Gotham Knights: Batman musste sterben – auch wenn er gar nicht tot ist

Warum Gotham Knights den Dunklen Ritter gar nicht braucht, aber sicherlich trotzdem bekommt, darüber hat sich Rae ein paar Gedanken gemacht.

von Rae Grimm,
24.08.2020 18:00 Uhr

Batman erklärt sich in Gotham Knights höchstpersönlich für tot - können wir ihm aber glauben? Batman erklärt sich in Gotham Knights höchstpersönlich für tot - können wir ihm aber glauben?

Gerüchte um ein neues Batman-Spiel gibt es seit Jahren. Lange vor den ersten Leaks zu einem "Court of Owls"-Spiel umtrieb Bat-Fans die Frage, wie es nach dem Ende von Batman: Arkham Knight weitergehen könnte. Schließlich wollte niemand so recht glauben, dass - Achtung, Spoiler - Warner Bros. den Dunklen Ritter tatsächlich ein Ende gesetzt hätte - zumindest bis zu diesem Wochenende.

Denn während des DC Fandom-Events wurde mit Gotham Knights zwar ein neues Bat-Spiel angekündigt, allerdings ganz ohne Batman. Bruce Wayne ist tot und seine Familie soll seine Rolle als Beschützer Gothams übernehmen.

"Ohne Batman, ohne mich!", sagen die einen. "Batman musste sterben", sage ich.

Ja, ja, ich weiß. Der Drang, mich nun mit digitalen Baterangs zu bewerfen, ist stark. Ich hoffe, ihr gebt mir trotzdem eine Chance zu erklären, warum ich plötzlich verdächtig klinge wie der Joker. Dann verrate ich euch sogar, warum ich denke, dass Batman gar nicht tot ist.

Warum Batman sterben musste

Der Grundgedanke, warum der Dunkle Ritter sterben musste, ist vermutlich relativ simpel: Es war die sicherste Art, Abstand vom Vermächtnis der Rocksteady-Spiele zu gewinnen.

Zur Autorin:
Rae ist leidenschaftlicher Batman-Fan. Arkham Asylum und Arkham City gehören zu ihren absoluten Lieblingspielen und ihr Regal ist voller Bat-Family-Comics (auch wenn sie DC Comics The New 52 noch immer nicht verziehen hat). Sie verbringt irrational viel Zeit damit, über Batman zu reden. Bitte sprecht sie nicht auf Christopher Nolan an.

Mit der Arkham-Reihe veränderte das Studio nicht nur, wie wir Lizenz- und Superheldenspiele sehen, sondern sie bauten unbeabsichtigt auch eine Hürde für alle auf, die sich nach ihnen am Dunklen Ritter versuchen wollten. Wie hoch diese Hürde und somit die Gefahr an ihr zu scheitern ist, musste Gotham Knights-Entwickler Warner Bros. Games Montreal 2013 bereits am eigenen Leib erfahren.

In Batman: Arkham Origins konnten Warner Bros. nicht an die Rocksteady-Erfolge anknüpfen. In Batman: Arkham Origins konnten Warner Bros. nicht an die Rocksteady-Erfolge anknüpfen.

Ihr Prequel Batman: Arkham Origins kam nur zwei Jahre nach dem gefeierten Arkham City auf den Markt, konnte ihm allerdings schlicht nicht das Wasser reichen. Zu Unoriginell und Uninspiriert lautete der Tenor von Fans und Kritikern, der sich auch in den Verkaufszahlen niederschlug: Verglichen mit Arkham City verkaufte sich Origins zum Launch nur halb so gut.

Zwar ist das Prequel kaum so schlecht, wie es damals im direkten Vergleich wahrgenommen wurde, dennoch sorgte es für Zweifel bei Fans, dass WB Games Montreal den Fledermausmantel von Rocksteady gebührend übernehmen könne.

Entsprechend ist es durchaus verständlich, wenn nicht sogar konsequent, dass sie es mit Gotham Knights augenscheinlich nicht einmal versuchen, sondern sich neu orientieren. Und wie könnte man sich radikaler von dem abwenden, was Rocksteady erschaffen hat, als Batman aus dem nächsten "Batman"-Spiel zu nehmen?

Batman ohne Batman

Denn ja, im Kern ist Gotham Knights ein Batman-Spiel, auch ohne Bruce Wayne.

Immerhin dreht sich alles um die "Bat-Family", die titelgebenden Gotham Knights, verkörpert durch Nightwing, Batgirl, Robin und Red Hood. Um Helden und Heldinnen, die dem Dunklen Ritter nahe stehen, Teil seiner Familie sind. Die sein Symbol tragen und so letztlich den Mythos um den Fledermausmann in Gotham City noch verstärken. Die aber gerade deshalb auch zu oft in seinem Schatten verschwinden. Ein bisschen so, wie Warner Bros. Games Montreal drohte, im Fledermaus-förmigen Schatten von Rocksteady zu verschwinden.

Der Kampfstil von Batgirl orientiert sich klar an Batman selbst. Der Kampfstil von Batgirl orientiert sich klar an Batman selbst.

Vielleicht ist die Entscheidung eines Batman-Spiels ohne Batman daher schon fast symbolischer Natur. Ein erster Schritt fort von dem Vermächtnis Rocksteadys und gleichzeitig ein erster Schritt auf einem eigenen Weg.

Allerdings nicht, ohne mit dem Ankündigungstrailer noch einmal dem Tribut zu zollen, was vor ihnen kam. Denn obwohl Gotham Knights für sich selbst stehen soll, ist der Beginn des Trailers gleichzeitig eine Hommage an das Ende von Arkham Knight: Beide konfrontieren uns mit dem Tod von Batman.

Oder zumindest sollen wir das beide Male glauben.

Batman ist gar nicht tot

Seien wir doch mal ehrlich: Das Ende von Arkham Knight war so übertrieben dramatisch wie unglaubwürdig. Niemand, der nur ein paar Minuten mit Batman verbracht hat - sei es in den Comics, Spielen oder Filmen - dürfte der Idee Glauben schenken, dass Batman tatsächlich in einer (selbst ausgelösten) Explosion gestorben ist.

Ähnlich unglaubwürdig ist es, dass Batman in Gotham Knights tatsächlich tot ist. Selbst wenn das Koop-Spiel losgelöst vom Arkham-Universum für sich selbst stehen soll, die Chance, dass WB Games Montreal eine so finale Entscheidung bezüglich eines der beliebtesten Superhelden aller Zeiten trifft, ist eher gering. Nicht nur, weil Gotham Knights kaum das letzte Batman-Spiel von Warner Bros. sein wird, sondern auch, weil der Tod in Superhelden-Geschichten selten mehr als eine vorübergehende Randerscheinung ist. Und weil der Tod sich so hervorragend für dramatische Plottwists eignet.

Wenn ein Charakter in der Größenordnung von Batman stirbt, dann liegt das in der Regel an einem der folgenden Dinge:

  1. Eine Geschichte soll besonders dramatisch beendet werden
  2. Der Tod des Charakters soll für andere Figuren als Motivation dienen
  3. Der Tod ist nur ein Deckmantel für etwas anderes

Im Fall von Gotham Knights wäre eine Mischung der letzten beiden Punkte mehr als denkbar. Gerade dann, wenn der Hauptantagonist in Gotham Knights der berüchtigte Court of Owls ist. Ein Geheimbund, der seit Jahrhunderten Gotham kontrolliert und sich als einer von Batmans größten Gegnern herausstellt. Ein Gegner, den er vielleicht nur besiegen kann, wenn er ihn von innen heraus zerstört.

Ist Batman der Bösewicht in Gotham Knights?

Und hier befinden wir uns nun tief im Fantheorie-Territorium, in das sich auch schon Comicbook.com begeben hat. Die Comic-Experten werfen die Idee in den Raum, dass es vielleicht Batman selbst ist, gegen den Batgirl, Robin, Nightwing und Red Hood im Verlauf von Gotham Knights kämpfen müssen, nachdem Bruce zum Talon geworden ist.

Bei den Talons handelt es sich um die nazu unsterblichen Auftragskiller des Court of Owls, die dank eines Serums von den Toten auferweckt wurden, um der Organisation zu dienen. Dass die maskierten Killer eine wichtige Rolle in Gotham Knights spielen werden, zeigte das letzte Drittel des Reveal-Trailers, der den Court of Owls vorstellte.

Gotham Knights - Erster Trailer zeigt spielbare Helden 4:48 Gotham Knights - Erster Trailer zeigt spielbare Helden

Es wäre durchaus denkbar, dass sich auch ein wiederbelebter Bruce Wayne hinter einer der Masken steckt. Entweder freiwillig, weil er den CoO von innen heraus zerstören will und dafür erst gezielt sein Leben opferte (Batman-Fans wissen, dass Bruce gerne mal zu drastischen Maßnahmen greift) oder unfreiwillig, weil der Court seine Krallen in Batman geschlagen hat.

Ein Twist dieser Art würde nur gut zu einem Batman-Spiel passen. So gut, dass es nicht einmal das erste Mal wäre, dass uns der Tod eines Mitglieds der Bat-Family vorgegaukelt wird, um später für eine Überraschung zu sorgen.

Natürlich, aktuell sind das alles nur Theorien. Dennoch fällt es mir schwer zu glauben, dass WB Games Montreal tatsächlich das Ende von Batman eingeläutet hat. Vielleicht lese ich zu viele Comics, dass ich den Tod eines Helden schlicht nicht mehr glauben kann, vielleicht interpretiere ich zu viel in Kleinigkeiten. Oder vielleicht habe ich auch einfach Recht.

Wenn nicht, dann könnt ihr gern 2021 wiederkommen, wenn wir alle Gotham Knights durchgespielt haben, und mir das vorhalten. Und dann hab ich sicher eine neue Theorie.

Schreibt uns gerne in die Kommentare, was ihr zu unseren Theorien sagt. Was meint ihr, welche Rolle spielt Batman in Gotham Knights?

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