Mario Kart Live: Home Circuit ist eine geniale Idee mit einigen Macken

Der neueste Mario Kart-Ableger ist anders als alle bisherigen. Das macht ihn einerseits cool, andererseits zeigt Home Circuit aber auch deutliche Schwächen.

von Tobias Veltin,
21.10.2020 14:00 Uhr

Mario Kart Live: Home Circuit ist das bislang ungewöhnlichste Mario Kart Mario Kart Live: Home Circuit ist das bislang ungewöhnlichste Mario Kart

Update vom 21. Oktober 2020
Wir haben unseren "So funktioniert Mario Kart Live"-Artikel mit unseren Eindrücken des finalen Spiels/Spielzeugs ergänzt. Am Ende führen wir zudem Pro- und Contra-Punkte auf und vergeben eine Einschätzung.

Mit Mario Kart Live: Home Circuit hat Nintendo Mitte Oktober ein höchst interessantes Spinoff der beliebten Funracer-Reihe veröffentlicht. Denn statt ganz klassisch über rein virtuelle Strecken zu flitzen, steuert ihr bei Mario Kart Live ferngesteuerte Spielzeugautos durch eure Wohnung, seht dabei deren Perspektive durch eine darin verbaute Kamera und könnt selbst Strecken bauen. Was der Titel genau zu bieten hat und ob das Spaß macht, verraten wir euch in diesem Artikel:

Das braucht ihr für Mario Kart Live: Home Circuit

Um Mario Kart Live: Home Circuit spielen zu können, benötigt ihr folgendes:

  • 1x Mario Kart Live Starter-Set (Mario oder Luigi, jeweils ca. 110 Euro)
  • 1x Nintendo Switch
  • Mario Kart Live-Software (wird kostenlos im eShop erhältlich sein)

Wichtig: Wenn ihr im Multiplayer zocken wollt (bis zu vier Teilnehmer*innen sind möglich), benötigt jeder ein eigenes Kart sowie ein eigenes Switch-System.

Und damit kann es auch schon losgehen. In jedem Starter-Set findet ihr folgende Inhalte:

  • 1x ferngesteuertes Spielzeugkart mit Kamera
  • 4 Streckenmarkierungstore aus Pappe
  • 2 Richtungspfeile aus Pappe
  • USB-C-Ladekabel

Die Inhalte des Luigi-Starter-Sets in der Übersicht. Die Inhalte des Luigi-Starter-Sets in der Übersicht.

So funktioniert das Setup von Mario Kart Live

Wenn ihr die Mario Kart Live-Software startet, werdet ihr gebeten euer Kart mit dem Spiel zu verbinden. Das funktioniert über einen QR-Code, den ihr mit der Kamera des Karts abscannt. Danach ist der Flitzer mit der Konsole gekoppelt.

Anschließend folgt ein kurzes Tutorial, in dem ihr euch mit der Steuerung des Karts vertraut macht. Die Aktionen sind Mario Kart-typisch überschaubar, es gibt Beschleunigen, Bremsen und rückwärts fahren, Extra-Einsatz und eine Hupe. Witzige Idee: Zum Abschluss des Tutorials werdet ihr gebeten, ein Foto von euch zu machen, welches dann auf einen virtuellen Führerschein gepappt wird.

Danach geht es an den Streckenbau. Die vier im Starterset enthaltenen Tore platziert ihr beliebig in eurer Wohnung und fahrt diese dann nach und nach mit eurem Kart ab, bis ihr einen fertigen Rundkurs habt. Danach lässt sich der Kurs dann gegen ein paar Koopalinge ausprobieren.

Bei der Kurserstellung "zeichnet" ihr den Strecke mit Farbe. Bei der Kurserstellung "zeichnet" ihr den Strecke mit Farbe.

Die Spielmodi von Mario Kart Live: Home Circuit

  • Grand Prix: Drei Rennen hintereinander, für gute Platzierungen gibt es Punkte. Wer am Ende die meisten gesammelt hat, gewinnt.
  • Custom Race: Einzelrennen auf beliebig gebauten Strecken
  • Time Trial: Rennen gegen die Zeit. Habt ihr eine Bestzeit erreicht, könnt ihr anschließend gegen einen "Zeitgeisterfahrer" antreten.
  • Local Multiplayer: Rennen für ein bis vier "echte" Spieler*innen

Kein Online-Multiplayer: Eine Online-Multiplayer-Komponente ist nicht geplant, unter anderem wegen der sehr schwierigen technischen Umsetzung.

Schwierigkeitsgrade: Wie in der Mario Kart-Serie üblich, gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, die in cc angegeben werden. Insgesamt gibt es vier Stufen (50cc, 100cc, 150 cc und 200cc) 50 ist dabei die einfachste/langsamste Variante, 200cc die schnellste. 150 und 200 werden erst freigeschaltet, wenn ihr insgesamt 5 bzw. 10 Trophäen gesammelt habt.

Damit eine einmal gebaute Strecke nicht zu eintönig wird, gibt es unter anderem verschiedene Grafikeffekte wie hier Schnee oder Unterwasser. Damit eine einmal gebaute Strecke nicht zu eintönig wird, gibt es unter anderem verschiedene Grafikeffekte wie hier Schnee oder Unterwasser.

Cool: Die Auswahl der cc-Klasse wirkt sich direkt auf die Geschwindigkeit der ferngesteuerten Autos aus. Je schneller die cc-Klasse, desto flotter sind auch die RC-Cars in eurer Wohnung unterwegs.

Das Gameplay von Mario Kart Live: Home Circuit

Wenig überraschend funktioniert auch dieses Mario Kart wie seine zahlreichen Vorgänger. Mit Luigi oder Mario flitzt ihr über die Strecke, sammelt Extrawaffen ein und versucht, möglichst als erster durchs Ziel zu kommen.

Bei den Extrawaffen gibt es viele alte Bekannte wie Schildkrötenpanzer, Bomben oder Pilze, aber auch einige neue Items wie einen Sturm. Ja, richtig gelesen.

Der Clou: Viele der Items haben einen Effekt auf die echten RC-Karts. Werdet ihr von einem roten Panzer getroffen, bleibt euer Kart etwa kurz stehen, beim Sturm wird das Kart nach links oder rechts gezogen und ihr müsst gegenlenken. Das sah in der Präsentation schon extrem witzig aus.

Falls ihr euch jetzt übrigens immer noch nicht klar sein solltet, wie ihr euch Mario Kart Live: Home Circuit vorstellen müsst, legen wir euch den Ankündigungstrailer ans Herz:

Mario Kart Live: Home Circuit - Trailer zu AR-Spiel für Switch 1:47 Mario Kart Live: Home Circuit - Trailer zu AR-Spiel für Switch

Zahlreiche Modifikationsmöglichkeiten

Pfiff kommt neben den Extrawaffen auch durch andere, anpassbare Elemente ins Spiel. Denn die Tore, die ihr während des Rennens durchfahrt, lassen sich von euch unter anderem mit vielen Fallen oder anderen Extras versehen. In der Präsentation sehen wir unter anderem:

  • Item-Boxen
  • Magnet (zieht den Fahrer an)
  • Piranha-Pflanze (schnappt sich den Fahrer, der unter ihr durchfährt)
  • Blitzkugel
  • rotierende Flammenpeitschen
  • Thwomps
  • Boost-Pfeile

Die Position der Elemente lässt sich im Editor zudem noch genauer festlegen (z.B. auf die linke oder rechte Seite eines Tores). Dadurch ergeben sich etliche Möglichkeiten für Hindernisse und fiese Fallen.

An diesem Tor wurde eine fiese Piranha-Pflanze platziert. An diesem Tor wurde eine fiese Piranha-Pflanze platziert.

Und natürlich könnt ihr auch auf der "echten" Strecke Hindernisse aufstellen, die dann umfahren werden müssen. Der Kreativität sind hier zumindest auf dem Papier keine Grenzen gesetzt.

Freischaltbare Belohnungen

Auf den Strecken könnt ihr Münzen sammeln, die ab einer bestimmten Anzahl dann Boni freischalten:

  • Fahrer-Outfits (z.B. Cowboy, Bauarbeiter etc.)
  • Karts (z.B. Schiff oder Bagger)
  • Hupentöne
  • Neue Bedingungen für den Kursbau-Modus (neue Tore, Wettereffekte etc.)
  • Radiosender (bekannte Mario Kart-Themes)

Die Kart-Varianten beziehen sich natürlich auf die virtuelle Version, zudem sind die freischaltbaren Skins/Outfits rein optischer Natur und haben keine spielerischen Auswirkungen.

Mit Münzen schaltet ihr neue Kartvariationen und Outfits frei. Mit Münzen schaltet ihr neue Kartvariationen und Outfits frei.

Macht das Spaß? Unsere Test-Eindrücke zu Mario Kart Live

Wir bekamen von Nintendo die Luigi-Variante von Mario Kart Live zur Verfügung gestellt und haben damit mehrere Stunden zuhause herumgespielt. Einrichtung und Setup sind angenehm schnell erledigt, allerdings erst, wenn das Kart über das mitgelieferte - und viel zu kurze - USB-Kabel voll geladen ist. Das ist in zwei bis drei Stunden erledigt, eine Akkuladung hält dann für mehrere Stunden.

Und beim spielen selbst kommt dann auch schnell echtes Mario Kart-Feeling auf, wir haben jedenfalls schnell vergessen, dass es sich um ein AR-Mario Kart handelt. Das liegt zum einen an den zahlreichen bekannten Items, aber auch an der sehr guten und direkten Steuerung. Sogar Drifts sind möglich, die werden allerdings nur virtuell angezeigt und fühlen sich auch nicht so befriedigend an wie beispielsweise in Mario Kart 8. Das herumexperimentieren mit den verschiedenen Bedingungen macht Spaß und durch die eigene Wohnung zu flitzen und dabei die coolen AR-Effekte zu sehen, hat definitiv seinen Charme, weil es eben mal etwas anderes ist.

Die Steuerung des RC-Karts funktioniert sehr gut. Die Steuerung des RC-Karts funktioniert sehr gut.

Allerdings gerät das Konzept auch schnell an seine Grenzen. Denn der normalerweise bei Mario Kart-spielenden Kursvielfalt steht bei Home Circuit schnell der eigene Platzmangel im Weg, zumindest wenn man eine nicht überdurchschnittlich große Wohnung hat. Da die Tore recht viel Platz wegnehmen, legt man sich schnell auf einige wenige Varianten fest, die AR-Effekte (Unterwasser, Wüste etc.) sorgen dann für optische Variation, können aber nicht verhehlen, dass man meistens ähnliche Streckenverläufe fährt.

Denn in einem Cup für jedes Rennen eine neue Piste zu kreieren (das geht), ist zu aufwändig und bringt kaum Mehrwert. Außerdem nutzt sich die Gegnerauswahl recht schnell ab, denn ihr tretet in jedem Rennen gegen Baby Bowser und die Koopalinge an.

Die verschiedenen Grafikeffekte bringen Variation, die Strecken selbst nutzen sich aber schnell ab. Die verschiedenen Grafikeffekte bringen Variation, die Strecken selbst nutzen sich aber schnell ab.

Ein dicker Minuspunkt: Die Erkennung der Pisten hakt mit der Zeit und es kommt zu ärgerlichen Verschiebungen. Wo eine unserer Strecken beispielsweise nach der Erstellung noch perfekt unter dem Wohnzimmertisch entlang führte, verschob sich der Verlauf wenig später derart, dass wir einem Tischbein ausweichen mussten. Auch an den Toren ist diese Verschiebung sehr gut sichtbar, wenn sie die Piste nach einer kurzen Zeit nicht mehr perfekt überspannen.

Ansonsten ist die technische Umsetzung des Spiels unserer Erfahrung nach in Ordnung. Ihr solltet euch mit dem Kart allerdings nicht allzu weit von der Switch entfernen (unserer Erfahrung nach ist bei maximal fünf Metern Schluss), Wände sind zudem Gift für den Empfang. Wer also größere Strecken in der Wohnung plant, sollte sich darauf einstellen, den Handheld-Modus zu nutzen und dem Kart dann durch die Wohnung zu folgen.

Erwartet zudem keine Wunderdinge von der Kamera der Karts. Denn deren Bild bietet nicht die höchste Auflösung und entsprechend ein leicht verwaschenes Bild. Das fällt natürlich im Handheld-Modus deutlich weniger negativ auf als auf einem großen (4K)-TV.

Was ihr sonst noch wissen müsst

Während der knapp einstündigen Präsentation gab es noch eine Reihe weiterer interessanter Beobachtungen, außerdem konnten wir Fragen stellen.

  • Turbostart: Ist auch in Mario Kart Live drin, wenn ihr also zu einer bestimmten Zeitpunkt des Countdowns zu Beginn die Beschleunigen-Taste drückt, startet ihr mit einem Boost ins Rennen.
  • Abkürzungen: Wer abkürzt, muss zumindest spielintern nicht mit Strafen rechnen, dafür ist das Tracking anscheinend zu kompliziert. Außerdem ist es möglich, pro Rennen Tore auszulassen.
  • Nur für Innenräume geeignet: Ihr werdet mehrfach darauf hingewiese, dass die Karts nicht für den Gebrauch im Freien designet wurden, außerdem sollte man auf flachen Untergründen spielen (also keine Rampen etc. bauen). Unserer Einschätzung nach sollte man sich da unbedingt dran halten, da die Karts ohnehin keine allzu großen Steigungen schaffen.
  • Stabilität der Karts: Die Karts sind laut Nintendo "normale" Benutzung ausgelegt, kleine Zusammenstöße mit Tischbeinen oder Türstoppern überlebte unserer Luigi-Kart bislang ohne große Macken.
  • Reifen säubern: Die Gummireifen des Karts verschmutzen recht schnell mit Staub. Wir empfehlen deshalb, die Reifen von Zeit zu Zeit abzuziehen und zu säubern, danach flitzt man wieder etwas schneller durch die Wohnung.
  • Mehr Charaktere? Dazu sagte man uns, dass man "noch nichts anzukündigen habe", was zumindest nicht ausschließt, dass wir zukünftig vielleicht mit Toad, Bowser und Co. durch unsere Wohnungen flitzen dürfen.

Pro und Contra

  • Pro: Geniales Prinzip mit dem Spielzeug-AR-Mix
  • Pro: Schnelles Setup
  • Pro: Direkte Steuerung des Karts
  • Pro: Coole AR-Effekte
  • Pro: Viele freischaltbare Karts, Hupen etc.
  • Contra: Für Streckenvariation viel Platz erforderlich
  • Contra: Kurse "wandern" nach links oder rechts
  • Contra: Nur Baby Bowser und Koopalinge als Gegner
  • Contra: Reichweite des Karts könnte höher sein

Test-Einschätzung der Redaktion

Tobias Veltin
@FrischerVeltin

"Was für ein geniales Konzept" Exakt das war mein Gedanke bei der Ankündigung von Mario Kart Live: Home Circuit. Quasi sofort war ich von der Idee fasziniert, Spielzeugautos über den Augmented Reality-Ansatz mit einem Switch-Spiel zu verbinden. Jetzt, nach einigen Stunden mit dem Spiel und Kart bin ich der Meinung immer noch. Denn es ist echt faszinierend und witzig, mit dem Spielzeugkart durch die eigene Wohnung zu flitzen und den AR-Gegnern die Items in den Auspuff zu knallen, auch dank des einfachen Setups. In seinen besten Momenten ist Mario Kart Live deshalb ein würdiger Träger dieses Namens.

Aber allzu schnell zeigt sich auch, dass die "normalen" Mario Karts dann doch noch mal eine ganze Ecke mehr Spaß machen als die Live-Variante. Denn dort ist die Kursvariation wesentlich höher, die Rennen fahren sich abwechslungsreicher und die Steuerung funktioniert noch besser. Klar, bei einem Mario Kart 8 fehlt der "Streckeneditor", aber den tausche ich jederzeit gerne gegen den dort gut funktionierenden (und vor allem wesentlich günstigeren) Multiplayer-Modus ein. Dazu kommen ein paar technische Einschränkungen, die meine Euphorie zumindest ein bisschen getrübt haben. Denn so genial das Mario Kart-Live-Konzept auch ist, ist es eben auch eins, das (noch) einige Macken hat.

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