Dieses Horrorspiel-Remake hat mir gezeigt, welchen Fehler Neuauflagen auf keinen Fall machen dürfen

Samara hat kürzlich noch mal den Anfang eines PS4-Horrorhits gezockt und anschließend in die Neuauflage geschaut. Eine Sache war ihr dabei ein Dorn im Auge.

Das Remake sieht schick aus, hier liegt nicht das Problem. Das Remake sieht schick aus, hier liegt nicht das Problem.

Ich habe mich kürzlich nach 11 Jahren zum ersten Mal wieder in den interaktiven Teenie-Horror Until Dawn gestürzt. In einem frischen Playthrough will ich mir endlich eine Trophäe schnappen, die mir bislang noch fehlt.

Während ich für den Playthrough das Original aus dem Jahr 2015 ausgepackt habe, habe ich dank PS Plus aber auch mal in das 2024er-Remake reingeschaut. Das hat mir mit seinen kleinen Änderungen ebenfalls gut gefallen. Zumindest, bis das Intro einsetzte.

Video starten 1:47 Until Dawn Remake zeigt, wie gut das Horrorspiel auf PS5 aussieht

Kein O' Death? Oje

Wie das Originalspiel warf mich die Neuauflage nach ein paar spielbaren Passagen in ein cineastisches Intro, das aus düster-atmosphärischen Bildern besteht. Zu meiner großen Überraschung erklang dabei aber nicht Amy Van Roekels markante Stimme mit O Death – sondern ein komplett neuer Song.

Mich hat das als Fan des Supermassive-Originals  sofort rausgerissen. Insbesondere nachdem ich gerade noch gelobt hatte, wie gut die Inszenierung des originalen Grusel-Adventures gealtert ist – und dabei insbesondere das zweiteilige Intro mit seinem Gänsehaut-Song herausgestellt hatte .

Samara Summer
Samara Summer

Samara ist ausgebildete Musikerin, aber auch begeisterter Musikfan. Neben abgedrehtem Punk hört sie alles Mögliche von Pop und elektronischer Musik über Folk bis hin zu Extrem Metal. Spiele-Soundtracks sind ihr extrem wichtig und sie analysiert besonders gerne, mit welchen Stilmitteln diese eine spezielle Stimmung erzeugen.

Bei O' Death handelt es sich um einen Traditional Folk-Song, von dem zig unterschiedliche Interpretationen existieren. Die Version von Jeff Grace und Van Roekel gehört für mich zu den stärksten und passt perfekt zum eisigen Setting von Until Dawn. 

Der martialisch anmutende Track mit dem emotional leiernden Gesang und den pointierten Streichern hat mir sofort vermittelt, dass auf diesem verschneiten Berg irgendetwas Böses, Uraltes auf die Teens lauert. Das Lied steht für mich dementsprechend sinnbildlich für das Spiel und seine ganz spezielle, packende Atmosphäre. 

Und genau da liegt mein Problem mit der Neuauflage: Remake-Entwickler Ballistic Moon hat mit dem neuen Song “Out of the Shadows” von Mae Stephens die komplette Stimmung des Intros verändert. 

Ob einem der moderne Popsong gefällt oder nicht, ist natürlich Geschmackssache, und mir geht es auch gar nicht darum zu sagen: Der eine Song ist schlechter als der andere. 

Titelsongs sind eng mit der Atmosphäre eines Spiels verwoben

Worum es mir stattdessen wirklich geht: Weil ein Opener derart wichtig für die Atmosphäre ist, ist es für mich ein absolutes No-Go, es in einer Neuauflage auszutauschen – gerade wenn wie beim Slasher-Adventure im Großen und Ganzen alles beim Alten bleibt. 

Mal ganz abgesehen davon, dass bei Horrorspielen die Stimmung ohnehin eine tragende Rolle einnimmt, gilt das für mich auch in anderen Genres:

Stellt euch nur mal Red Dead ohne den epischen Western-Track von Bill Elm und Woody Jackson vor. Oder The Last of Us ohne das melancholisch vor sich hin tröpfelnde Thema von Gustavo Santaolalla. Es gäbe noch zig weitere Beispiele. Wenn die bekannten Melodien erklingen, geht mir persönlich das Herz auf.

Manchmal können natürlich Lizenzprobleme Remake-Entwicklern einen Strich durch die Rechnung machen.  Das war aber bei Until Dawn nicht der Fall, wie ein PlayStation-Blogeintrag verrät. Vielmehr wollte das Team die Stimmung des Spiels mit einem neuen Soundtrack bewusst verändern, um sich damit stärker vom Originalspiel zu lösen.

An manchen Stellen finde ich das auch völlig in Ordnung. Ballistic Moon hat sich gerade bei der Bedeutung der Songs durchaus einiges gedacht – und Out of the Shadows passt immerhin zu den Teens. 

Aber die ganz markanten Tracks, allen voran derart starke Titelsongs, sollten gerade ziemlich originalgetreue Remakes meiner Meinung nach nicht anfassen, weil sie einfach zur Seele des Spiels gehören.

Bei welchen Spielen könntet ihr euch eine Neuauflage ohne die kultigen Titeltracks nicht vorstellen? Und was sind für euch die größten Fehler, die Remakes machen können?


Kommentare(2)
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