuvor entspricht. Von nativen 4K ist Cyberpunk 2077 auf der Xbox One X also weit entfernt.

Überzeugender Auftritt der Xbox Series S

Gutes Spielgefühl: Die Series S hält weitestgehend konstante 30 fps. Hin und wieder wird ein Frame ausgelassen, sobald man im Kampf schnell vorrückt oder zahlreiche Effekte direkt vor der Kamera abgefeuert werden. Die Auflösung entspricht dabei am ehesten der Xbox One X. In anspruchsvollen Situationen habe ich durchschnittlich 1104p gemessen, der Wert erhöhte sich aber leicht auf 1200p, sobald die Rechenlast abnahm. Grafisch ähneln sich beide Versionen zudem sehr, auf der Series S bekommt man allerdings häufiger grob aufgelöste Texturvarianten zu Gesicht.

Kampfsituation 1 Nach einem besonders blutigen und nah an der Kamera befindlichen Kopfschuss sank die Framerate auf 27 fps. Es blieb jedoch bei diesem Einzelfall.

Kampfsituation 2 Vernachlässigbar selten bleibt ein Frame im normalen Kampfgeschehen aus.

Vielbesuchter Marktplatz Der Markt in Kabuki stellt für die Framerate nun auch kein Problem mehr dar.

Autofahrt in der Egosperspektive Man kann auch prima in der Egoperspektive durch die Stadt rasen. Fehler beim Level of Detail sind in den Straßen aber keine Seltenheit.

Ältere Konsolen werden immer Probleme haben: Die vergleichsweise gute Performance auf der Xbox Series S verdeutlicht, an was es den älteren Konsolen fehlt. Auch die PC-Version liefert Hinweise, denn Cyberpunk 2077 lastet dort AMD-CPUs mit vier Jahre alter Architektur ordentlich aus. Die langsam ausklingende Konsolengeneration basiert aber auf acht Jahre alter Architektur, die noch nie für ihre Rohleistung seitens der CPU berühmt war. Ebenso müssen viele Daten von der Festplatte gestreamt werden, da der Speicherpool recht begrenzt ist. Die NVMe-SSD der Xbox Series S agiert dahingehend schnell genug, so dass es nicht zu Rucklern kommt.

Fazit

Chris Werian
@DrChrisRespect

Bisher habe ich mich davor gedrückt, in Cyberpunk 2077 reinzuspielen, da ich mich nicht durch solch ein unfertiges Produkt kämpfen wollte. Mein Blick auf den Titel ist daher recht nüchtern und hat sich im Falle der PS4 nicht verändert. Sobald auf dem Bildschirm ein bisschen mehr los ist, ist Cyberpunk 2077 auch mit Patch 1.2 nahezu unspielbar. (Stabile) 30 fps nehme ich in Shootern ja noch zähneknirschend hin, die Performance, die der Titel an den Tag legt, ist aber nach wie vor katastrophal und weit entfernt von guter Spielbarkeit. Die endlich verbesserten Texturen helfen da keineswegs.

Die Xbox One X hinkt ebenfalls ihren Möglichkeiten hinterher und leidet unter Framerate-Einbrüchen bis runter auf 20 fps in seltenen Szenen. Empfehlenswert ist Cyberpunk 2077 daher immer noch nicht, aufgrund der Bugfixes ist es zumindest erträglicher geworden. 4K-Optik erlebt ihr zudem auf keinem System, nicht einmal annähernd. Nun ja, sofern man die Xbox Series X mit ihrem Qualitätsmodus außen vor lässt. Dieser bietet solide 30 fps bei durchschnittlich 1728p. Beide neuen Konsolen packen zudem 60 fps bei ungefähr 1080p, die kleine Series S gibt 30 fps aus.

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