90er- und auch 80er-Jahre-Hardware wurde häufig mit einer gesunden Portion Widerstandsfähigkeit hergestellt, schließlich gab es komplexe Computer-Technik noch nicht in dem Überfluss, in dem sie heutzutage produziert wird.
Als eines der robustesten Geräte gilt der Game Boy, immerhin wurde er in Millionen Kinderrucksäcke gestopft und so ziemlich überall mit hingenommen. Keiner musste aber wohl so viel überstehen, wie dieses Exemplar, das einem im zweiten Golfkrieg stationierten US-Soldaten gehörte.
Sanitäter fragt bei Nintendo an, ob er Ersatz für einen völlig verkohlten Game Boy haben kann
Im Januar 1991 begann die Operation Desert Storm und damit der zweite Golfkrieg zwischen dem Irak und einer US-geführten, internationalen Koalition. Während des Krieges war auch der Sanitäter Stephan Scoggins im Mittleren Osten stationiert.
Das schreibt er in einem Leserbrief an das damalige Nintendo Power-Magazin, der im Juli 1991 in Ausgabe 26abgedruckt wurde:
„Als Polizist in Oklahoma City und eingetragener Sanitäter während Operation Desert Storm habe ich mich vielen Gefahren gestellt. Glücklicherweise waren dieser Game Boy, einige Game Paks (Anm. d. Redaktion: Spiele-Cartridges) und ein paar andere persönliche Gegenstände die einzigen Verluste, die durch ein Feuer während meiner Stationierung entstanden sind.”
Er fragte, ob es möglich wäre, einen Ersatz zu erhalten. Nintendo Power wurde damals von Nintendo of America publiziert, die Sendungen aus der Fan-Community gingen also direkt beim Videospielgiganten ein. Neben dem Leserbrief lag dem von Scoggins zugeschickten Paket auch der besagte Game Boy bei, Mitarbeiter*innen konnten also überprüfen, ob er noch funktioniert.
Und das klappte dann auch auf Anhieb mit einem Exemplar von Tetris.
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Der eingebaute LCD-Screen zeigte das Spiel an, lediglich ein paar Zeilen blieben frei. Allerdings konnten das Steuerkreuz und die A- und B-Taste nicht mehr verwendet werden. Die sind wohl zum Teil mit dem Gehäuse selbst verschmolzen, beziehungsweise könnten auch die Silikonmembrane verbrannt sein, die den Kontakt zwischen Platine und Bedienelement herstellen sollen. Einzig Start und Select schienen keine Probleme zu machen.
Erstaunlich, wenn man sich die Vorderseite des Game Boys anschaut, die völlig schwarz verkohlt und teils in sich zusammengefallen ist. Einzig die obere Rückseite blieb so gut wie unverschont, was in diesem Video beispielsweise ab Minute 24 gut zu sehen ist und das Einlegen einer Cartridge ermöglicht:
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Ausstellung im Nintendo-Museum
Die US-amerikanischen Mitarbeiter*innen von Nintendo haben den Game Boy von Stephan als Dank für seinen Dienst ersetzt und seinen angekokelten Handheld in den eigenen Fundus überführt. Ab 2010 wurde der Game Boy dann Teil des New Yorker Nintendo-Museums, wobei eine Texttafel noch einmal mehr Kontext gibt.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Kaserne, in der Scoggings stationiert war, bombardiert wurde. Genaue Daten zu dem Ereignis gibt es nicht, laut der Aussage des Sanitäters kann aber hergeleitet werden, dass keiner der dort untergebrachten Soldaten bei dem Angriff sein Leben verloren hat.
Seit Februar 2023 ist der Game Boy nicht mehr Bestandteil der Museumsausstellung und wird stattdessen im Nintendo of America-Hauptquartier in Washington verwahrt. Ob Scoggins noch immer Videospiele spielt, wissen wir nicht, anhand seiner Biografie lässt sich aber ableiten, dass er Medizinkurse anbietet, ein passionierter Sänger ist und sich für das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen einsetzt.
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