Halo: TV-Serie – Warum ich nach zwei Folgen noch zwischen den Stühlen sitze

Heute startet die Halo-Serie auf Sky. Tobi konnte bereits vorab zwei Folgen sehen und ist jetzt gespannt auf mehr. Auch wenn er manche Entscheidungen seltsam findet.

von Tobias Veltin,
24.03.2022 15:00 Uhr

Der Master Chief spielt in der Halo-Serie wenig überraschend die Hauptrolle. Der Master Chief spielt in der Halo-Serie wenig überraschend die Hauptrolle.

Die Halo-Serie hat sich lange Zeit gelassen. Erstmals im Jahr 2013 angekündigt hat es fast zehn Jahre gedauert, bis die erste Staffel auf Sendung geht. Ab dem 24. März könnt ihr euch Halo beim Pay-TV-Sender Sky anschauen. Ich hatte bereits vorab die Möglichkeit, die ersten beiden Folgen der ersten Staffel zu sehen und verrate euch, was mir gefallen hat – und wo ich als Kenner der Spiele ordentlich schlucken musste.

Achtung, es folgen Spoiler zur Handlung der Halo-Serie!

Ganz kurz zum Plot der ersten beiden Folgen: Halo spielt wie auch die Spiele im 26. Jahrhundert. Als ein Trupp der bedrohlichen Covenant-Aliens einen menschlichen Außenposten auf dem Planeten Madrigal angreift, wird das aus Spartan-Supersoldaten bestehende Silver-Team unter dem Kommando von Master Chief 117 (gespielt von Pablo Schreiber) losgeschickt, um die Bedrohung zu beseitigen.

Neben einer einzigen Überlebenden – dem Mädchen Kwan (Yerin Ha) – findet der Chief dort in einer Höhle auch ein mysteriöses Alien-Artefakt, das ihm bei Berührung Visionen von seiner Vergangenheit durch den Kopf schießen lässt. Er ist davon so aufgewühlt, dass er sich direkt einem Befehl seiner Vorgesetzten widersetzt und mit Kwan flieht, um mehr über das Artefakt herauszufinden. Aber natürlich suchen auch die Covenant nach dem Artefakt…

Mir ist natürlich klar, dass sich hauptsächlich Halo-Fans für die Serie interessieren werden und die dürften sich beim Lesen der Zusammenfassung oben vermutlich schon verwundert die Augen gerieben haben. Der Master Chief, also DER stoische Befehlsempfänger und -ausführer schlechthin, verweigert direkt mal einen Befehl? So ist es und ihr solltet euch darauf gefasst machen, hier noch mehr Überraschungen zu erleben. Kompletten Halo-Neulingen fehlt dagegen vermutlich etwas Exposition, weil viele Charaktere und Ereignisse ohne großartige Erklärungen einfach hingeschmissen werden. 

Im Trailer bekommt ihr einen Vorgeschmack auf den Look&Feel der TV-Serie:

Halo-Serie: Der neue Trailer gewährt euch einen ersten Blick auf Cortana 2:04 Halo-Serie: Der neue Trailer gewährt euch einen ersten Blick auf Cortana

Willkommen in der Silver-Timeline

Um es direkt ganz klar zu sagen: Auch wenn sich Halo natürlich merkbar an Geschehnissen, Figuren und der allgemeinen Lore des Halo-Universums orientiert, handelt es sich hier um KEINE Adaption oder kanonisch korrekte Anlehnung an die Spiel-Timeline. Vielmehr schafft die Serie ihre eigene, die "Silver-Timeline", und fühlt sich für mich dadurch an vielen Stellen wie eine Neuinterpretation der Reihe an. 

Beispiel gefällig? Der Master Chief nimmt bereits in der ersten Folge seinen Helm ab. Ja, korrekt. Er. nimmt. seinen. Helm. ab. Etwas, für das die Macher der Spiele vermutlich mit Fackeln und Mistgabeln bis an ihr Lebensende vom wütenden Community-Mob verfolgt worden wären, passiert hier quasi recht beiläufig.

Und das habe ich einerseits überraschenderweise als sehr coolen Moment empfunden – war aber gleichzeitig auch enttäuscht, weil Pablo Schreiber eben wie ein ganz normaler Typ in einer Rüstung aussieht und nach meinem Empfinden nicht wie jemand, der seit seiner Kindheit durch schmerzhafte Operationen, Körperverbesserungen und militärischen Drill zur effektivsten Kampfmaschine der Menschheit heran gezüchtet wurde. 

Tobias Veltin
@Frischer Veltin

Tobi hat nicht nur sämtliche Halo-Spiele verschlungen, sondern auch alle bisherigen Verfilmungen und Mini-Serien zu dem Thema gesehen. Wirklich enttäuscht hat ihn noch keine, allerdings hatte er auch stets ziemlich niedrige Erwartungen. So auch bei der jetzigen TV-Serie, die diese Erwartungen aber schon jetzt zumindest teilweise übertroffen hat.

Der Master Chief sieht also aus wie ein ganz normaler Kerl und natürlich ist das insbesondere für das nicht Halo-affine Publikum auch sinnvoll. Zumal schon in den ersten beiden Episoden anklingt, dass hier eine deutlich persönlichere Seite des Master Chiefs gezeigt werden wird, etwas das in den Spielen höchstens ansatzweise in Halo 4 zu finden war. Der Chief beginnt zu hinterfragen und wird so greifbarer, was natürlich auch an Pablo Schreiber liegt, dem es ganz gut gelingt, den normalerweise sehr wortkargen und analytischen Chief zu mimen. 

Gänsehaut beim Halo-Theme

Der "Helm-Ab"-Moment dürfte für Fans trotzdem ein Schock sein, den zumindest ich aber mit dem Wissen um die erwähnte Neuinterpretation recht schnell überwunden hatte, ebenso wie die Tatsache, dass der Chief sich der Befehlskette widersetzt oder die Serie auch ansonsten keinerlei Plot-Ähnlichkeiten zu den Spielen aufweist.

Aber wohl auch genau deshalb entspinnt sich in den ersten beiden Folgen auch für Halo-Kenner schnell eine recht interessante und gut zu überblickende Konstellation mit einigem Konfliktpotenzial. Die UNSC (United Nations Space Command) verfolgt den Master Chief als Abtrünnigen und da auch die Seite der Covenant beleuchtet wird, ist schnell klar, dass das Artefakt irgendetwas mit einem der sagenumwobenen Halo-Ringe zu tun haben muss. Und als in exakt dieser Szene im Hintergrund ganz subtil eine Variation des bekannten Halo-Themes erklang, breitete sich eine wohlige Gänsehaut auf meinem Körper aus.

Die Kampfszenen sind gut choreographiert, grundsätzlich wird in den ersten beiden Folgen aber wenig gekämpft. Die Kampfszenen sind gut choreographiert, grundsätzlich wird in den ersten beiden Folgen aber wenig gekämpft.

So wie übrigens auch in einigen anderen Szenen, denn natürlich steckt auch jede Menge der Spiel-Halos in der Serie. Angefangen vom Look der Covenant,  von denen in den ersten Folgen nur die aggressiven Elite-Krieger sowie die Propheten-Anführer zu sehen sind, über das Design von Waffen – die allerdings anders klingen als in den Spielen – bis hin zu Charakteren wie der Schöpferin des Spartan-Programms Dr. Catherine Halsey (gespielt von Natascha McElhone) wird man hier einiges Vertrautes wiedererkennen.

Mir hat besonders imponiert, wie brutal und erbarmungslos die Covenant dargestellt werden, eine derartige Brutalität hatte ich so in der Serie nicht erwartet. Ebenso wenig wie die doch ganz cool choreographierten Kampfszenen, die keinen Zweifel am Supersoldaten-Status der Spartans lassen. Leider können die CGI-Effekte da nicht ganz mithalten, insbesondere die Aliens heben sich teils zu deutlich vom Hintergrund ab bzw. wirken wie reingesetzt, hier ist die Illusion nicht immer ideal.  

Star Wars-Vibes und ein besonders spannender Charakter

Dafür haben mir aber die bislang vorgestellten Schauplätze und Charaktere gut gefallen. Neben dem Wüstenplanet Madrigal sind in den ersten Folgen unter anderem der Militärplanet Reach, die Covenant-Basis High Charity und die in einem Asteroidenfeld angelegte Stadt "The Rubble", wo der Master Chief den aus der Spartan-Grundausbildung geflohenen Soren aufsucht, zu sehen. Hier zeigt sich schon sehr eindrucksvoll, wie vielfältig sich die Menschheit im All ausgebreitet hat. Insbesondere die Etablierungs-Shots haben dabei harte Star Wars-Vibes und auch die Innenräume der Schauplätze empfinde ich bislang als eine recht glaubwürdige Interpretation des Halo-Stoffes. 

Natascha McElhone spielt die schwer durchschaubare Catherine Halsey. Natascha McElhone spielt die schwer durchschaubare Catherine Halsey.

Neben Pablo Schreiber als Master Chief und der bislang noch eher als Sidekick agierenden Kwan war ich zudem recht angetan von der Performance von Natasha McElhone als Dr. Halsey, die als brillante Wissenschaftlerin nicht so wirklich zu durchschauen ist und im Hintergrund ihr eigenes Süppchen kocht.

Und mit Makee tritt zudem ein komplett neuer Charakter auf den Plan, die stellvertretend ist für das, was die Halo-Serie bislang für mich so interessant macht. Denn sie ein Mensch, der aber von den Covenant entführt wurde und nun auf deren Seite steht. Eine meiner Meinung nach extrem spannende Figur, die es in dieser Form in den Spielen nicht gab und von der ich kaum erwarten kann, mehr über sie in den kommenden Folgen zu erfahren.

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Mein Zwischenfazit nach zwei Folgen Halo

Nach den ersten beiden Folgen sitze ich also noch ein wenig zwischen den Stühlen. Einerseits genieße ich es total, hier eine "Original Story" zu sehen, weil sie eben nicht alles aus der bisher bekannten Lore wiederkäut, sondern dadurch das Potenzial hat – und stellenweise sogar schon ausschöpft – mich zu überraschen. Andererseits hätte sich der Fan in mir natürlich trotzdem gewünscht, dass sich die Macher hier und da vielleicht noch ein bisschen mehr an den Spielen orientiert hätten, beispielsweise bei den Waffen-Sounds.

Deshalb bin ich mir auch nicht sicher, wer die konkrete Zielgruppe für diese Serie sein soll. Hardcore-Fans könnten zu viele Entscheidungen sauer aufstoßen, komplette Neulinge finden ähnlich wie zum Beispiel bei Halo Infinite zu wenig Exposition oder Anknüpfungspunkte. Für mich persönlich bietet die Serie jedenfalls sowohl genügend bekannte, als auch spannende neue Elemente – und damit genug Gründe, um mir definitiv auch die restlichen sieben Folgen der ersten Staffel anzuschauen. 

Habt ihr schon die erste Folge der Serie gesehen? Was sagt ihr bislang?

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